Guter Hoffnung, trotz allem
Samstags nach den Tagesthemen im Ersten
29.11.2025 23:50

Kann es angesichts der schwierigen Lage, in der sich die Welt befindet, überhaupt noch eine Aussicht auf Gutes geben? Die morgen beginnende Adventszeit ist in der christlichen Tradition eine Zeit der Hoffnung und des Wartens auf Weihnachten, auf das Fest der Geburt Jesu. Für Pastoralreferentin Johanna Vering verbindet sich in diesem Jahr damit auch noch eine ganz persönliche Hoffnung. Welche, das verrät sie in ihrem Wort zum Sonntag.

Sendetext lesen:


Schönen guten Abend in dieser Nacht zum ersten Advent!

Als Kind habe ich die Sissi-Filme mit Romy Schneider geliebt. Besonders eindrücklich fand ich die Szene, in der die Kaiserin erfährt, dass sie ein Kind bekommt. Da sagt nämlich der Arzt zu Sissi: "Majestät sind guter Hoffnung!" Diesen Ausdruck kannte ich bis dahin nicht. Den hat niemand in meinem Umfeld verwendet, wenn jemand schwanger war. Er hat sich mir jedenfalls durch die lieblichen Sissi-Filme eingeprägt, und als ich das erste Mal schwanger war, ist er wieder aufgeploppt.

Und jetzt gerade ist er für mich und meine Familie ganz aktuell, weil ich wieder schwanger bin und jetzt auch noch der Advent beginnt. Die christlich geprägte Hoffnungszeit schlechthin. Und so kann ich echt sagen: Ich bin irgendwie voll von guter Hoffnung!

Das klingt für Einige vielleicht realitätsfern. Die aktuelle Weltlage und gesellschaftspolitische Situation geben in der Tat ja auch eher Anlass dazu, die Hoffnung zu verlieren, als sie zu beschwören. Ich bin Anfang vierzig und habe in meinem Leben noch keine solche Zeit wie jetzt erlebt, in der der gesellschaftliche Zusammenhalt im eigenen Land so sehr bröckelt und die Krisenherde weltweit ein solches Ausmaß annehmen. Dabei ist mir klar, es gab zu jeder Zeit Anlass zur Frage: "In so eine Welt willst Du ein Kind setzen?" Und ich habe vollstes Verständnis für jede Form der Antwort. Meine ist: Ja! Natürlich, weil ich gerne als Familie mit Kindern leben möchte und mir - und uns - das möglich ist. Gott sei Dank! Aber auch, weil wir hoffnungsvoll sind, dass es gut weitergeht. Dass es gute Gründe zum Leben gibt.

Einer dieser Gründe ist für mich Weihnachten: Gott kommt mitten ins Leben. Und deshalb habe ich mir gerade in diesem Advent vorgenommen, die Hoffnung so hochzuhalten, wie nie! Auch, weil ich mich natürlich darum sorge, ob mit der Geburt alles gut geht – also mit der Geburt unseres Kindes. 

Der Advent ist durch und durch geprägt davon, auf das Fest der Geburt des Jesus von Nazareth zu warten. Viele biblische Texte kreisen genau darum. Da wird hoffnungsvoll von dem gesprochen, der da kommen soll. Und diesem Gedanken kann ich mich nicht entziehen. Da heißt es zum Beispiel: "Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts!"

Die "Waffen des Lichts" - was für ein Bild! Klingt nach Krieg: Waffen. Aber es sind keine Maschinengewehre und Kanonen damit gemeint, sondern ich verstehe "Waffen des Lichts" so: Es geht um Hoffnungsmomente. Wenn Konfliktparteien miteinander reden und nicht übereinander. Wenn Menschen sich fröhlich auf Weihnachtsmärkten treffen, obwohl die Angst vor Anschlägen im Nacken sitzt. Und bei mir persönlich: wenn unsere Vierjährige wie ein wilder Adventswichtel begeistert um den Adventskranz hüpft und singt: "Wir sagen Euch an den lieben Advent". Oder eben: wenn da ein Menschenkind auf dem Weg ins Leben ist.

Das sind für mich die Hoffnungsmomente, die "Waffen des Lichts!" Denn am Ende des

Advents steht Weihnachten. Und dann wird das Licht gefeiert: Gott wird Mensch. Mehr Hoffnung geht nicht! Denn dass Gott sich so klein und verletzlich macht und sich auf diese schwierige Welt einlässt, ist für mich jedes Jahr wieder erstaunlich und ergreifend.

Genau deshalb bleibe ich hoffnungsvoll. Mit Gott an der Seite von uns Menschen wird es einmal gut und heil. Mir ermöglicht diese Hoffnung zuversichtlich auf das Leben zu blicken. Ich will voll guter Hoffnung bleiben - in diesem Advent ganz besonders!

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht und einen Advent voller Hoffnung.
 

Es gilt das gesprochene Wort.

Kontakt zur Sendung

Katholischer Rundfunkbeauftragter für Das Wort zum Sonntag für den WDR

Dr. Philipp E. Reichling OPraem
Telefon   0221 / 91 29 782
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