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Hektik auf der Wochenbettstation: Alle sind in Eile, nur ein Krankenhausmitarbeiter hält inne. Er hat vorher auf der Palliativstation gearbeitet und weiß: Unsere Zeit ist zerbrechlich – am Anfang wie am Ende des Lebens.
Letzte und erste Tage
Geboren werden und sterben
08.12.2025 06:20

Hektik auf der Wochenbettstation: Alle sind in Eile, nur ein Krankenhausmitarbeiter hält inne. Er hat vorher auf der Palliativstation gearbeitet und weiß: Unsere Zeit ist zerbrechlich – am Anfang wie am Ende des Lebens.

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Auf der Wochenbettstation im Krankenhaus wird schnell klar: Zeit ist hier zerbrechlich. Wenn eine frisch gewordene Familie aus dem Kreißsaal kommt, ist viel zu tun. Jeder Handgriff ist neu für das Paar mit seinem ersten Kind: Windeln wechseln, stillen, pumpen, das Neugeborene bewundern, die ersten Laute analysieren und herausfinden, warum es schreit. Die Zeit fliegt zwischen all den ersten Malen, der Erschöpfung von der Geburt, dem Glück über das Neugeborene.

Auf der Wochenbettstation sind die meisten schnell unterwegs: Schauen schnell, ob das Stillen klappt, und haben rasch ein Hilfsmittel geholt. Sie bringen zügig eine Tablette, stellen in Hochgeschwindigkeit ihre Fragen.

Für Ruhe, Schlaf und Essen bleiben wenig Möglichkeiten. Tage und Nächte verschwimmen und so stapeln sich die Tabletts mit Mahlzeiten im Familienzimmer. Plötzlich steht die Entlassung an.

Die Zimmertür geht schon zum dritten Mal auf. Ein Krankenhausmitarbeiter schaut herein: Eigentlich müsste er das Zimmer reinigen für die nächste Familie. Die junge Mutter mit ihrem Kind, die eigentlich schon draußen sein will, wird nervös, denn alles dauert. Ihr eineinhalb Tage alter Sohn nuckelt an der Brust. Sie muss sich noch anziehen. Im Zimmer liegen ihre Sachen noch verteilt und ihr Mann ist immer noch unterwegs.

Sie entschuldigt sich beim Krankenhausmitarbeiter. Aber der winkt verständnisvoll ab: Kein Problem. Endlich hält jemand die Zeit in diesem Zimmer an. Er bringt Ruhe in dieses kleine junge Chaos.

"Ach ja?", fragt die Mutter überrascht und erleichtert.

Er kenne das doch. Dann mache er das Zimmer eben in der nächsten Runde.

"Wo nehmen Sie diese Ruhe her?", fragt die Mutter weiter.

Er sei so gerne umgeben von jungen Familien und kleinen süßen Neugeborenen. Er habe vorher auf der Palliativstation gearbeitet. Er sei lieber am Anfang als am Ende des Lebens dabei. Dieser Mann kennt die Extreme des Lebens. Die ersten und die letzten Tage von Menschen. Und er weiß, wie fragil das Leben am Anfang und am Ende ist und wie zerbrechlich die Zeit in solchen Momenten.

Momente, in denen klar wird, dass unsere Zeit nicht uns gehört. Ein Satz, der zu den ersten und den letzten Tagen passt, steht in der Bibel im Psalm 31. Darin betet jemand zu Gott: "Meine Zeit steht in deinen Händen." Auch hier ist Zeit etwas Zerbrechliches: Gott hält die Zeit wie ein kleines Vögelchen in seinen Händen. Wir borgen sie oder lassen uns von ihr umgeben. Und sie, die Zeit, fliegt zwischen unserem Geborenwerden und Sterben, zwischen unseren ersten und letzten Tagen.

Es gilt das gesprochene Wort.

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