Komm besser nicht zurück!
mit Pfarrerin Anke Prumbaum
04.02.2023 22:50

Guten Abend!

Ich hab die Tür aufgemacht. Und am Geruch des Hauses wurde mir klar: Ich bin zu Hause. Das war Mittwoch. Zwei Tage vorher war ich noch in Australien. Unvorstellbar! Auf der anderen Seite der Erdkugel. Da ist jetzt gerade Sommer. Und es ist warm, heiß! Vier Monate war ich da im Studiensemester als Theologin. Und als ich mich auf meine Rückreise nach Deutschland   vorbereitet habe, schrieben mir Freundinnen und Freunde: „Bleib bloß da! Hier ist es nur kalt und nass. Es wird kaum richtig hell. Bleib in der Sonne! Du verpasst nichts.“

Und ja, das hab ich natürlich auch gedacht, das wird schwierig, zurück nach Deutschland, in dieses Land, auf diesen Kontinent, wo alle Zeichen auf Krise stehen und die Stimmung gedrückt ist.

Und ich? Ich hab in meiner australischen Bubble gesessen, so unendlich weit weg und versucht, die Nachrichten zu verfolgen, und obwohl ich es nicht miterlebt habe, wusste ich doch: das ist alles bittere Realität. Und jetzt bin ich wieder hier, hier in der bitteren Realität. Weil nämlich der Satz „Bleib bloß da“ zwar gut ist, aber nur halb stimmt. Klar, wenn es nach Leichtigkeit geht oder warmer Meeresbrise und Sonnenschein, dann hat Deutschland echt nicht viel zu bieten im Moment. Trotzdem war für mich klar: „Bleib bloß da“ stimmt nur halb. Die andere Hälfte heißt: „Schau zu, dass du wieder nach Hause kommst.“ Zuhause! Ich bin wieder hier, weil das hier mein Zuhause ist. Weil ich hierhin gehöre. Und weil Zuhause eben viel mehr ist als sich einfach gut fühlen und den Blick übers Meer genießen. Zuhause sein. Da, wo ich wohne.

Manchmal entscheiden sich Menschen für ein Zuhause, manchmal spielt der Zufall eine Rolle. Oder die Liebe oder berufliche Gründe, Lebensqualität, Schulen, weil die Mieten günstiger sind. Und ich denke an die vielen, die erzwungene Gründe haben, weil sie vor Krieg und Terror fliehen müssen. Die einen finden ein echtes neues Zuhause, viele aber kommen nie richtig an, weil das Herz nicht mitreist. Da kehren manche in die Ukraine zurück, obwohl dort Krieg herrscht, einfach, weil sie nach Hause wollen.

Wodurch wird der Ort, an dem ich bin, zum Zuhause? Ich habe in Australien viele Menschen getroffen, die von ihrer Auswanderung erzählen konnten – dem neu-Heimat-Finden dort, von sich selbst oder ihrer Familie. Hier bei uns stehen Auswanderer-Serien hoch im Kurs – „Goodbye Deutschland“, „Auf und Davon“ und wie sie alle heißen. Das mag verlockend klingen, aber die Frage nach dem Zuhause wird nicht auf dem Strandtuch entschieden, sondern -  im Herzen.  Und dann gibt's die Schwarzwälder Kirschtorte in der australischen Hitze. Ich hatte einen ganz schönen Moment dort, der hatte ganz viel Heimatliches, das war im Gottesdienst. Da gab es plötzlich ein vertrautes Gebet, ich hab da gar nicht mit gerechnet, total schräg, der Heidelberger Katechismus, ein uraltes Bekenntnis. Da bin ich sofort angekommen.  Obwohl so vieles fremd war, das war ein Moment: kenn ich. Trifft mein Herz. Heimat ist ja so ein Ding im Glauben. Und ich hab nochmal intensiver gemerkt: Bei Gott ist ein Zuhause für mich. Egal wo ich bin.

Aber erst einmal habe ich bei der Rückkehr nach vier Monaten den Geruch gebraucht, damit ich wusste: Ich bin wieder da. Hausflur, Wohnzimmer, Hund.

Es ist kalt, es ist nass, es gibt vielfältige Probleme in unserer Zeit und Gesellschaft. Das fordert uns heraus. Trotzdem - hier ist Zuhause. Und da, wo ich zu Hause bin, kann ich mich einbringen, will ich das auch. Mitgestalten, helfen, einladen. Damit es ein heimatliches Gefühl für möglichst viele gibt. Obwohl sie mir echt fehlt, die Wärme. Aber dafür ist mein Platz hier.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

 

 

 

 

 

 

 

Sendeort und Mitwirkende

Westdeutscher Rundfunk (WDR)

Redaktion: Christiane Mausbach