Am Sonntag, 13. September 2026, ab 10.05 bis 11.00 Uhr überträgt der Deutschlandfunk einen alt-katholischen Gottesdienst mit Eucharistie aus St. Cyprian in Bonn. Die Predigt hält Pfarrer Thomas Schüppen. Die musikalische Leitung hat Willi Kronenberg, der die Orgel spielt. Am Saxophon musiziert Julian Oepen.
Der September heißt in vielen Kirchen "Schöpfungszeit". Das ist eine ökumenische Initiative. Es geht um die Schönheit der Schöpfung und die Verantwortung der Menschen für ihre Bewahrung. Das greift der Gottesdienst in seinen Lesungen aus der Bibel, in Predigt und Gebeten auf. Unter anderem wirken Kinder aus dem Kindergarten der Gemeinde mit und singen: "Wir sagen JA zur Schöpfung."
Die alt-katholische Kirche ist Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Ersten Vatikanischen Konzil entstanden. Grund war die Ablehnung des Dogmas, die dem Papst die oberste rechtliche Gewalt in der Kirche und Unfehlbarkeit in Fragen des Glaubens gab. Einige wollten bei der bisherigen Form des katholischen Glaubens bleiben. Daher der Name "alt-katholisch". Die alt-katholische Kirche in Deutschland hat etwa 16.000 Mitglieder und rund 60 Gemeinden.
Predigt:
Anmerkung: Im Text stehen die Großbuchstaben "C" für Cypri - eine Handpuppe, gesprochen von Katja Kirscht - und "T" für Pfarrer Thomas Schüppen.
I
C singt: "Du da im Radio, du musst ja sehr klein sein. Du da im Radio, wie kommst du denn da rein?"
T: Lieber Cypri, was singst du denn da?
C: Ich stell mir vor, wie zu Hause ein Kind vor einer Sound-box sitzt und mich hört. Es denkt vielleicht, dass ich winzig klein bin, wenn ich in eine solche Box reinpasse.
T: Ja, das ist schon klasse, was Menschen alles erfinden.
C: Ja, super klasse, was Menschen alles erfunden haben! Autos, die die Luft verpesten. Stofffarben, die Wasser vergiften und Menschen krank machen. Panzer und Atombomben.
T: Das stimmt. Aber der Mensch hat auch vieles entwickelt, was die Schöpfung schützt und rettet.
C: Ich finde, dass der Mensch ziemlich viel zerstört.
T: Ich hatte vor einigen Wochen im Auge ein Loch in der Netzhaut. Früher wäre ich jetzt auf diesem Auge blind. Durch Lasern konnte das Auge gerettet werden.
C: Das freut mich natürlich sehr für dich. Ja, ich gebe zu: So etwas ist schon toll, dass Menschen es erfunden haben. Aber ich habe auch noch im Ohr, was Achim gerade eben aus der Bibel vorgelesen hat, wie Gott mit Hiob schimpft. Er hat ihm Überheblichkeit vorgeworfen und gefragt: "Wo warst du, als ich die Erde gegründet habe?" Für mich klingt das wie: "Für wen hältst du dich, Mensch? Als was spielst du dich auf?"
T: Gott hat aber auch von der unfassbaren Größe und Wei-te der Schöpfung gesprochen. Und glaubst du nicht, dass er damit auch den Menschen meint?
C: Du meinst, weil Gott auch den Menschen geschaffen hat?
T: Genau das meine ich. Und natürlich gehört der Mensch auch zu dieser Größe und Weite der Schöpfung.
C: Und du meinst, dass deshalb auch die Erfindungen des Menschen zur Schöpfung Gottes gehören?
T: Ja, so sehe ich das.
C: Aber die Drohnen, die Menschen töten, sind doch nicht gut.
T: Aber die Drohnen, die im Katastrophenschutz eingesetzt werden, retten Leben.
C: Das ist ja alles kompliziert.
T: Da hast du Recht. Aber wir sind uns doch mit den Kin-dern einig, dass wir grundsätzlich JA zur Schöpfung sagen.
C: Ja, klar! Das können wir auch mit den Kindern singen …
II
Cypri hat natürlich Recht. Es gibt Beispiele für Erfindungen des Menschen, die der Schöpfung schaden. Und die Droh-nen sind sehr aktuell. Zu meiner Jugendzeit war die Lektü-re der Biografie Oppenheimers Standard in der Schule. Robert Oppenheimer war der Erfinder der Atombombe.
