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Warum am 2. Februar für manche der letzte Tag von Weihnachten ist – und wie ein Lichtvorrat fürs ganze Jahr aussieht. Eine Geschichte über Kerzen, Segen und neue Anfänge.
Lichtvorrat
Lichtmess und Kerzensegen
02.02.2026 06:20
Warum am 2. Februar für manche der letzte Tag von Weihnachten ist – und wie ein Lichtvorrat fürs ganze Jahr aussieht. Eine Geschichte über Kerzen, Segen und neue Anfänge.
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Für eine Freundin von mir ist heute der letzte Tag von Weihnachten. Sie zelebriert die Weihnachtszeit immer bis ultimo, also bis zum 2. Februar. Der Tag heißt in der evangelischen Kirche "Tag der Darstellung des Herrn" und in der katholischen "Mariä Lichtmess". Damit endet das Christfest sogar für die, die es besonders lange auskosten wollen. Meine Freundin packt heute ihre Krippe ein und räumt die Weihnachtsdeko weg.

Weihnachten ist genau 40 Tage her. 40 Tage nach Jesu Geburt gehen seine Eltern Maria und Josef nach damaligem Brauch in den Tempel, um ihr Neugeborenes segnen zu lassen. Daher der Name "Darstellung des Herrn" – Jesus wird "dargestellt", also Gott gezeigt und Gott anvertraut.

40 Tage. In unserer Zeit heißen die sechs bis acht Wochen nach einer Geburt "Wochenbett". Ich höre von frisch gewordenen Eltern um mich herum: Das Wochenbett ist eine wichtige Zeit, damit Mutter und Kind sich körperlich und seelisch von der Geburt erholen. Eine wichtige Zeit, damit die Eltern und ihr Neugeborenes sich aneinander gewöhnen. Der Gang in den Tempel 40 Tage nach der Geburt und die Bitte um Segen markierten zur Zeit von Jesus den Übergang zum Alltagsleben mit Kind.

Im Tempel sieht ein alter Mann namens Simeon das Jesus-Baby. Er nimmt es auf den Arm und dankt Gott: "Meine Augen haben deinen Heiland gesehen, (…), ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel." (Lukas 2,30-31)

Jesus als Licht der Welt. Daher kommt der Brauch insbesondere in der katholischen und in der orthodoxen Kirche, heute Kerzen zu segnen. Der Gottesdienst am 2. Februar ist einer der bestbesuchten im Jahr. Viele bringen eine Kerze, manche sogar zwölf Kerzen in die Kirche. Eine Kerze für jeden Monat im Jahr bis zum nächsten 2. Februar.

Ich bin nicht katholisch. Aber mir gefällt der Gedanke: Ein Lichtvorrat für das ganze Jahr. Ich zünde gerne in besonderen Momenten eine Kerze an. Wenn ich am Schreibtisch sitze und eine gute Idee brauche, lasse ich eine Kerze brennen. Die ruhige Flamme hilft mir, meine Gedanken zu sammeln. Dieses äußere Zeichen erinnert mich daran: Ideen kommen nicht allein aus mir selbst. Sie können auch eine Erleuchtung von außen sein. Oder von oben.

Wenn ich in eine Kirche gehe zur Besichtigung oder zum Gottesdienst, dann zünde ich gerne zwei Fürbitt-Kerzen an, die es in den meisten Gotteshäusern gibt: eine Kerze für die Lebenden und eine für die Toten. Manchmal mache ich davon ein Foto und schicke es den Menschen, an die ich gerade besonders denke. Ich spüre dabei: Wir sind miteinander verbunden. Und das lässt das Leben leuchten.

Es gilt das gesprochene Wort.

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