Beim Krippenspiel regnet es goldene Bonbons. Warum Überraschungen zur Weihnachtsgeschichte gehören – und wie wir mit Unerwartetem im Advent umgehen können.
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Am Ende des Krippenspiels verteilen die Heiligen Drei Könige Bonbons in der Gemeinde – Überraschung! Sie gehen durch die Bankreihen. Karamellbonbons im goldenen Papier fliegen durch die Kirche, auch hoch zur Empore. Kinderhände strecken sich nach den leuchtenden Bonbons. Ein paar machen mit "Hier"-Rufen auf sich aufmerksam.
Kamelle zum Krippenspiel – typisch für eine Pfarrerin aus dem Rheinland, hieß es in meiner Berliner Gemeinde. Dabei kam diese Idee nicht von mir. Ich kokettiere zwar gerne damit, dass ich mit Karnevalstraditionen aufgewachsen bin. Aber mit den Bonbons habe ich nichts zu tun. Die wollten die Kinder gerne verteilen.
Die Krippenspieler*innen wollten nämlich, dass alle etwas von den Geschenken der Heiligen Drei Könige abbekommen. Weihrauch und Myrrhe boten sich nicht so gut an. Aber Gold! Das war es. Zuerst haben wir über goldenes Konfetti nachgedacht. Dann kamen wir auf die Idee mit den Bonbons.
Sie waren eine schöne Überraschung für alle im Gottesdienst. Denn Kamelle zum Krippenspiel hat niemand erwartet. Zum Glück kam diese Überraschung gut an.
Das ist nicht mit allen Überraschungen so in der Advents- und Weihnachtszeit. Denn Erwartungen spielen im Dezember eine enorme Rolle.
Der Advent sind die Wochen, in denen es besonders gemütlich und besinnlich werden soll. Im Kirchenjahr ist der Advent die Zeit des Wartens. Gleichzeitig ist der Advent der Beginn des Kirchenjahres. Der Advent – und nicht Weihnachten, das Fest der Geburt von Jesus. Das macht erlebbar: Zu jedem großen Ereignis gehört ein Vorher. Wir beginnen nicht mit dem Ereignis, der Geburt Jesu. Wir starten mit dem Warten. Wir Christ*innen erwarten, die Geburt Jesu zu feiern. Wir fühlen im Advent nach, wie es gewesen sein muss, auf den Retter hinzufiebern.
Und Weihnachten ist nicht die Endstation der Sehnsucht. An Heiligabend nimmt die Bedeutung von Erwartungen nicht ab. Viele haben ihre Vorstellungen von einem idealen Weihnachtsfest. Für manche Familien gehört der Besuch eines Krippenspiels dazu. Dass dort dann Bonbons durch die Luft fliegen, damit rechnen wohl die wenigsten.
Aber es lohnt sich, ab und an auch mit Überraschungen zu rechnen. Denn alle in der biblischen Weihnachtsgeschichte haben erlebt, dass es anders kommt, als sie dachten: Maria und Josef, die sich die Geburt ihres ersten Kindes anders vorgestellt haben. Die Hirten auf dem Feld, in deren normaler Nachtschicht plötzlich ein Engel auftaucht. Die Weisen im Morgenland, die einen unerwartet großen neuen Stern entdeckt haben. Darum: Für Weihnachten mit dem Unerwarteten rechnen. Dass Gott Mensch wird zum Beispiel – Überraschung!
Es gilt das gesprochene Wort.
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