Alle Jahre wieder
Samstags nach den Tagesthemen im Ersten
13.12.2025 22:50

Laternenumzüge, Adventskränze, glitzernde Weihnachtsmärkte. Die dunkelste Zeit des Jahres ist geprägt von festen Ritualen wie keine andere. Sie sind Anker, wenn die Welt sich schnell dreht und die Nachrichten uns schwindelig machen. Am Brandenburger Tor in Berlin stehen Weihnachtsbaum und Chanukka-Leuchter nebeneinander – unterschiedliche Traditionen, aber eine Botschaft: Wir lassen uns von der Dunkelheit nicht unterkriegen. Warum wir gerade jetzt diese Rituale brauchen – das ist das aktuelle Thema für Pastoralreferentin Magdalena Kiess. Textanforderung und Kontakt: magdalena.kiess@wort-zum-sonntag.de


Sendetext lesen:

 

Guten Abend.

Irgendwann bei den Weihnachtsvorbereitungen hat meine Schwester Mal vorgeschlagen, doch auch mal was anderes kochen zu können als sonst. "Auf keinen Fall", habe ich sofort gesagt. "Es soll doch alles so bleiben, wie es ist!" Seitdem werde ich damit aufgezogen. Sonst bin ich eigentlich gar nicht so spießig. Aber, ich gestehe: Ich brauche das irgendwie, dass zumindest an diesem Abend, dem Heiligen Abend, alles so bleibt, wie es ist. Gerade wenn sich mein Alltag so schnell dreht und die Weltnachrichten mich schwindelig werden lassen. Dann werfe ich einen Anker aus, damit ich nicht wegtreibe. Rituale – und sei es nur das Weihnachtsessen – können solche kleinen Anker sein. 

Und ich glaube, so geht es nicht nur mir privat, sondern auch uns als Gesellschaft. Wir brauchen diese Ankerpunkte – gerade jetzt. Damit wir in Verbindung bleiben.

Nicht umsonst ist die dunkelste Zeit des Jahres geprägt von festen Ritualen wie keine andere! Laternenumzüge an St. Martin, geputzte Stiefel am Nikolausabend, Adventskränze in den Wohnzimmern, glitzernde Weihnachtsmärkte in den Städten. Und Lichter! Immer wieder geht’s ums Leuchten. Wir sitzen alle mal im Dunkeln, das zeigt diese Zeit. Da brauchen wir ein Licht, das uns tröstet. Das uns Halt und Hoffnung gibt. Heute, am 13. Dezember, haben wir das Lucia-Fest gefeiert. Die Heilige mit dem Lichterkranz auf dem Kopf. Sie ist ein Zeichen dafür, dass wir unser Licht zu denen bringen sollen, die im Dunkeln sind. 

Heute wissen nicht mehr alle um die religiösen Wurzeln dieser Feste. Aber ich glaube, ihr KERN kann uns als Gesellschaft tragen: Dass wir miteinander teilen. Dass wir aufeinander achtgeben. Das verbindet mich auch mit meinen Freundinnen und Freunden, die an etwas anderes glauben oder gar nicht religiös sind. Die feiern an Weihnachten nicht unbedingt die Geburt Christi, aber die Werte von Fürsorge und Barmherzigkeit und die Sehnsucht nach Licht in der dunklen Jahreszeit – auch nach dem inneren Leuchten – die teilen sie ganz genauso. Und so stehen wir alle Jahre wieder zusammen auf den Weihnachts-märkten. Gemeinsam. Mit all unseren verschiedenen Religionen, Traditionen und Kulturen. Teilen unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft und Frieden. Wenn ich in Berlin am Brandenburger Tor bin, sehe ich den großen Weihnachtsbaum. Und direkt davor steht der riesige Chanukka-Leuchter. Morgen Abend, zum Beginn des jüdischen Lichterfestes, wird dort die erste Kerze angezündet. Morgen ist außerdem der dritte Sonntag im Advent. Er heißt Gaudete – freut euch! Freut euch, es geht auf Weihnachten zu. Freut euch, es wird immer heller – hoffentlich auch in uns selbst. Denn all die Lichter im Advent sind für mich Zeichen für das große Licht, auf das wir warten: Gott selbst, der an Weihnachten in unser Leben kommt, um unser persönliches Dunkel wieder hell zu machen.

Das Schöne ist: Solche Feste, solche Rituale, solche Lichter – strahlen aus. Sie können nebeneinander-stehen und nehmen sich gegenseitig nichts von ihrer Kraft! Der christliche Kranz, der jüdischer Leuchter, der heidnische Baum. Unterschiedliche Traditionen, unterschiedliche Geschichten, aber eine Botschaft: Wir lassen uns von der Dunkelheit nicht unterkriegen! Steht schon in der Bibel, im Johannes-Evangelium ganz vorne: "Und das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht erfasst." Wenn ich das sehe – diese Mischung, dieses Leuchten nebeneinander – dann freue ich mich. Und ich denke mir: Was für ein schönes, buntes Stadtbild!

Ich wünsche Ihnen einen frohen Gaudete-Sonntag und eine gute Nacht.
 

Es gilt das gesprochene Wort.

Kontakt zur Sendung

Johannes Rogge
Senderbeauftragter für Das Wort zum Sonntag für den rbb

Erzbischöfliches Ordinariat Berlin
Niederwallstraße 8-9
10117 Berlin

Telefon: 030 32684 116
E-Mail:  johannes.rogge@erzbistumberlin.de