Gleichzeitig gibt es unzählige Erfindungen des Menschen, die segensreich sind. Erfindungen des Menschen sind so lange wertfrei, bis sie Anwendung finden.
Spannend finde ich die Beispiele, die im Laufe der Jahre Wandlungen erfahren. Der Ottomotor ist benannt nach seinem Erfinder Nicolaus August Otto. Es ist der Verbren-nungsmotor, der Krankenwagen, Ärztinnen und Ärzte und die Feuerwehr erheblich schneller zu ihren Zielen bringt. Bus und Auto tragen erheblich zur Fortbewegung des Menschen bei.
Seit langem ist bekannt, dass die fossilen Brennstoffe end-lich sind. Vor allem aber wissen wir, dass wir mit einer Rei-he heutiger Techniken einen Klimawandel bewirken, der das Leben des Menschen auf diesem Planeten gefährdet.
Gott fragt Hiob: "Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?" Führ dir die Großartigkeit vor Augen! Und sei auch selbst derjenige, der diese Großartigkeit schützt und erhält.
Wenn ich auf mein Leben schaue, dann bin ich dazu bereit. Ich möchte dazu beitragen. Ich möchte in meinem Leben Veränderungen vornehmen. Ich möchte die politischen und gesellschaftlichen Kräfte fördern, die positive Verän-derungen zum Ziel haben.
Aber natürlich ertappe ich mich immer wieder dabei, die Worte des heutigen Evangeliums nicht vollends ernst zu nehmen. "Du kannst nicht zwei Herren dienen." So formu-liert es Jesus. Ich möchte doch Gott dienen und nicht dem Mammon. Aber dann beschleicht mich die Sorge, dass alles zu teuer ist, wenn ich ausschließlich fair und biologisch und nachhaltig einkaufe. Und so handeln auch Menschen in der Wirtschaft: Solange sich mit dem Ottomotor Geld ver-dienen lässt, solange der Ottomotor preiswerter ist als Alternativen, sind Menschen versucht, dem finanziellen Nutzen zu folgen.
C: Du, Thomas!
T: Cypri, du bist ja noch da?!?
C: Richtig! Und ich höre seeeehr aufmerksam zu.
T: Das freut mich. Und jetzt möchtest du was sagen?!?
C: Du hast mir doch eben erklärt, dass Erfindungen des Menschen auch zur Schöpfung gehören.
T: Ja, das habe ich.
C: Geld ist doch auch eine Erfindung des Menschen.
T: Da hast du vollkommen Recht. Es ist schon so, dass es ohne Geld, also ohne Ökonomie nicht geht. Andererseits: Wenn wir nichts ändern, dann schadet das der Ökologie UND der Ökonomie. Dann geht auch jeder finanzielle Nut-zen flöten. Dann beschädigt das die Weite und Großartig-keit der Schöpfung. Und darunter leiden alle. Auch du und ich.
C: Das verstehe ich nicht.
T: Was verstehst Du nicht?
C: Keine Ahnung, was Öko sowieso und Öko anders hei-ßen.
T: Ökonomie bedeutet, dass wir haushalten müssen mit dem, was wir haben, so wie du mit deinem Taschengeld. Und Ökologie meint, dass wir die Schöpfung bewahren. In beiden Wörtern lesen wir Öko. Das ist Altgriechisch und heißt übersetzt Haus. Meint also unser Haus, die Erde.
C: Dann ist ja alles klar. Wir müssen der Erde dienen. Öko-lologisch und ökonomerisch, oder wie das heißt.
T: Genau! Der Herr, dem wir dienen, ist Gott und seiner Schöpfung. Und es braucht Ökonomie und Ökologie. Eine schwierige Abwägung. Tag für Tag. Ich befürchte, sie wird mich zeitlebens begleiten. Ich hoffe, ich entscheide mich zunehmend für die Weite und Großartigkeit der Erde.
C: Und ich hoffe, dass du dich richtig entscheidest, dass unsere Gemeinde sich richtig entscheidet und dass sich die ganze Menschheit richtig entscheidet. Und ich kaufe mir am Montag von meinem neuen Taschengeld erstmal eine faire Banane, obwohl die viel teurer ist. Wähwähwäh, ich bin dann mal weg!
Es gilt das gesprochene Wort.
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