"Erkundungen zum Himmel auf Erden"

Christuskirche Mainz

"Erkundungen zum Himmel auf Erden"
Gottesdienst-Live-Übertragung aus der Christuskirche in Mainz
26.05.2022 - 10:05
Über die Sendung

Wie lässt sich der Himmel auf Erden spüren? Jesus spricht mit seinen Freunden darüber, bevor er sie 40 Tage nach seiner Auferstehung wieder verlässt. Stadtdekan Andreas Klodt fragt in seiner Predigt am Himmelfahrtstag: Wo erlebe ich heute das Reich Gottes? Mit musikalischer Unterstützung des Gospelchors GospelGroove, Organist Hans Joachim Bartsch und Dekanatskantorin Barbara Pfalzgraff

 

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Predigt zum Nachlesen

I

Der Friede Gottes und die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

 

Liebe Gemeinde,

 

in der alten Geschichte vom Münchner im Himmel wird enthüllt, was man den lieben langen Tag im Himmel so macht. Die Menschen bekommen kleine Flügelchen, tragen weiße Nachthemden, sitzen auf einer Wolke, bekommen eine Harfe in die Hand gedrückt und sollen „frohlocken“. Mit anderen Worten: dieser Himmel ist ein ziemlich langweiliger Ort. Den möchte man nicht geschenkt haben. Alle machen dasselbe, wie langweilig. Alle sollen auf Kommando fröhlich sein, wie schrecklich. Da kann ich den Münchner im Himmel schon verstehen, der sich nach dem Hofbräuhaus sehnt.

 

Menschen sehnen sich nach einem Himmel, der mehr zu bieten hat als das.  Für die Zeit nach dem Tod. Aber besonders auch für die Lebenszeit. Denn für Jesus war klar: Das Himmelreich beginnt schon hier. Mitten im Leben.

Wenn Jesus von einem sinnerfüllten Leben spricht, dann redet er über das Reich Gottes. Er sagt dazu auch Himmel. Beide Worte kommen in zahllosen Geschichten vor und beschreiben dort, wie Jesus sich ein gutes, sinnerfülltes Leben vorstellt. Und zwar nicht irgendwann und irgendwo, sondern hier und jetzt. Mitten im Alltag – in dem und bei dem, was Menschen täglich tun. Vierzig Tage lang hat Jesus seine Freunde darauf vorbereitet. Bevor er in den Himmel aufgebrochen ist. Davon erzählt die Apostelgeschichte. Vierzig Tage sind ganz schön lang. Vierzig Tag nur ein einziges Thema: Das Reich Gottes – mitten unter uns. In die Zeit passt was rein. Da kann Jesus alle, die mit ihm unterwegs gewesen waren, noch einmal so richtig auf den Geschmack bringen. Wo sehne ich mich nach dem Himmel, weil es hier sehr irdisch zugeht? Wo ist es einfach himmlisch? Und was kann ich dazu beitragen?

Und zwar an der Stelle, wo ich bin. In dem, was ich tagtäglich tue. Dazu erzähle ich ihnen gleich von drei Menschen und ihren Erfahrungen mit dem Himmelreich.

 

II

 

Da ist die Familientherapeutin. Zu ihr kommen Familien, in denen es schwer ist. Die Menschen sind beladen mit Sorgen, Ängsten, Schuldgefühlen. Ihr Blick ist nicht frei. Und sie soll helfen, damit das anders wird. Manchmal macht sie dann die Erfahrung: Es ist schon alles da. Das Miteinander. Das Verständnis, der Freiraum, den jede und jeder einzelne braucht, damit man es miteinander aushält. Oder sich versöhnt voneinander verabschieden kann. Dann merkt sie: der Himmel ist gar nicht so weit entfernt. Manchmal ist unsere Sicht nur versperrt. Weil wir uns verletzt fühlen oder ängstlich sind.

 

Manchmal bleibt der Himmel aber auch eine ferne Sehnsucht. Nicht immer gelingt es das aus dem Weg zu räumen, was den Blick versperrt. Viel bekommt sie ab und muss immer wieder Dinge abschütteln.

 

Ihr Bild vom Himmel auf Erden ist die Geschichte vom Schatz im Acker:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besaß, und dafür den Acker kaufte.

 

Darum geht es der Therapeutin: Sie will sich mit den Menschen auf die Suche machen – nach dem Schatz, der schon da ist. Sie will Hoffnung wecken – und Erinnerungen an Gutes wecken, was vielleicht nur vom Alltag verschüttet wurde. Wo steckt ein Sinn drin? Wo lohnt es sich, weiter zu suchen? Gibt es einen Punkt, an dem mehr Hoffnung ist, als vermutet? So macht sie sich auf die Suche nach dem Reich Gottes.

