Wenn alles zu viel, zu schlecht, zu hoffnungslos wird, dann machen einige komplett vor dem Elend dieser Welt dicht, andere lesen nur noch Nachrichten und schauen nicht mehr hin. Pfarrerin Anke Prumbaum aus Moers meint: keiner hält auf Dauer das Schlechte aus. Man kann Mut tanken, wenn man auf etwas Positives schaut.
Sendetext lesen:
Guten Abend!
Auf meiner Fensterbank in der Küche liegen Apfelkerne. Sie liegen da zum Trocknen, weil ich sie für einen Gottesdienst brauche.
Ich hab letzte Woche mit ein paar Ehrenamtlichen zusammengesessen und wir haben darüber nachgedacht, wie wir das Hoffnungsvolle, das da im christlichen Osterfest liegt, als Symbol fassen könnten, also sichtbares Symbol, und dann sind wir beim Thema Wachsen gelandet und bei Luthers Satz vom Apfelbäumchen: "Und wenn morgen die Welt untergehen würde, würd ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen." Deshalb die Apfelkerne.
Mag sein, dass es nicht das beste Symbol für die christliche Hoffnung ist und für die Sehnsucht nach dem Leben in einer besseren Welt, vielleicht ein bisschen banal, aber, ganz ehrlich: was haben wir denn sonst?
Guck ich auf das, was wächst und was wird und was entsteht, was auf Zukunft ausgerichtet ist – und mag es noch so klein sein, oder guck ich auf das Andere. Es ist ja kaum vermeidbar, auf all das Zerstörerische und Zerstörende zu schauen, das uns umgibt. Täglich in neuen Szenen. Kann ich noch ertragen, wie in Myanmar tausende Menschen bei dem Erdbeben sterben und die Militärjunta trotzdem weiterbombt, taktischer Waffenstillstand hin oder her? Oder das irrsinnige Gerangel um die Zölle. Oder Entwicklungshelferinnen und Helfer in Afrika, die ihre letzten Dosen Aids-Medikamente herausgeben und danach ist dann Ende? Weil eine große reiche Industrienation ihre Hilfsgelder gestoppt hat. Und es gibt noch viel, viel mehr Beispiele.
Wie sagte eine Freundin zu mir: "ich lese nur noch Nachrichten, ich schaue mir keine Bilder mehr an. Mir wird das zu viel." Oder eine andere, die sagt: ich guck ein bisschen, dann brauch ich erstmal wieder eine Woche Pause. Es ist wie früher beim Horrorfilm-Gucken: so ein bisschen durch die Finger durch "lunkern" und dann schnell wieder zuhalten. Nur leider ist das alles kein Film.
Wohin gucken wir? Kennen Sie die Geschichte in der Bibel von Lot und seiner Frau? Die beiden fliehen aus der zerstörten Stadt Gomorrha, und Gott sagt: Guckt nicht zurück. Richtet euren Blick nicht auf das, was in Schutt und Asche liegt. Schaut nach vorne. Die Frau von Lot schafft es nicht. Das ist auch gar nicht so leicht. Sie blickt zurück – und erstarrt zur Salzsäule, so heißt es. Das ist eine kluge Geschichte. Es macht nämlich etwas mit meinen Gedanken, worauf ich meinen Blick richte. Es geht darum, wie der Blick auf das Böse, das Zerstörte, mich lähmt. Am Ende kann ich mich dann gar nicht mehr bewegen, weil das, was ich sehe, mich einfach nur erstarren lässt. Zu viele Katastrophen-Nachrichten machen genau das. Lähmen.
Wir in der Vorbereitungsrunde für den Gottesdienst haben uns für die Apfelkerne entschieden. Heißt: Wir gucken zum Baum hin, der daraus wachsen kann. Manche Medien machen im Moment genau das: sie richten eine eigene Rubrik ein nur für die guten Nachrichten. Apfelkerne für die horrorgeplagten Augen und Ohren.
Wenn wir an Ostern dann unsere Apfelkernchen meditieren, dann mögen manche darüber lachen. Aber so klein sie sind, sie lenken den Blick auf Wachstum und Leben. Und das wäre doch eine Haltung! Apfelbäume pflanzen, mitten in der schier untergehenden Welt. Jetzt schon! Gerade jetzt! Und wenn’s keine Apfelbäume sind, dann doch: Solidaritätsbäume, Hoffnungsbäume, Freiheitsbäume, Glaubensbäume.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.