Fußball schafft Gemeinschaft, verbindet Generationen und lässt für Momente alles andere vergessen. So etwas brauchen wir, denn Menschen sehnen sich nach Zusammengehörigkeit.
Sendetext:
Heute werden wieder Millionen Menschen in Stadien pilgern oder vor Bildschirmen mitfiebern. Fußball verbindet Generationen, Regionen, Freundeskreise. Schon auf dem Weg zur Arbeit höre ich Gespräche über Aufstellungen, Chancen, Hoffnungen. Manche tragen Trikots, andere planen, wo und mit wem sie die Übertragung des Spiels sehen wollen.
Das gemeinsame Fußballfieber ist kein neues Phänomen. Am 18. April 1926, also genau vor 100 Jahren, wurde im deutschen Hörfunk erstmals ein Fußball-Länderspiel übertragen. In Düsseldorf spielte Deutschland gegen die Niederlande. Endstand 4:2.
Plötzlich konnten Menschen überall im Land gleichzeitig dabei sein. Sie hörten die Stimme des Reporters, spürten die Spannung, jubelten, bangten, hofften – auch ohne im Stadion zu stehen. Ein neues Gefühl von Gemeinschaft entstand übers Radio. Menschen, die sich nie begegnet waren, teilten denselben Moment.
Diese Sehnsucht nach Zusammengehörigkeit kennt auch die Bibel. In der Apostelgeschichte heißt es von den ersten Christen: "Sie hielten fest an der Gemeinschaft." (Apostelgeschichte 2,42) Nicht nur an Lehre und Gebet, sondern: an der Gemeinschaft. Am Miteinander.
Denn Gemeinschaft stärkt. Sie trägt durch Höhen und Tiefen. Wenn es gut läuft, wird die Freude größer. Wenn es schwer wird, ist man nicht allein.
Natürlich ist Fußball nicht Glaube. Aber er zeigt etwas zutiefst Menschliches: Wir wollen Teil von etwas Größerem sein. Wir wollen Emotionen teilen. Ob im Stadion oder im Gottesdienst, Menschen suchen Verbundenheit. Vielleicht erklärt das auch, warum Public Viewing so beliebt ist. Gemeinsam jubeln fühlt sich einfach besser an als allein auf dem Sofa. Und gemeinsam enttäuscht zu sein ist leichter zu ertragen.
Die Bibel sagt: Gott hat uns als Gemeinschaftswesen geschaffen. Wir sind nicht dafür gemacht, alles allein zu tragen. Nicht die Freude. Und nicht die Last.
Der Apostel Paulus vergleicht die Gemeinde mit einem Körper mit vielen Gliedern. Jeder ist anders. Jeder hat seine Aufgabe. Aber alle gehören zusammen. Wenn das Zusammenspiel gelingt, entsteht etwas Starkes. So wie eine Mannschaft nur gemeinsam gewinnt – und eben auch gemeinsam verliert.
Ich liebe Fußball, wenn ich das erlebe: Fairness, Respekt, Zusammenhalt. Auch dann, wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Wenn nicht jeder Pass gelingt. Wenn Fehler passieren.
Wenn’s gut läuft, ist Gottesdienst für mich wie ein Heimspiel des Glaubens. Menschen kommen zusammen, hören Gottes Wort, stärken sich gegenseitig. Singen, beten, schweigen. Und gehen dann wieder hinaus ins Leben, in ihre ganz persönlichen Spiele des Alltags. Gemeinschaft macht Mut. Jesus sagt: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." (Matthäus 18,20) Ob Niederlage oder Jubel: mittendrin.
Es gilt das gesprochene Wort.
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