Evangelischer Radiogottesdienst am Sonntag Judika, 22. März 2026, von 10.05 bis 11.00 Uhr aus der Evangelischen Kirche in Much (NRW), live übertragen im Deutschlandfunk
Sie sind um die 13 Jahre alt. Sie sind entsetzt über Kriege und Leid in der Welt. Sie machen sich Sorgen, weil ein Familienmitglied schwer erkrankt. Sie wissen, sie lassen sich oft vom Handy ablenken und fühlen sich dann leer. Zugleich erzählen sie davon, was ihnen Hoffnung gibt, wo sie sich geborgen fühlen und wie sie manchmal Gott erfahren.
Diese Jugendlichen kommen ins Radio: Sie gestalten den Gottesdienst mit, den der Deutschlandfunk am Sonntag, 22. März, ab 10.05 bis 11.00 Uhr live aus der Evangelischen Kirche in Much im Bergischen Land überträgt.
Was gibt Kraft und Zuversicht angesichts von Krisen? So fragen Gemeindepfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski (Liturgie) und die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein, Almut van Niekerk (Predigt).
Eine Möglichkeit, wie man Halt findet, ist: füreinander da sein. Jesus nennt das "einander dienen". Zusammen mit den Jugendlichen geben die Pfarrerinnen diesem alten Wort neue Füllung: einander zuhören, Sorgen teilen, Ängste ernst nehmen. Und dann gemeinsam Wege finden.
Die Musik verantwortet Kreiskantorin Laura Loers. Sie leitet auch das eigens für diesen Gottesdienst zusammengestellte Vokalensemble.
Sendetext:
I Predigtimpuls
Almut van Niekerk:
In den letzten Wochen habe ich zugehört, was Jugendliche beschäftigt.
Mila:
Ich mag es, mich mit Freunden zu treffen oder rauszugehen. Ich mag es auch, in die Kirche und zum Konfi zu gehen. Das macht mich froh und glücklich und ich finde es interessant. Manchmal sind das ganz fremde Gedanken in der Bibel, aber sie tun mir gut. Jesus hat wirklich viel mitmachen müssen. Ich merke dann, dass ich auch ziemlich viel aushalten kann.
Mir fällt es schwer, mit der Schule klarzukommen. Mich bedrückt die Anforderung, in jedem Fach gut zu sein. Das kann manchmal echt stressig sein. Da ist die Angst: Was habe ich für eine Note in der Klassenarbeit? Die ganze Situation in der Schule macht vielen Jugendlichen Probleme und Druck. Ich denke häufig darüber nach, wie ich meinen Abschluss schaffen kann, den ich gerne hätte. Es fällt mir schwer, überall gut zu sein.
Almut van Niekerk:
Da liegen sie, die Sorgen, wie dicke Steine, auf denen steht: Leistungsdruck! Anforderungen! Was wird mal aus mir? Schaffe ich das alles? Das hören wir von den Jugendlichen. Das kenne ich von Erwachsenen aus ihrem Berufsleben. Einer erzählt mir: "Da ist dieser energetische neue Mitarbeiter in meiner Abteilung. Er kann das alles mit den technischen Neuheiten. Ich stehe daneben und fühle mich schlecht. Habe ich den Anschluss verpasst?"
Die Frage "Wie schaffe ich das?" gibt es auch im privaten Leben. Eine/r sagt: "Jetzt bin ich schon so lange krank. Wie soll ich diese Behandlung noch durchstehen? Ich habe das Gefühl: Dafür reicht meine Kraft einfach nicht."
Zwischen allen Sorgen in den Worten der Jugendlichen leuchten auch ihre Schätze: Freunde, rausgehen, Kirche, Konfi, Bibel, Jesus. Menschen, die sich als echte Freundinnen und Freunde erweisen – das ist wie pures Gold für Kinder wie auch für Erwachsene. Gemeinschaft, die hilft, damit ich nicht nur um mich und meine Sorgen kreise. Die Konfis erleben in ihrem kirchlichen Unterricht: Der Horizont wird weit. Kirche bedeutet Zusammensein. Wir feiern mit Menschen Abendmahl, die wir bisher nicht kannten. Aber der Glaube verbindet. Wir hören, was andere beten, und merken: Wenn ich keine Worte habe, dann betet vielleicht jemand für mich mit. Hier wird in der Bibel gelesen. Das sind manchmal eher fremde Worte und Gedanken, die dann aber Mut machen. Da ist Jesus, der sagt: Ich bin einer von euch gewesen. Ich kenne Sorgen und Schweres. Ich interessiere mich für euer Leben. Verliert mich nicht aus dem Blick in all euren Herausforderungen.
