Gemeinfrei via Fundus/ Kai G. Fundus
Den Januar finden viele grau, glanzlos, lang. Unsere Autorin auch. Aber sie versucht, die Sache mal umgekehrt zu sehen, als es der allgemeine Klage-gesang tut. Das hat erstaunliche Effekte.
Umgekehrt
Was es bringt, die Dinge positiv zu sehen
20.01.2026 06:20

Den Januar finden viele grau, glanzlos, lang. Unsere Autorin auch. Aber sie versucht, die Sache mal umgekehrt zu sehen, als es der allgemeine Klagegesang tut. Das hat erstaunliche Effekte.

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Der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre hat einen bestechenden Vorschlag gemacht, wie man langweilige Gespräche wieder in Gang bringen kann. Erst eine Weile zuhören, was der andere zu sagen hat. Und dann einwerfen: "Also bei mir ist es genau umgekehrt." Stuckrad-Barre meint, das würde mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit funktionieren. Und für die restlichen zehn Prozent würde einem dann schon noch etwas einfallen.

Ich habe mich noch nicht getraut, das auszuprobieren. Aber ich kenne genug Gespräche, wo ich es gerne mal versuchen würde. Dort, wo ein Satz nach dem anderen in den "Sich-Beklagen-Modus" fällt: Früher wäre ja alles besser gewesen, im eigenen Leben und erst recht in der Gesellschaft. Alles wird immer schlimmer und die Zukunft sieht düster aus. Ich vermute, viele kennen solche Gesprächspartner, die einen mit ihrer pessimistischen Sicht der Dinge so richtig runterziehen. In solchen Fällen würde ich dann darauf warten, dass jemand zu mir sagt: "Oder wie sehen Sie das?" Und dann würde ich antworten: "Bei mir ist es genau umgekehrt."

Das bringt nicht nur Gespräche wieder in Gang. Es ist eine allgemeine Lockerungsübung für die Haltung zum Leben. Zum Beispiel könnte ich jetzt in das Klagen über den Januar einfallen. Gute Gründe dafür gibt es: Der Januar ist oft fahl, glanzlos, grau. Aber ich könnte auch einfach sagen: Also bei mir ist es umgekehrt. Ich mag den Januar richtig gerne.

Die Idee mit dieser umgekehrten Sichtweise ist natürlich nicht neu. Schon Paulus in der Bibel hat sie angewendet bei seinen Versuchen, die Botschaft von Jesus an möglichst viele Menschen weiterzusagen. Er hat wirklich allerhand auszustehen gehabt in seinem Leben. In seinen Briefen schreibt er davon. Er hat sich schwach gefühlt und arm und traurig.

Und dann hat er an Jesus gedacht, der auch immer alles umgekehrt hat. Die Verhältnisse in der Gesellschaft und die Sicht auf die Armen und Schwachen und Traurigen. Jesus hat sie glücklich gepriesen. Er selbst war auch das genaue Gegenteil davon, wie man sich es vorstellt, dass Gott ein Mensch wird: Geboren in einem Stall, gestorben an einem Kreuz.

Für Paulus war Jesus in diesem komplett Umgekehrt-Sein das Vorbild. Und deswegen konnte Paulus mit seinen eigenen Schwächen und Traurigkeiten ganz anders umgehen. Er hat sie einfach umgekehrt. Und schreibt deswegen Sätze wie: "Wir leben als die Traurigen, aber allezeit fröhlich. Wir leben als die Armen, die doch viele reich machen." Von dieser Umgekehrt-Sein-Energie im Januar bitte ganz viel!

Es gilt das gesprochene Wort.

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