Die Zeit zwischen den Jahren ist eine besondere Zeit. Unser Autor nutzt sie für eine innere Einkehr. Er hat dafür eine spezielle Methode.
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Die Tage zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel sind besondere Tage. Diese sogenannte Zeit "zwischen den Jahren" verbringen viele, wenn es beruflich möglich ist, als Urlaubs- und Auszeit.
Ich versuche immer, diese Tage zu einer inneren Einkehr zu nutzen. Dazu passt, dass im evangelischen Glauben über jedem Jahr ein besonderes biblisches Wort steht, die Jahreslosung. In diesem Jahr war es ein Rat des Apostels Paulus an die ersten Christen in Thessaloniki und hieß: Prüft alles und behaltet das Gute.
Vielleicht bietet sich diese Woche dafür an:
Zu schauen, ob man noch alle hat und alles,
ob verfügbar sind Herz, Hirn und Hut,
ob Leichen sind in Keller und Gemüt
oder ob es noch lebt, tief drinnen.
Und sich zu fragen:
Was war denn in diesem Jahr gut?
Was durfte ich erleben, wen durfte ich treffen, wer darf bleiben –
in meinem Kopf, in meinem Herz, vielleicht sogar in meinem Leben?
Und was liegt mir schwer auf der Seele, was habe ich mir anders gewünscht, was schleppe ich weiter, obwohl ich es gern loshätte?
Wenn ich auf das zum Ende kommende Jahr schaue, so ist das, wie wenn ich bei einer Wanderung von einem Gipfel ins Tal blicke.
Ich sehe Spuren und Stufen, Brücken und Biegungen, Kehren und Einkehrplätze.
Daneben sehe ich auf das, was im Fluss ist:
Was stetig strömt, was werden will, was wachsen wird.
Als ich kürzlich eine Freundin gefragt habe, wie es ihr geht, hat sie gesagt:
"Ich will mich nicht beschweren."
Das fand ich gut, und so will ich es auch handhaben mit Blick auf das Jahr.
Ich will mich nicht beschweren.
Denn jede Beschwerde beschwert, belastet, bedrückt und ist mitunter schwer tragbar.
Vielmehr will ich dankbar sein für alles, was ist.
Und da ist viel:
viel Vertrautes, alles alltäglich, so selbstverständlich.
Dass aber alle Tage überhaupt sind und dass ich darin bin,
dass sich vieles vermeintlich von selbst versteht und mir so gut vertraut ist -
wie Wohnung und Wärme, Frieden und Freunde, Wahlessen und Wohlergehen -
ist weder alltäglich, selbstverständlich noch voraussetzbar,
sondern Gnade und guter Grund für Dankbarkeit.
Immer wieder, immer neu und gerade in diesen Tagen.
Prüft alles und behaltet das Gute. Rät in der Bibel Paulus.
So schaue ich froh zurück auf das Vergangene.
Mit prüfendem Blick mag ich es
gut
sein lassen.
Es gilt das gesprochene Wort.
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