Gemeinfrei via Fundus/ Hilke Wiegers
Leichtigkeit
Wenn das Herz vor Freude hüpft
23.07.2026 06:20

Der Alltag ist oft rau und anstrengend. Der Dichter Paul Gerhardt hatte eine Technik, wie man innerlich darüber hinweg springen kann.

Sendetext:

In seinem Roman "Tyll" hat der Schriftsteller Daniel Kehlmann den berühmten Tyll Eulenspiegel einfach mal in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges versetzt. Tyll ist der Narr, der den Herrschenden und den "ganz Normalen" frei draufzu sagt, wie er die Dinge sieht. Daniel Kehlmann schreibt:

"Tyll Ulenspiegel über uns drehte sich, langsam und nachlässig – nicht wie einer, der in Gefahr ist, sondern wie einer, der sich neugierig umsieht. Der rechte Fuß stand längs auf dem Seil, der linke quer, die Knie waren ein wenig gebeugt und die Fäuste in die Seiten gestemmt. Und wir alle, die wir hochsahen, begriffen mit einem Mal, was Leichtigkeit war. Wir begriffen, wie das Leben sein kann für einen, der wirklich tut, was er will, und nichts glaubt und keinem gehorcht."

Ob Paul Gerhardt, der Dichter und Pfarrer dieser Zeit, solch ein Gefühl im Sinn hatte, leicht zu sein, frei zu sein, als er das Weihnachtsgedicht schrieb "Fröhlich soll mein Herze springen"? Leichtigkeit stand ihm nicht einfach so "zur Verfügung". Die Schatten des Dreißigjährigen Krieges, den er selbst erlebte und erlitt, lagen auf ihm wie auf nahezu allen seiner Zeitgenossen.

Im Glauben aber hat er sich so frei gefühlt, wie es im rauen Alltag nie möglich war. Ich verbinde mal Paul Gerhardts Weihnachtsgedicht mit der Leichtigkeit, die der Sommer schenken kann: Ein Herz, das ein paar Extrasystolen hüpft: "Fröhlich soll mein Herze springen, dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen". Diese Zeile ist ein genialer Einstieg, kongenial von seinem Berliner Kantor Johann Crüger in fortstürmende Melodie gefasst.

Munter geht es zu, die Gläubigen laufen in großen Haufen, brennende Liebe, leuchtender Stern. Zum Schluss aber wird es ganz innig, still, ein Weihnachtsgeheimnis schimmert auf: "Ich will dich mit Fleiß bewahren. Ich will dir leben hier, dir will ich hinfahren. Mit dir", und jetzt kommt’s: "Mit dir will ich endlich schweben, voller Freud, ohne Zeit, dort im andern Leben."

Derart leicht zu sein, das ist also ein Angeld auf das große Schweben, dereinst.

Schon der Ausblick macht froh, dass dort, im anderen Leben, es schwebend-leicht zugehen wird. Das hilft konkret, in der bleiernen Schwere der Kriegs- und Nachkriegsjahre Paul Gerhardts. Bis heute hin werden Menschen leicht, wenn sie mitsingen: "Mit dir will ich endlich schweben…"

Es gilt das gesprochene Wort.

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