 

Da ist der Koch in der Kindertagesstätte. Planung ist die halbe Miete. Möglichst keine Lebensmittel sollen weggeworfen werden. Alles bereitet er frisch zu. Hinter seiner Theke. Mit seinem Küchenteam. Die Kinder, aber auch die Erzieherinnen und Erzieher können zuschauen. Sie können ihn morgens fragen, was es mittags zu Essen gibt. Ja, abwechslungsreich, ja, gesund und vieles mehr soll es sein. Aber vor allem soll es schmecken. Denn wenn es schmeckt, dann geht auch dem Koch das Herz auf. Dann schmeckt das Himmelreich manchmal nach Schokoladenpudding und spiegelt sich in den Augen begeisterter Kinder.

Für den Koch ist das Reich Gottes ein großes Festmahl:  Glücklich, wer am Festmahl im Reich Gottes teilnehmen darf!

Und darum geht es ihm: er möchte die Menschen für die er kocht auf den Geschmack bringen. Er kocht für sich und andere und isst mit Ihnen. Und das kann so viel mehr sein als Nahrungsaufnahme. Kochen und essen, das ist eine ganz einfache, selbstverständliche Art, Menschen glücklich zu machen. Gemeinschaft zu spüren und Miteinander herzustellen. So macht sich der Koch auf die Suche nach dem Reich Gottes.

 

Und dann ist da der Soldat. Gerade in diesen Tagen spürt er seine Verantwortung besonders. Er mag keine Gewalt. Aber er wäre bereit, Gewalt einzusetzen, um seine Mitmenschen zu verteidigen. Und er ist sich nicht immer sicher, ob der Himmel und seine Arbeit zusammenpassen. Aber er hofft auf den Himmel, auch für sich persönlich. Immer wieder denkt er an Johannes den Täufer, der draußen in der Wüste stand und die Fragen der Menschen beantwortete, die zu ihm kamen. Auch Soldaten waren darunter. Geht das, Soldat sein und an Gott glauben? Zu ihnen sagt Johannes:

 

Begeht kein Unrecht!

 

Daran hält sich der Soldat. Denn das ist sein Thema: Gerechtigkeit. Darum geht es ihm, nicht um Waffen. Es soll gerecht zu gehen. Das Recht soll gelten. Die Schwachen sollen geschützt werden. Und Gewalt soll am besten erst überhaupt keine Chance bekommen. Er sehnt sich nach Gottes Friedensreich. So macht er sich auf die Suche.

 

Ich staune, wie intensiv Menschen über ihre Aufgaben nachdenken. Und darüber, wo sich das Reich Gottes darin zeigt. Natürlich nicht unaufhörlich, nicht in einem vierzig Tage-Block, aber doch immer wieder. Und zwar ganz alltäglich. In dem und bei dem, was sie tun. Jeder und jede hat Gaben, bringt etwas mit, setzt sich ein. Und so wird aus der Gabe eine Aufgabe.

 

III

 

Es geht nicht darum dem Vergangenen nachzutrauern. Es geht darum, sich auf das zu besinnen was da ist. In mir. In uns. Wir müssen selbst zurechtkommen. Jeder und jede da wo sie steht. Jesus will uns dazu stärken und vorbereiten. Wir sind nicht allein, niemals allein. Wir dürfen uns an ihm orientieren. Liebe ist das, was zählt. Gerechtigkeit, darauf kommt es an. Nach anderen Menschen sehen, das ist entscheidend. Wer vierzig Tage in einer Gemeinschaft darüber nachgedacht hat, welches Leben Gott entspricht, der kann schon mithalten bei Diskussionen: Was immer wir sind: Koch, Familientherapeutin, Soldat und so viel anderes mehr - wir brauchen nicht klein von unserer Aufgabe zu denken. Wir dürfen mitbauen am Reich Gottes. Manchmal mit Begeisterung, manchmal mit Bauchschmerzen. Manchmal flutscht es einfach, manchmal ist es zäh. So wie das nicht anders sein kann mit dem Himmel auf Erden. Und auch wenn der Satz nicht von Jesus ist: Einfach kann jeder.

 

Jesus sucht Zeugen. Nicht für einen Unfall, um den Vorgang möglichst genau zu beschreiben, damit der Richter ein sachliches Urteil sprechen kann. Es geht eher um so eine Art Trauzeugen. Die erinnern an den Frieden und das Glück des Anfangs. Das Leben ist so wunderbar vielseitig und schreibt so viele Geschichten. Daran können wir mitschreiben. Ja, wir können Soldat sein, um den Frieden zu suchen. Familien beraten, damit es menschlich unter uns zugeht. Kochen, dass es allen schmeckt.

 

Amen

 

Es gilt das gesprochene Wort.