Gemeinsam lernt man besser

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Gemeinsam lernt man besser
16.01.2021 - 10:00
 

 

Starke Verunsicherung

Ende November hatte der Stadtschüler*innenrat in Frankfurt am Main zum Streik aufgerufen. Für einen besseren Schutz vor Corona an den Schulen durch die Einführung eines sogenannten Wechselunterrichtes. Das bedeutet: die Klassen werden geteilt. Zwei Wochen lang ist die eine Hälfte in der Schule, die andere Hälfte zu Hause im Distanzunterricht. Dann wird gewechselt.

Zurzeit fühlen sich manche Schüler*innen nicht sicher. Zu Recht? Wie gefährlich ist der Lernort Schule in der Corona-Pandemie?

Viele Meinungen helfen nicht weiter

Um das zu beantworten, muss man sehen, wie die Schüler*innen aktuell geschützt werden. Und hier ist schon ein Problem: es gibt darauf keine einheitliche Antwort. Es gibt keine einheitliche Regelung. Unterschiedliche Experten-Meinungen tragen eher zur Verunsicherung bei. Die einen sagen, das Ansteckungsrisiko ist gering, die anderen, dass die Schulen gefährliche Hotspots sein können.

Die entscheidende Frage ist jedoch eine völlig andere: wie ist in den Schulen der bestmögliche Schutz vor Corona umzusetzen?

Transparenz und Konsequenz

Die erste Bedingung: niemandem ist im System Schule damit geholfen, dass Corona-Fälle an Schulen verschwiegen werden. Nur wenn ich um eine Gefährdung weiß, bin ich auch bereit, mich zu schützen. Ein positives Beispiel konnte ich einer Frankfurter Schule kennenlernen. In den Pausen gibt es auf dem Schulhof einen Corona-Infostand. Die Zahl der Fälle und betroffene Klassen werden genannt. Offen und transparent. Außerdem wird aufgeklärt, wie sich jede und jeder schützen kann. Viele Schülerinnen und Schüler kommen und informieren sich.

Die zweite Bedingung: die Schulen brauchen klare und einheitliche Regelungen, wenigstens innerhalb einer Region. Niemand blickt mehr durch, wenn es eine Maskenpflicht erst in den höheren Klassen gibt und nicht schon in der Grundschule. Oder wenn es den Wechselunterricht, den die Schüler*innen fordern, im Offenbach schon gibt, aber erst ab der siebten Klasse, während er im benachbarten Frankfurt erst fünf Wochen später eingeführt wird, und dann nur für die Berufsschulen. Wer soll da noch glauben, dass irgendeine dieser Regelungen sinnvoll ist?

Das kann nur Schule

Die Schulen offenzuhalten ist ein wichtiges Ziel. Denn die große Stärke der Schule ist das gemeinsame Lernen. Schule hilft soziale Unterschiede auszugleichen. Ob es zu Hause einen Computer oder Internet gibt, spielt in der Schule eher keine Rolle. Lehrerinnen und Lehrer können in der Klasse individuell Schwächen wahrnehmen. Schülerinnen und Schüler werden gezielt gefördert. Das Lernen in der Gruppe macht mehr Freude als allein zu büffeln. Ist die Schule zu, kommen Schülerinnen und Schüler aus sozial schwachen Familien kaum noch mit. Der Lockdown der Schulen im März und April letzten Jahres hat dies deutlich gezeigt.

Auf oder zu ist keine Frage

Auf oder zu ist in der Frage der Schule deshalb keine Alternative. Lernen braucht ein geeignetes Lernumfeld. Dazu gehört im Distanzunterricht ein Computer. Den besitzen viele nicht. Auch das schickste Handy ist dafür ungeeignet. Ein guter Arbeitsplatz ist wichtig. Und Unterstützung. Menschen, die ich fragen kann, wenn ich Fragen habe. Menschen, die helfen können und das Lernen befördern. In Frankfurt am Main haben in vielen Schulen mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. Sprachfähigkeit und Spracherwerb sind ein Dauerthema. Oftmals wird zu Hause kein Deutsch gesprochen. Unterstützung ist noch einmal eine ganz besondere Herausforderung.

So viel Schutz wie möglich

Klar ist: Schülerinnen und Schüler brauchen an den Schulen so viel Schutz wie möglich. Dazu gehört die Einführung eines Wechselunterrichtes, wenn bestimmte Indizes überschritten sind.

Ebenso helfen Masken, Infektionen zu verhindern. Darum sollten sie in den Schulen getragen werden. Nicht erst ab Klasse 7, sondern in allen Jahrgängen. Auch in den Grundschulen. So werden Schülerinnen und Schüler und auch Lehrerinnen und Lehrer geschützt.

Das kann jedoch nur gelingen, wenn das Klein-Kein von Transparenz und Konsequenz aufhört und stattdessen klare Regelungen mutig umgesetzt werden. Für die Gerechtigkeit in der Bildung.