Samstags ab 17 Uhr können Sie an dieser Stelle den Sendetext lesen.
Guten Abend zu so später Stunde. Was haben Trump und Putin mit dem heiligen Benedikt zu tun? Leider nichts, aber ich wünschte sie hätten. Ich bin nämlich auf einen total interessanten Satz aus der Ordensregel des heiligen Benedikt gestoßen. Mein Mann heißt Benedikt und weil sein Namenspatron immer mal wieder Thema war bei uns, habe ich mir irgendwann mal die Ordensregel der Benediktiner angeschaut. Und da gibt es ziemlich am Anfang ein Kapitel mit der Überschrift die Einberufung der Brüder zum Rat. Es geht darum, wie der Abt Entscheidungen für die Gemeinschaft trifft. Benedikt hat in seiner Regel festgelegt, alle Brüder sind zu hören. Und dann sagt er noch explizit, der jüngste Bruder ist zu hören, weil, ich zitiere, der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das. Zitat Ende. Wenn das nicht leider wie die Faust aufs Auge zu Trump und Putin passt.
Da haben die doch die ganze Zeit geplant, dass sie sich treffen, um über mögliche Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland zu sprechen, ohne dass der Hauptbetroffene Volodymyr Zelensky dabei ist. Ich bin immer noch platt, dass so eine Gesprächskonstellation überhaupt in Betracht gezogen wurde. Ja, ich weiß, es ist zu diesem seltsamen und auch irgendwie spannenden Treffen schon ganz vieles gesagt und kommentiert worden, aber ich habe als Christin dazu auch was zu sagen. Vor allem dazu, wie dieses Gespräch geplant wurde. Ich habe den Eindruck, wir sind zurückgefallen in, ich weiß auch nicht, vielleicht in die Zeit der Neandertaler, in der direkt die Keule geschwungen wurde. Aber das, was dem gesunden Menschenverstand entspricht, dass nämlich im Konfliktfall besser alle Beteiligten miteinander reden als übereinander, das scheinen wir irgendwie wieder ganz weit weg zu sein.
Mal ein banales Beispiel aus meinem kleinen Alltag. Wir sind gerade aus dem Urlaub in England zurück, da geht die Diskussion auch schon wieder los, wo es nächstes Jahr in den Ferien hingeht. Bei fünf Personen gar nicht so einfach, alle Bedürfnisse und Interessen unter einen Hut zu kriegen. Wenn jetzt mein Mann einfach mal eben mit den Kindern abmacht, wo es nächstes Jahr hingeht und ich nicht gefragt werde, also vor vollendete Tatsachen gestellt werde, na, herzlichen Dank für die schöne Überraschung. So funktioniert unser Zusammenleben nicht. Das ist natürlich eine ganz andere Ebene als die, auf der sich Trump, Putin und Zelenskyi bewegen, aber im Kern geht es doch um das Gleiche, um die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen, wer mit wem worüber redet.
Und damit bin ich wieder bei der Regel des heiligen Benedikt. Die ist im sechsten Jahrhundert entstanden und nicht mal ebenso vom Himmel gefallen. Sie ist das Ergebnis von Erfahrung im Zusammenleben mit anderen Menschen, von Lebensweisheit. Kurz, sie zeugt von gesundem Menschenverstand. Und sie sagt mir, alle Beteiligten sind zu hören, um das Beste für alle zu erreichen. Miteinander zu sprechen ist also aus christlicher Sicht schon sehr, sehr lange das Gebot der Stunde.
Und genau das wünsche ich mir in der angespannten politischen Lage, auch ganz unabhängig von irgendwelchen Treffen wichtiger Leute. Sprecht nicht übereinander, sprecht miteinander. Zum Wohle aller. Haben Sie eine gute Nacht.
Katholischer Rundfunkbeauftragter für Das Wort zum Sonntag für den WDR
Dr. Philipp E. Reichling OPraem
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