Gemeinfrei via Fundus/ Rolf Oeser
Bringt es etwas, wenn andere für mich beten?
Mutterstunde
Gebet für Stillende
06.03.2026 06:20

Bringt es etwas, wenn andere für mich beten?

Sendetext lesen:

Im ersten Lebensjahr eines Kindes werden Nächte sehr lang. Ich habe mich als junge Mutter wie ein nachtaktives Tier gefühlt – genauer gesagt: wie ein nachtaktives Säugetier. All die Stunden zwischen zwei und vier Uhr früh, die ich mit meinem Sohn stillend am Tisch saß. Um uns das gedimmte Licht, das uns in einen goldenen Schein tauchte. Unsere goldene Stunde.

Nicht jede dieser Nächte war leicht. Ich war häufig überwältigt, übermüdet und überfordert. Aber in den meisten Nächten fand ich es trotzdem gemütlich: In dieser Stille und in diesem gedimmten Licht so innig mit meinem Baby zu sitzen.

Dabei geholfen hat, dass jemand für uns gebetet hat. In einem kalifornischen Kloster stellen sich Nonnen für Mitternacht einen Wecker. Sie stehen auf, um für Mütter auf der ganzen Welt zu beten, die mit ihren Kindern wach sind. "Mutterstunde" nennen die Nonnen ihr nächtliches Gebet.

Ich selbst habe von diesem Gebet nur online gelesen in einem Bericht einer Mutter, die darüber erzählt hat. Die Malerin und Mutter Leanne Bowen war in diesem Nonnen-Kloster für eine Auszeit. Sie nahm auch an dem Gebetsplan der Nonnen teil. Und um Mitternacht betete sie mit den anderen eine Stunde lang in der Mutterstunde. Diese Gebetspraxis hat sie beeindruckt und gerührt. Ihr wurde klar: All die Nächte, in denen sie als Mutter sich so müde und allein und ausgedörrt gefühlt hat, waren die Klosterschwestern mit ihr wach und haben auch für sie gebetet. Dieses Gebet hat etwas in ihr verändert, schreibt Bowen in einem Post auf Social Media.

So geht es mir auch, seitdem ich von dem Mutterstundengebet gehört habe. Gebete haben Wirkung. Wir verändern die Welt durch Gebete. Zum Beispiel durch ihren Effekt auf die Menschen, für die Gebete gesprochen werden.

Es ist ein liebevoller Akt, für jemanden zu beten. Die Nonnen dieses Ordens bringen die Schicksale von Menschen vor Gott. Sie ahnen, wie schwer die Nächte mit Säugling sind. Sie wertschätzen die Anstrengung und den Einsatz der Mütter. Sie sind in Gedanken und mit Worten bei ihnen und stehen ihnen so über geografische Grenzen hinweg bei. Die Nonnen formulieren Bitten für diese Frauen und ihre Kinder vor Gott. Deutlicher könnten sie nicht sagen: Wir kümmern uns um euch. Ihr Gebet ist Fürsorge, lebendiges Wort, Sprache mit Wirkung.

Diese Nonnen schenken Müttern auf der ganzen Welt eine Stunde: Mutterstunde, goldene Stunde, Gebetsstunde.

Es gilt das gesprochene Wort.

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