Macht euch gegenseitig Mut!

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Macht euch gegenseitig Mut!
09.10.2021 - 10:00
 

 

Der richtige Weg in die Zukunft

„Macht euch gegenseitig Mut und baut einander auf!“ Das ist genau der richtige Rat in diesen Tagen, finde ich. Die Regierenden in Deutschland nach der Wahl verhandeln um den richtigen Weg in die Zukunft. Viele werden nun schon ungeduldig, befürchten Einschränkungen und dass ihnen Verzicht abverlangt wird. Wahrscheinlich muss es Einschränkungen geben, wenn wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel sichern wollen. Aber ist es gerade deshalb nicht sinnvoller, zu überlegen, wie man sich und anderen das Leben leichter machen kann, statt zu jammern und zu schimpfen? Mit meckern und klagen macht man sich gegenseitig doch bloß das Leben schwer.

“Macht euch gegenseitig Mut und baut einander auf!“ Das ist natürlich kein neuer Rat. Er steht in der Bibel und stammt vom Apostel Paulus. Der hat das den Menschen in Thessalonich geschrieben, denen er versprochen hatte, dass schon bald eine gute Zukunft für sie käme. Aber den Leuten wurde die Zeit lang. Es ging ihnen nicht gut. Wenn Paulus sich nun geirrt hatte? Wenn sie falschen Hoffnungen hinterhergelaufen waren? Wenn alles umsonst war?

 

Bis die schwierigen Zeiten vorbei sind

Da schreibt ihnen Paulus: Gottes neue Welt wird kommen. Man kann nicht wissen, wann es soweit ist. Aber sie wird kommen. Und bis dahin bringt es gar nichts, wenn ihr euch gegenseitig in euren Sorgen bestärkt und euch mit eurem Jammern gegenseitig das Leben schwer macht.

Nein! Bis es soweit ist, bis die schwierigen Zeiten überstanden sind, sollt ihr leben so gut es geht. Und es geht viel, auch in diesen Zeiten. Deshalb: „Macht euch gegenseitig Mut und baut einander auf!“ Natürlich gab es auch damals welche, die es besonders schwer hatten. Ich glaube nicht, dass Paulus das beschönigen wollte. Aber sein Appell hat mich getroffen. Was kann ich tun?  Wie kann ich es anderen leichter machen? Ich glaube, dafür gibt es Möglichkeiten.

Ich gebe zu, das ist nicht immer einfach. Wenn alle sich Sorgen machen, wenn so viele klagen und meckern und jammern und schimpfen – dann lässt man sich leicht mitreißen. Dann sieht man ganz leicht nur noch das, was verkehrt läuft und wo ich womöglich zu kurz gekommen bin. Aber es geht auch anders.

 

„Das Licht der Welt!“

In der Stadtbahn habe ich die Friseurin getroffen, die mir oft die Haare geschnitten hat. Sie hat die Stelle gewechselt, hat sie mir erzählt. Und: Als wegen Corona die Kurzarbeit anfing, hat sie sich entschlossen, die Ausbildung zur Friseurmeisterin zu machen. Wer weiß, wofür das gut ist, hat sie gesagt. Sie hat nicht einfach geschimpft und abgewartet. Sie hat überlegt, was sie in dieser Situation Vernünftiges tun kann. Und jetzt steht sie kurz vor der Prüfung. Ich fand ihre Zuversicht richtig ansteckend. Ich drücke ihr die Daumen, dass alles klappt.

Paulus hat damals in seinem Brief an die besorgten Christen in Thessalonich geschrieben: „Ihr seid doch Kinder des Lichts!“ Das hatte ja schon Jesus seinen Nachfolgern gesagt. „Ihr seid das Licht der Welt!“ Mit eurer Zuversicht, mit eurer Hoffnung auf Gott könnt ihr es für die anderen hell machen die nur noch schwarzsehen. Und erst recht denen, die wirklich im Dunkeln sitzen und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Wenn Menschen nicht nur die eigenen Interessen sehen, wenn sie teilen was sie haben und nach dem schauen, was trotz allem geht – dann geht das Leben weiter. Dann wird es heller und leichter für alle. Dann wird die Stimmung besser.

 

Lasten teilen

Ich glaube, wir können Lasten teilen und einander Lasten abnehmen. Manchmal denke ich, ein Soli für die besonders Betroffenen -für die  Opfer der Überflutungen vom Sommer, für die, denen Corona die Existenz zerstört hat, für die vom Klimawandel schon heute Betroffenen – das müsste in unserem Land doch eigentlich gehen. Menschen wie ich, deren Einnahmen weiterlaufen, könnten die nicht einen Beitrag leisten, damit andere weniger belastet sind? Dazu ist es wichtig, nicht nur auf die eigenen Ängste zu hören. Auch nicht nur auf die Sorgen der anderen. Die sind wichtig. Aber wichtiger scheint mir, auch zu sehen und zu hören, was man denn tun kann, damit man gut durch kommt durch diese schwierige Zeit.

Also: Lassen Sie sich nicht mitreißen von schlecht gelaunten Pessimisten. Sehen Sie nach den Möglichkeiten, die es gibt. Macht einander das Leben leichter!