Gemeinfrei via Unsplash/ Monaz Nazari
Zwischen Alltag und Advent: Warum das Warten vor Weihnachten mehr ist als verlorene Zeit.
Warten
Die Kunst, nicht zu eilen
27.11.2025 06:20

Zwischen Alltag und Advent: Warum das Warten vor Weihnachten mehr ist als verlorene Zeit.

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Noch ist nicht Advent. Aber man spürt: Er steht vor der Tür. In den Schaufenstern glitzert es längst. Auf den Weihnachtsmärkten dampft der Glühwein. Und in mir beginnt das vertraute Kribbeln: Nur noch ein paar Wochen, dann ist es wieder soweit! Weihnachten. Das große Fest der Erfüllung. Und doch – noch ist es nicht soweit. Wir stehen dazwischen. Zwischen Alltag und Advent. Zwischen Dunkel und Licht. Zwischen dem, was war, und dem, was kommen soll.

Das ist eine Herausforderung: das Dazwischen aushalten. Nicht sofort ins Nächste springen. Nicht das Warten überspringen.

Warten. Das klingt nach Stillstand, nach verlorener Zeit. Nach Schlange stehen, nach Geduld haben müssen. Wir leben in einer Zeit, die keine Pausen mag. Alles soll sofort gehen: Nachrichten in Sekunden, Pakete am selben Tag, Ergebnisse auf Knopfdruck.

Aber die Seele funktioniert anders. Sie wächst nicht im Eiltempo. Manchmal braucht das Leben seine Reifezeit. Wie der Teig, der gehen muss. Wie das Kind im Bauch. Wie eine Wunde, die heilen will.

Warten kann eine geistliche Übung sein – eine Art Training für Vertrauen. Wer wartet, gesteht sich ein: Ich habe nicht alles in der Hand. Ich kann nicht beschleunigen, was reifen muss. Ich kann nicht bestimmen, wann die Antwort kommt – nur, dass ich offen bleibe, wenn sie kommt.

Die Bibel ist voll von solchen Zwischenzeiten. Sara und Abraham warten auf ein Kind. Das Volk Israel muss in der Wüste ausharren. Maria, die Mutter von Jesus, trägt neun Monate lang ein Geheimnis in sich. Und immer wieder gilt: Gott handelt, aber selten nach menschlichem Zeitplan.

Vielleicht ist das ja die Kunst, die ich in dieser Zwischenzeit üben kann: nicht eilen. Nicht alles sofort wollen. Aufmerksam bleiben. Lauschen, was im Werden ist.

Ein alter Satz aus der Bibel sagt: "Alles hat seine Zeit." (Prediger Salomo 3) Das heißt: Auch das Warten hat Sinn. Es ist nicht bloß Leerlauf, sondern Raum für das, was wachsen darf – in uns und um uns herum.

Ich versuche, die Tage vor dem Advent so zu sehen: Nicht als lästige Wartezeit, sondern als Einladung, das Herz weit zu machen. Mich einstimmen auf das, was kommen will, aber noch nicht da ist. Nicht alles gleich schmücken, nicht alles gleich perfekt haben. Sondern der Sehnsucht Raum geben. Denn das ist ja der eigentliche Anfang von Advent: die Sehnsucht.

Sie ist das Licht, das schon jetzt in der Dunkelheit glimmt. Warten ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Ein Ausdruck von Hoffnung. Ein Zeichen des Vertrauens: Gott wird rechtzeitig kommen – nicht zu früh und nicht zu spät.

Und ich: Ich bin unterwegs – noch nicht angekommen. Aber ich vertraue darauf: Es wird Zeit.

Es gilt das gesprochene Wort.

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