Privat/ Martin Vorländer
Frauen, denen Gewalt angetan wurde, brauchen sichere Räume, in denen sie geschützt sind, gesehen und gehört werden.
Orange Day
Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen
25.11.2025 06:20

Frauen, denen Gewalt angetan wurde, brauchen sichere Räume, in denen sie geschützt sind, gesehen und gehört werden.

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Alles wird still, wenn ich an die Gewalt denke, die Frauen erleben. Und zugleich schreit alles in mir – gegen das, was Männer Frauen antun, und gegen das Schweigen darum herum.

Heute, am 25. November, ist der Orange Day, der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Ein Tag, der mahnt. Denn tagtäglich – alle drei Minuten, so das Bundesinnenministerium – erlebt ein Mädchen oder eine Frau häusliche Gewalt, wird geschlagen, bedroht, erniedrigt. Nicht irgendwo weit weg – sondern in Nachbarschaften, Familien, Beziehungen. Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter – und zu viele bleiben unbemerkt.

Ich denke an eine Frau, die mir einmal sagte: "Ich habe gelernt, still zu sein, damit er nicht noch wütender wird." Dieser Satz erzählt von Angst – von Unterdrückung und von einem langen Schweigen. Aber auch von einem Funken Hoffnung: Sie hatte angefangen zu reden. Und damit begann etwas: ein erster Schritt in Richtung Befreiung.

In einem Psalm steht: "Gott ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind." (Psalm 34,19)

Ich stelle mir vor, wie Gott sich neben eine Frau setzt, die nicht mehr weiterweiß. Wie Gott ihr den Rücken stärkt, wenn sie die Tür hinter sich schließt, um sich zu schützen. Wie er mit ihr schweigt, weil Worte nicht reichen. Diese Nähe Gottes ist kein billiger Trost. Sie ist ein Versprechen: Niemand bleibt allein im Leid.

Der Psalm ist ein Gebet für Menschen wie sie. Menschen mit zerbrochenen Herzen. Der Psalm bekräftigt: Gott ist nahe. Nicht fern, nicht unbeteiligt. Gott ist da – gerade dort, wo das Leben zerbricht. Wenn Gott den Zerbrochenen nahe ist, sollten auch wir da sein. Hinsehen, hinhören, nachfragen, helfen.

Manchmal beginnt Heilung mit einem Menschen, der einfach bleibt – der glaubt, was erzählt wird, und der aushält.

Gott steht auf der Seite der Verwundeten, nicht der Täter. Er weint mit den Frauen, die weinen. Gott stärkt die, die sich auf den Weg machen – hin zu einem Leben in Würde und Freiheit.

Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Der Tag ist Appell: Dass wir Räume schaffen, in denen Frauen sicher sind – Räume, in denen sie gesehen, gehört, in ihrem Schmerz gehalten werden.

Kirchen müssen, wo sie es noch nicht sind, zu solchen sicheren Räumen werden. Räume, in denen Frauen spüren: Gott sieht mich. Gott sieht, was mir angetan wird.

Wo Menschen die Nähe Gottes erfahren, da wächst Hoffnung. Da können Befreiung von Gewalt und Heilung beginnen. Ich vertraue darauf: Gott ist da, wo Menschen zerbrochen sind. Und wir dürfen diese Nähe sichtbar machen.

Es gilt das gesprochene Wort.

 

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