Was wäre das für ein schöner Traum! 365 Tage liegen vor uns wie unbeschriebene weiße Blätter, die wir frei füllen könnten. Aber unbeschrieben ist die Welt mit den vielen Krisen, Katastrophen und Bedrohungen dann doch nicht. Und auch unser Leben ist geprägt durch das, was hinter uns liegt. Was hilft? Pastorin Annette Behnken spricht über einen Vorsatz, den sie sich für das neue Jahr vorgenommen hat.
Sendetext lesen:
Herzlich willkommen im Jahr 2026!
Wie sind Sie wohl ins neue Jahr gekommen? Allein? Mit Freunden? In Trauer? Optimistisch? Ausgelassen? Boah, ich erinnere mich an so viele so unterschiedliche Jahreswechsel. Manchmal alleine aber völlig okay. Manchmal unter vielen Menschen und trotzdem einsam. Ja, und auch die Trauer um verlorene Menschen schmerzt zum Jahreswechsel mehr. Und manchmal voll leuchtender Erwartung.
Aber eines war eigentlich immer gleich: es ist für mich wie verdichtete Zeit: Das, was wichtig war im letzten Jahr und das, was ich so erhoffe fürs neue Jahr, das ist mir dann so ganz geballt präsent an Neujahr, wie in einem Konzentrat.
Und jetzt dieses 2026: Ein ganzes unverbrauchtes Jahr. Frische, ungelebte Zeit. Wie eine Fläche weißer, frischer Schnee, in den noch niemand seine Spuren eingedrückt hat. So war das jedenfalls für mich immer als Kind. Ich weiß, dass es manchen da ganz anders geht, aber für mich hatte Neujahr immer einen Zauber. Den Zauber des Neuen, des Anfangs, der Chancen, die noch zu ergreifen sind. Neujahr war verheißungsvoll. Und ich merke, dass ich Verheißungsvolles und Hoffnung für dieses neue Jahr noch dringender brauche, als in den letzten Jahren. Und deshalb habe ich in diesem Jahr einen Vorsatz. Einen, der mir sehr am Herzen liegt. Der vielleicht ja auch Ihr Vorsatz ist oder wird.
Wir gehen ja eben nicht als unbeschriebene Blätter ins neue Jahr, sondern so, wie wir sind: müde, aufgeregt, einsam, verliebt, besorgt und beseelt. Mit unseren Talenten und Diagnosen. Unserm Mut und unsere Verletzungen.
Und um uns: Die ganze Welt, die voller Schönheit und Wunder und Verheißung ist und genauso voller Krisen und Katastrophen und Bedrohung.
Also kein frischer, unberührter Schnee. Und trotzdem mag ich das Bild, dieses Gefühl von: Da liegt neue Zeit vor mir und ich kann damit was machen. Lauter zu ergreifende Chancen.
Wie eine Verheißung, die mir sagt: Das Leben kann immer wieder neu anfangen. Du kannst immer wieder neu anfangen. Das macht in mir ein Gefühl von großer Dankbarkeit - und von einer Liebe zum Leben, die einfach da ist, egal, ob die Dinge gerade gut oder schlecht laufen.
Weil die Welt so ist, wie sie ist. Weil wir so sind, wie wir sind, möchte ich – mit vollem Vorsatz, mit so viel Liebe, Wachsamkeit, Mitgefühl und Solidarität durch das neue Jahr gehen, wie möglich. Mir ist völlig klar, dass das realitätsfern und naiv klingt. Aber das ist der Kern meines Glaubens, dass die Liebe die stärkste Kraft ist. Und das nicht nur privat, sondern auch politisch. Und auch die Bibel weiß: Die Liebe ist die größte Kraft. Darum heißt mein Vorsatz fürs neue Jahr: Lets flood the world with love. Lasst uns die Welt mit Liebe fluten. So sehr, wie es nur irgend geht. So ernsthaft und leidenschaftlich wie möglich.
Und lasst uns das doch zusammen machen, vorsätzlich: wachsam, liebevoll, emphatisch und solidarisch durch die Welt gehen, die Welt fluten damit, so sehr,
dass einfach kein Platz mehr da ist für das, was Leben zerstört.
Gesegnet sei dieses neue Jahr.
Gesegnet seien die Liebenden, die Suchenden und die Zweifelnden.
Gesegnet seien die Müden, die Verletzten, die Mutigen und die Zarten.
Gesegnet sei jede kleine Geste der Liebe, die wir wagen,
jedes Wort des Mitgefühls, jede Tat der Solidarität.
Gesegnet sei ihr Jahr 2026