Hirte folgt Schaf. Schaf folgt Engel. Engel folgt Krippe. Eine Weihnachtspyramide ist schön – aber auch ein einziges Gerenne im Kreis. Das kommt einem bekannt vor.
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Am Sonntag wurde an den Adventskränzen die vierte Kerze angezündet.
Es soll hell werden in Häusern und Herzen.
Dafür gibt es regional unterschiedliche Bräuche und Rituale.
Neben Liedern, Lichterbögen und Lebkuchen gibt es auch besondere Deko-Gegenstände.
Dazu gehört bei mir die Weihnachtspyramide, die sich fröhlich vor sich hindreht.
Jedenfalls, wenn nichts klemmt und alle Kerzen brennen.
Sie ist nicht nur ein schönes Symbol der Advents- und Weihnachtstage.
Ich finde: Sie ist auch ein passendes Zeichen für den Alltag:
Denn immer und immer und jede und jeder,
alles dreht sich und alle drehen sich
immer und immer um die eigene Achse,
im Kreis und um sich selbst.
Und immer in Bewegung und immer dasselbe,
derselbe Ablauf, Tageslauf, Lebenslauf,
immer drin im Hamsterrad, ein Rotieren in der Routine.
Aber haben nicht gerade in der Geschichte von Advent und Weihnacht
alle Beteiligten die gewohnten Wege verlassen?
Maria, eine Jungfrau, so sagt es die Bibel, ist schwanger. Es heißt:
Sie weiß von keinem Mann. Damit ist von einem Moment auf den anderen alles anders als gewohnt und noch dazu ganz und gar fremdbestimmt: Schwangerschaft, Kindsvater, Geburtsort, selbst der Name des Kindes. Und ob es Maria biographisch, finanziell, familienplanerisch und überhaupt so passen könnte, hat keiner gefragt.
Auch für ihren Verlobten Josef ist alles anders als erwartet. Er ist mit der Situation ausgesprochen unzufrieden und überlegt, wie es heißt, sie heimlich zu verlassen.
Wer will es ihm verdenken.
Dann geschieht wieder etwas Besonderes:
Denn ein Engel erscheint ihm im Traum,
Josef kommt auf andere Gedanken und bleibt.
Was dann kommen wird – der lange Weg von Nazareth nach Bethlehem, die Ungastlichkeit vor Ort, die Geburt und das Neugeborene im Futtertrog – hat ebenfalls niemand erhofft noch erwartet.
Auch nicht, dass dann ein Massenauflauf dort sein wird, mit Viehhirten und schlauen Leuten,
die vor einer Futterkrippe mit einem Kind drin knien werden.
In den Geschichten der Advents- und Weihnachtszeit werden die Kreisläufe menschlicher Logiken und täglicher Gewohnheiten durchbrochen.
Darum schaue ich gern in diesen Tagen auf meine Pyramide.
Ich sehe die Figuren und ihre Geschichten.
Und denke daran, dass man nicht vorankommt,
wenn man sich immer nur im Kreis und um sich selbst dreht.
Besser, ich lasse mich unterbrechen und erwarte Unerwartetes.
Und dabei rechne ich nicht mit dem Schlimmsten.
Sondern damit, dass auch mir in allem, was finster ist, ein Licht aufgeht
und neue Wege weist.
Es gilt das gesprochene Wort.
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