Kirchengemeinde Reinbek-West
Mit dem Herzen hören
aus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Reinbek bei Hamburg
23.03.2025 10:05

In krisenhaften Zeiten wächst oft die Sehnsucht nach einem Reset, einem verheißungsvollen Neustart. Geht das? In der Bibel fängt so eine heilsame Erneuerung mit einem "hörenden Herzen" an. Ein Herz, das doppelt hört: auf sich selbst und auf das, was andere bewegt.

Darum geht es in dem evangelischen Gottesdienst am Sonntag, 23. März 2025, aus der Nathan-Söderblom-Kirche in Reinbek bei Hamburg. Der Deutschlandfunk überträgt den Gottesdienst live ab 10.05 Uhr.

"Die eigene Ratlosigkeit anzuerkennen. Die eigene Lähmung zu benennen. Der Angst Worte zu geben. Vielleicht kann ich erst dann in meiner eigenen Seele Antworten und Lösungen finden", sagt Pastorin Bente Küster in ihrer Predigt.

Musikalisch wird der Gottesdienst gestaltet von dem Kammerchor und dem Taizé-Ensemble der Gemeinde unter der Leitung des Kirchenkreiskantors Benedikt Woll. Er spielt auch die Orgel. Es lesen Wolfgang Nicklaus und Ludmilla Kristen. 

Lieder des Gottesdienstes:
1. EG 455: Morgenlicht leuchtet
2. Ich steh vor dir mit leeren Händen
3. Taizé: Bleibet hier
4. Taizé: Behüte mich, Gott
5.- 6. Fürbittenruf: Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut
7. EG 369:  Wer nur den lieben Gott lässt walten
8. Weise uns den Weg

Nach der Sendung:
Hörertelefon von 11 bis 13 Uhr: 040 7226315

Predigt lesen:

Liebe Gemeinde, liebe Hörerinnen und Hörer,

als Mariann Edgar Budde, Bischöfin der Episcopal Church in Washington, im Januar diesen Jahres die letzten Sätze ihrer Predigt beginnt, wird es noch stiller in der großen Kirche.

In der ersten Reihe sitzt der neu gewählte Präsident der USA mit seiner Familie.
Die Bischöfin richtet ihre Worte bedacht und klar an ihn.
Sie erinnert an die christlichen Grundpfeiler:
Nächstenliebe, Erbarmen und Sanftmut.

Der Präsident aber sitzt mit versteinerter Miene auf seinem Platz. Keine Spur von Selbstzweifel. Er braucht keinen Rat von außen.

Völlig anders der König Salomo vor 3000 Jahren: "Ich weiß nicht mehr aus noch ein."
So soll er es im Traum zu Gott gesagt haben.
Gerade war er eingesetzt worden als Herrscher über ein großes Volk.
Die Verantwortung quält ihn.
Wie ein Berg lastet sie auf seiner Seele.
Worauf hat er sich da bloß eingelassen?
"Ich weiß nicht mehr aus noch ein."

Wie oft habe auch ich diesen Satz in letzter Zeit gehört.
An Gräbern und Küchentischen,
zwischen Tür und Angel,
am Telefon.

Wie oft habe ich gehört:
"Die Welt ist so laut geworden.
Und es geht alles zu schnell."

Wo geht es hin? Oft wissen wir weder aus noch ein zwischen all den lauten Tönen und schrillen Forderungen. Zwischen Machtgerangel und der Lautstärke, mit der wir unsere Ratlosigkeit zu übertönen versuchen.

Salomo geht einen anderen Weg. 

Er tut das Klügste, was man in dieser Situation machen kann:
Er tritt einen Schritt zurück von den Problemen.
Er fährt sich runter.
Er beruhigt die aufgeregte Seele.
Er schläft. 

Aber auch im Schlaf lässt sich der Lärm der Welt nicht abstellen.
Die Sorgen und Nöte des gerade eingesetzten Herrschers,
die Belastungen des Neuanfangs,
die drückende Verantwortung –
sie begleiten ihn bis in den Schlaf, bis in seine Träume.

Im Traum begegnet Salomos Seele seinem Gott.
Salomo weiß sich diesem Gott verpflichtet.
Salomo weiß: Ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt.
Die Macht, die mir anvertraut wurde,
fordert Verantwortung von mir.

Die wenigsten von uns sind gerade im Begriff, Königin oder König eines Volkes zu werden.  Aber zwischen Neuanfängen und Verantwortung stehen wir alle – immer wieder:

Eine neue Regierung in Berlin sucht Kompromisse und Wege in die Zukunft.
Wird die Koalition vier Jahre lang halten?
Wird sie die Probleme unseres Landes lösen können?
Wird es ihr gelingen, den Frieden in Europa zurückzugewinnen?

Was für eine Last muss auf diesen Männern und Frauen liegen, die da gerade in Berlin bereit sind, Verantwortung zu übernehmen!

Aber auch privat stehen viele von uns vor Neubeginn und spüren die damit verbundene Verantwortung:

Ein beruflicher Neuanfang ist zu bewältigen.
Eine Ehe wird geschlossen oder zerbricht.
Ein junges Paar erwartet das erste Kind – mit aller Freude und aller Sorge.
Eine Krankheit zwingt, das eigene Leben neu auszurichten.

Wir wissen es:
Für solche Neuanfänge braucht es Mut.
Und Entschlossenheit.
Und Vertrauen, viel Vertrauen.
Vielleicht können wir von Salomos Geschichte lernen.
3000 Jahre alte Weisheit in unser Heute übertragen...

"Ich weiß nicht mehr aus noch ein." 
Kann ein solches, verzweifeltes Bekenntnis
so etwas sein wie der erste Schritt eines neuen Anfangs?

Vielleicht braucht es das ja tatsächlich:
Die eigene Ratlosigkeit anzuerkennen.
Die eigene Lähmung zu benennen.
Der Angst Worte zu geben.
Vielleicht kann ich erst dann in meiner eigenen Seele
Antworten und Lösungen finden.

Amen. 

Es gilt das gesprochene Wort.
 

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Radiopastorin Susanne Richter
Ev. Rundfunkreferat der norddeutschen Kirchen e.V
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