Martin Frank, Kabarettist und Autor

Martin Frank, Kabarettist und Autor
«Meine Oma war wie so ein kleines, hilfloses Kind, um das ich mich irgendwie kümmern musste. Und ich war manchmal wie so ein Helikopter-Vater.»
23.06.2024 - 08:40

Kabarettist Martin Frank ist auf einem niederbayrischen Mehrgenerationen-Bauernhof aufgewachsen. Als er gerade 19 Jahre alt ist, erleidet seine Großmutter einen Schlaganfall. Danach war klar: die Oma ist ein Pflegefall und Martin Frank wird ihre Pflege übernehmen und sich auch um die demente Großtante kümmern: „Ich habe das nicht als Pflicht empfunden, sondern ich habe es irgendwie gern gemacht. Ich hatte nie den Moment, wo ich gesagt habe, wieso muss ich das machen? Warum ich?“

Was folgte, waren vier Jahre intensive Pflege: „Ich habe mich so wahnsinnig wie ein Erziehungsberechtigter gefühlt, weil man jeden Tag zusammen ist, ich habe die Oma jeden Tag aus dem Bett geholt, habe sie jeden Tag aufs Klo gebracht, habe ihr Essen gemacht.“

Um ihnen Kontakt zur Außenwelt zu ermöglichen, organisiert Martin Frank einen Besuch im Krankengottesdienst. Auch für ihn war das eine große Hilfe: „Der Raum war voll mit älteren Menschen, die auch pflegebedürftig waren, zum Teil im Rollstuhl, zum Teil im Pflegebett und es waren die Angehörigen da. Dann habe ich gemerkt: ich bin nicht allein. Obwohl man sich gegenseitig nicht helfen kann. Aber schon allein das ich wusste, im Haus weiter ist auch jemand, der das gleiche Schicksal hat, hat mir dann so viel Kraft gegeben für die nächste Zeit, dass das irgendwie weiterging.“

Für Angehörige von Pflegebedürftigen hat der Comedian klare Verbesserungsvorschläge: „Ich glaube, es muss mehr in den Familien geholfen werden und man muss aktiv auf die Familien zugehen, weil viele Leute haben natürlich Hemmungen, haben Angst vor der Bürokratie oder sehen sich da total überfordert. Das muss, ganz blöd gesagt, idiotenfreundlicher werden oder kindgerechter.“

 «Meine Oma war wie so ein kleines, hilfloses Kind, um das ich mich irgendwie kümmern musste. Und ich war manchmal wie so ein Helikopter-Vater. Wir waren so ein Team, wo ich gar nicht mehr wollte, dass jemand hineingrätscht.»

23. Juni 2024, 08:40 Uhr in SAT.1