II Predigtimpuls
Frieda:
Ich weiß, dass Gott auf mich aufpasst. Das sagen andere. Das habe ich selbst schon erlebt. Aber manchmal spüre ich ihn nicht wirklich. Mir fällt es dann schwer, über meine Zukunft nachzudenken. Manchmal möchte ich sogar einfach nicht mehr leben. Und um den negativen Gedanken zu entkommen, bin ich am Handy. Das lenkt ab. Aber dann geht es mir oft nur noch schlechter, weil ich fühle: Ich will so werden wie die Menschen, die ich sehe. Aber das ist total unrealistisch. Ich frage mich: Was halten andere von mir? Wenn es mir gut geht, weiß ich: Jeder Mensch ist anders und Vorurteile sind gemein.
Almut van Niekerk:
Daran erinnere ich mich noch ganz genau: an das miese Gefühl in mir, wenn ich diese Fragen in mir gehört habe. Ich habe mich als Jugendliche viel mit anderen verglichen. Das Ergebnis war oft niederschmetternd. Manches davon begleitet mich bis heute. Und ich weiß, dass der Druck auf junge Menschen durch die sozialen Medien ungleich stärker geworden ist. Da empfinde ich tiefes Mitgefühl und frage mich noch stärker: Was können die Erwachsenen Jugendlichen als Hilfe anbieten?
Ich kann von mir erzählen, dass mich mein Glaube seit meiner Konfi-Zeit stark gemacht hat. Ich durfte erleben, dass ich für Gott Wert habe, unzerstörbaren Wert, so wie ich bin.
Durch meinen Beruf als Pfarrerin kann ich auch Glaubenserfahrungen von anderen Erwachsenen weitererzählen. Da ist zum Beispiel jemand, der mit mir über seine baldige Beerdigung spricht. "Ich werde sterben und als Pfarrerin leiten Sie bitte die Trauerfeier zu dem ersten Vers von Psalm 23 ‚Der Herr ist mein Hirte‘." Ich frage, warum er gerade diesen Vers ausgewählt hat. Er sagt: "Das war immer meine Zuversicht, dass Gott da ist und ich einfacher Mensch ihm wichtig bin. Das hat mich durch mein ganzes Leben getragen, 88 Jahre lang. Am Ende soll es nochmal gesagt werden."
Neben meine eigenen Erfahrungen und die stärkenden Aussagen anderer kann ich auch mit Euch und Ihnen auf eine biblische Geschichte schauen: Unsere Fragen "Wie stehe ich vor anderen da?" und "Was bin ich wert?" sind ja tatsächlich uralt. Selbst die Freunde Jesu haben sich damit herumgeschlagen. In der Lesung haben wir davon gehört: ein Gespräch zwischen Jesus und erst zwei seiner Freunde, Jakobus und Johannes, später mit allen. Viele Gedanken werden in dieser Geschichte ausgesprochen – im Gehen, irgendwo auf dem Weg nach Jerusalem. Sie wollen zum Pessachfest. Die Freunde von Jesus fühlen eine große Angst: Wird Jesus dort in Jerusalem vielleicht gefangengenommen? Ohne Grund? Die römische Macht ist bekanntlich stark, und einige der Oberschicht machen gemeinsame Sache mit ihnen. Sie haben ihre Leute fürs Grobe. Gerichtsverfahren sind auch nicht mehr fair. Darüber sprechen die Jünger miteinander. Es gibt inmitten von all diesen Gedanken zwischen den Freunden von Jesus ein Thema, das Jakobus und Johannes besonders umtreibt. "Was sind wir ihm eigentlich wert? Wie wichtig sind wir Jesus, dem Sohn Gottes?" Das wollen sie noch geklärt haben, falls er verhaftet wird. Also sprechen sie es an – und verbinden es gleich mit einem Wunsch. Das Beste wäre nämlich, wenn sie später im Himmel direkt an der Seite von Jesus sitzen. Einer will zu seiner Rechten sitzen, einer zur Linken. Also für immer und ewig ganz nah dran. Vielleicht denken sie, sie haben die besten Plätze verdient? Oder bekommen sie, weil sie als erstes gefragt haben? Und vielleicht können sie Jesus überreden? Als ihre Freunde das hören, sind sie sofort hellwach. Heißt das, wir sind weniger wert? Damit ist es dann amtlich: Die zwei sind wichtiger als wir? So eine Art von Bevorzugung und Konkurrenz darf es doch nicht geben. Und sie wissen im Grunde ihres Herzens: Jesus hat keinen von ihnen lieber wegen irgendeiner Eigenschaft oder einer Leistung, weil er besser oder schlechter ist vom Charakter her. Er kennt und durchschaut Menschen und sieht sie trotzdem alle unendlich liebevoll an. Jesus sieht unsere Talente und schätzt sie wertschätzt uns wert.
