Gemeinfrei via Unsplash/ Gaelle Marcel
Sie kommt nicht mit Feuerwerk und großer Weltveränderung. Hoffnung ist oft leise. Aber stark.
Leises Licht in dunkler Zeit
Hoffnung braucht Schutz
28.11.2025 06:20

Sie kommt nicht mit Feuerwerk und großer Weltveränderung. Hoffnung ist oft leise. Aber stark.

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Die Tage sind kürzer, die Nächte länger. Morgens ist es dunkel, wenn der Wecker klingelt. Und abends, wenn ich nach Hause komme, ist es das oft schon wieder. Einfach dunkel. Das Jahr neigt sich, und mit ihm wächst eine gewisse Schwere. Viele Menschen spüren das – körperlich, seelisch.

Und doch: Genau jetzt beginnt das Wachsen des Lichts. Unsichtbar vielleicht, leise, kaum zu bemerken. Aber mitten in der Dunkelheit liegt der Keim für das Neue.

Diese Zwischenzeit – zwischen Herbst und Advent, zwischen Dunkelheit und Licht – erinnert mich daran: Hoffnung ist nichts Lautes. Sie drängt sich nicht auf, sie schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Hoffnung beginnt oft im Kleinen, unspektakulär. Dort, wo jemand den Mut hat, trotzdem weiterzugehen. Wo eine sagt: "Ich halte aus." Oder: "Ich glaube, dass es besser werden kann."

Ich denke an eine Frau, die ihren Mann nach langer Krankheit verloren hat. Sie sagte: "Die ersten Wochen waren stockdunkel. Ich hab kaum Licht gesehen. Aber dann kam meine Nachbarin eines Morgens mit einem Topf Suppe vorbei – einfach so. Da wusste ich: Ich bin nicht allein."

Solche Momente verändern nicht die ganze Welt. Aber sie verändern etwas im Innern. Und das ist vielleicht das Geheimnis der Hoffnung: Sie wächst da, wo Menschen sich gegenseitig nicht aufgeben. Wo eine für den anderen da ist. Wo trotz allem jemand sagt: "Ich sehe dich."

Die Bibel erzählt viele solcher Geschichten. Von Menschen, die im Dunkeln hoffen. Die Israeliten, gefangen in der Nacht der Fremde, hören die Verheißung: "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht." Maria, die Mutter Jesu singt, noch bevor das Kind geboren ist: "Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen."

Das ist keine naive Weltflucht. Das ist Widerstandskraft. Glaube, der nicht verdrängt, sondern vertraut. Ich nehme das als Aufgabe für diese Tage: Das Leise wahrnehmen. Das Kleine achten. Hoffnung nicht als Feuerwerk erwarten, sondern als flackernde Kerze, die man behüten muss – gegen den Wind, gegen den Zweifel, gegen die Kälte.

Denn Hoffnung braucht Schutz. Sie lebt davon, dass wir sie miteinander teilen. Ein gutes Wort, ein Blick, ein stilles Gebet – all das sind Funken, die Wärme schenken. Und manchmal reicht ein solcher Funke, um neu aufzubrechen.

"Die Nacht ist vorgedrungen", heißt es in einem Adventslied. "Der Tag ist nicht mehr fern." Das ist eine Zusage, die trägt: Das Dunkel hat nicht das letzte Wort. Das Licht kommt, auch wenn es leise kommt. Das Licht der Güte, der Nähe, der Hoffnung. Es ist leise, ja – aber es ist stark.

Es gilt das gesprochene Wort.

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