epd-bild / Christian Ditsch
Anoha – ein Blick für Kleine
Die Arche mit Kinderaugen
19.09.2026 06:20

In Berlin steht eine Arche, an der Kinder mitkonzipiert haben. So wurde dieses Riesenschiff zu einem Ort, an dem jedes Tier von Anfang an zählt.

Sendung:

Ich entdecke gerne, was Menschen aus biblischen Geschichten machen. Denn häufig lerne ich dadurch eine Perspektive kennen, die ich vorher nicht hatte. Nicht immer passt die Nacherzählung einer biblischen Geschichte zwischen zwei Buchdeckel.

Im Fall von "Anoha" passt sie nicht mal in vier Wände. "Anoha" ist eine Art Nacherzählung der Sintflut-Geschichte. "Anoha" ist die Kinderwelt des Jüdischen Museums in Berlin. In einer riesigen Halle und über mehrere Räume erstreckt sich ein geschickt getischlerter Teil der Arche, dem riesigen Holzschiff, in dem Noah seine Familie und ein Paar jeder Tierart Zuflucht vor der Sintflut gefunden haben. 

Kinder können diesen Teil der Arche erkunden, klettern, Tiere entdecken und selbst Schiffe bauen aus Sachen, die weggeworfen wurden, aber alles andere als Müll sind. Dazu gibt es Audioschnipsel, die von Tierarten erzählen, und Tierfiguren, die aus entsorgten Gegenständen gebaut sind. Der Elefant trägt einen Rüssel aus Dosen und alten Rohren. Die Orang-Utan-Dame hat Lippen aus einem alten Basketball. Die Mäusegesichter sind aus Teeeiern zusammengesetzt. 

Kinder selber haben daran mitgearbeitet. Sie waren von Anfang an einbezogen bei der Gestaltung der Halle im Jüdischen Museum in Berlin. Ein Wunsch der Kinder hat mich besonders beeindruckt. Sie wollten, dass die Anoha-Arche mehrere Eingänge hat. Denn die Kinder fanden: Für kleine Tiere ist es zu einschüchternd, wenn sie mit den großen Tieren durch die riesige Pforte müssten. Also haben die Kinder Türen in unterschiedlichen Größen gefordert. 

Beeindruckend einfühlsam und inklusiv finde ich das und erkenne: Was für ein Großprojekt, von jeder Tierart ein Paar zusammenzubringen! Bei einem so großen Vorhaben bedarf es kreativer Ideen, um auf die Bedürfnisse der verschiedenen Beteiligten zu achten. Man schaut schnell auf die, die laut und groß sind. Den Kindern bei dem Arche-Projekt im Jüdischen Museum Berlin ist es gelungen, den Blick der Kleinen einzunehmen. Sie haben sich in deren Wünsche hineinversetzt und eine Lösung für sie gefunden. 

Mir hat das eine neue Perspektive eröffnet. Die Kinder machen mich aufmerksamer dafür, was anderen wichtig ist. Ihre Kreativität ist mir Beispiel dafür, wie Zusammenleben so funktioniert, dass jeder zählt und sich von Anfang an wohlfühlt.
 

Es gilt das gesprochene Wort.