"Wer bin ich, wenn ich nicht mehr gebraucht werde?", fragt eine Krankenschwester, die bald in Ruhestand geht. Das Dazwischen zwischen dem Bisherigen und dem Neuen ist eine besondere Zeit.
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Manchmal ist das Leben wie eine offene Tür, durch die man noch nicht gehen kann. Das Alte ist noch da, das Neue schon sichtbar. Aber man steckt dazwischen. In dieser Zwischenzeit geschieht viel: Abschied, Unsicherheit, Vorfreude – alles zugleich.
Ich denke an Sabine. Sie ist 64 und arbeitet seit über 40 Jahren als Krankenschwester. Ein Leben zwischen Frühdienst und Spätschicht, zwischen Medikamentenwagen und Patientenbetten. Sie kennt die Gerüche, die Routinen, die kleinen Zeichen, an denen man merkt, wie es jemandem wirklich geht.
Noch steht sie jeden Morgen im Dienstplan, macht Übergabe, hört zu, hält Hände. Aber in ein paar Monaten wird Schluss sein. Ruhestand. "Ich freu mich auf die freie Zeit", sagt sie. Und dann, nach einer kleinen Pause: "Aber irgendwie macht’s mir auch Angst. Wer bin ich, wenn ich nicht mehr gebraucht werde?"
Diese Frage kommt aus dem Herzen. Übergänge sind selten klar und einfach. Das Alte trägt noch – aber nicht mehr lange. Das Neue ist da – aber noch unklar. Man räumt Schubladen aus, schreibt letzte Mails, verabschiedet sich – und merkt, wie schwer es ist loszulassen.
Solche Zwischenzeiten gibt es nicht nur im Beruf. Auch nach einem Umzug, nach dem Ende einer Beziehung, wenn Kinder ausziehen oder wenn man Abschied nehmen muss. Das Leben kennt viele Schwellen.
Und auf jeder stellt sich dieselbe leise Frage: Wer bin ich, wenn sich alles verändert?
In der Bibel steht: "Alles hat seine Zeit: Geboren werden und sterben, pflanzen und ausreißen, weinen und lachen." (Prediger Salomo 3) Das klingt so schlicht – und ist doch eine tiefe Wahrheit. Es gibt Zeiten, in denen ich anpacke, plane, leiste. Und Zeiten, in denen ich loslasse, weitergehe, Neues lerne. Dazwischen – zwischen Ende und Anfang – da ist die Zeit, in der Gott besonders nahe sein kann.
Wenn ich mich frage: "Wer werde ich sein?", vertraue ich darauf: Gott bleibt – auch wenn sich alles andere verändert. Vielleicht ist die Übergangszeit sogar eine Einladung, sich selbst neu zu entdecken: Nicht über Aufgaben, Termine und Rollen – sondern über das, was bleibt. Über Beziehungen. Über Glaube. Über Lebensfreude.
Sabine hat das langsam gespürt. Sie erzählt: "Am Anfang wollte ich gar nicht darüber reden. Ich dachte, ich muss einfach durchhalten, bis es vorbei ist. Aber dann hab ich gemerkt: Diese Zeit dazwischen ist auch ein Geschenk. Ich darf lernen, einfach da zu sein, ohne ständig zu funktionieren." Das klingt nach Freiheit. Nach einem neuen Rhythmus. Nach dem Vertrauen: Das Leben geht auch dann weiter, wenn der Kalender leerer wird.
Vielleicht beginnt das Neue genau da: mit dem Mut, das Dazwischen nicht zu überspringen, sondern darin zu leben. Denn Gott geht mit – durch alle Türen, auch durch die, die noch auf mich warten.
Es gilt das gesprochene Wort.
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