III Predigtimpuls
Emilie:
Mir fällt es schwer, wenn es Menschen aus meiner Familie schlecht geht oder sie sogar sterben. Die Trennung der Eltern meiner Freunde belastet mich. Mein Opa ist jetzt so alt, dass er meinen Vater (seinen Sohn) für seinen Bruder hält. Ich denke manchmal über den Tod nach, wie es nach dem Leben ist. Ich habe Vertrauen, dass es dort auch schön ist. Im Konfi sprechen wir darüber. Ich weiß, dass unser Leben wertvoll ist. Ich möchte mein Leben so gut wie möglich leben, sinnvoll und nicht egoistisch. Ich möchte für meine Freunde da sein, aber auch für andere. Ich möchte einen Bei-trag leisten, dass es mehr Gemeinschaft und mehr Liebe gibt. Und wenn das Leben zu Ende ist, dann bleibe ich in Gottes Hand.
Almut van Niekerk:
ich beeindruckt, wie die Jugendlichen einen weiten Bogen in ihren Gedanken ziehen, sogar bis zu Tod und der Hoffnung auf ein Danach. Sie wissen, was sie belastet und was sie hoffen. Zugleich sehen sie auf andere: Wie gestaltet ihr euer Leben angesichts der Herausforderungen? Finde ich bei euch etwas, das mir weiterhilft? Und was kann ich dazu beitragen, dass es für andere besser wird? Auch dazu finde ich in der biblischen Geschichte aus dem Markusevangelium einen für mich guten Ge-danken. Das Gespräch von Jesus mit Jakobus und Johannes über den Wert endet mit einem starken Satz von Jesus: "Ich bin nicht gekommen, um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen." Damit wird Jesus zum Vorbild, wie wir miteinander umgehen sollen. Denn das macht uns stark: Einander dienen, einander einen Dienst erweisen. Das kann zum Beispiel sein: dem anderen zuhören, wirklich zuhören, wenn er seine Sorgen teilt, und Ängste ernst nehmen, wenn sie genannt werden. Wie großartig, wenn jemand einem anderen anvertraut: Ich mache jetzt viel mehr meinen Mund auf. Jesus sagt: Macht es anders als die Mächtigen! Sie arbeiten gegeneinander. Sie kämpfen für sich. Ihr aber erkennt den Wert von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Was für ein Geschenk machen uns andere, wenn sie ihre Geschichten erzählen, die schweren und die ermutigenden! Und wir können aus unserem Glauben heraus unsere eigenen Erfahrungen dazulegen, was uns gutgetan hat, was uns darin bestärkt hat, das Vertrauen zu behalten. Wir können aus unserer eigenen Schatzkiste hervorholen, was geholfen hat: dass einer sagt: Ich bete für dich. Ich bin da. Mir geht es dank dir heute besser. Die Angst ist so klein geworden, dass ich sie anschauen kann. Ich habe das geschafft. Ich weiß jetzt meinen Weg. Ich bin zufriedener geworden. Ich bin immer wieder hoffnungsvoll, wenn ich diese Gemeinschaft erlebe. Gott sei Dank!
Es gilt das gesprochene Wort.
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Pfarrer Dr. Titus Reinmuth
Redakteur
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