Am Pfingstsonntag, 24. Mai 2026, überträgt der Deutschlandfunk von 10.05 bis 11.00 Uhr einen evangelischen Gottesdienst aus der Luisenkirche in Berlin-Charlottenburg.
Die musikalische Leitung hat Luisenkantor Jack Day (Orgel). Lesungen, Liturgie und Predigt gestalten Lektor Charles du Vinage und Pfarrerin Anne Hensel.
Pfingsten gilt als Fest des Heiligen Geistes. Die Apostelgeschichte in der Bibel erzählt von der Begeisterung und Ermutigung der Jünger Jesu, die damals in Jerusalem alle Hoffnung verloren hatten. Gottes Geist kommt über sie – als treibende Kraft wie eine erneuerbare Energie.
Inspiration bedeutet: Begeisterung. Was treibt Menschen an? Was ist der Sprit, ihr Spirit? Spiritus heißt lateinisch genau das: der Geist. Eine geheimnisvolle Energie, die Menschen immer wieder zugesprochen und von ihnen erfahren wird - auch heute.
Das Audio des Gottesdienstes können Sie ab 26. Mai hören.
Predigt:
Pfingsten damals in Jerusalem. Das sogenannte "Pfingstwunder". Die Jünger Jesu predigen draußen auf der Straße. Die Leute denken: Sie sind voll des süßen Weins… enthemmt, gelöst, guter Laune, feucht-fröhlich. Aber: Können wir Menschen trauen in diesem Zustand? Können wir dem Glauben schenken, was sie erzählen? Große Zweifel. Was sie so vor sich hin lallen… wie in fremden Sprachen… einzelne Worte verstehe ich vielleicht, aber…?
In vino veritas. Kinder und Betrunkene reden die Wahrheit, sagt man ja – ungehemmt, also ohne Beschränkung der Konventionen, des Anstands oder zu viel Vernunft. Vielleicht auch ohne viel nachzudenken. Aber dafür mit viel Emotion, und mit viel Kreativität. Es gibt manche Künstler, die erst mit Hilfe von Suchtmitteln ihr volles Potential entfalten… Nicht nur die Zunge ist dann gelöst, sondern noch viel mehr.
Das ist schon eine besondere Form von Treibstoff… wie man so schön sagt - Sprit sagen manche. "Trösterchen", denn auch Trost wird darin gesucht. Klingt niedlich, ist aber gefährlich. Bringt in Abhängigkeit. Schädigt Körper und Geist und Beziehungen. Und wirklich anhaltend trösten kann es nicht. Nur auf Zeit – bis man Nachschub braucht.
Aber die Jünger sind ja auch gar nicht voll des süßen Weins! Nüchtern allerdings sind sie auch nicht. Da hat sie eine ganz andere Energie ergriffen. Eine, die begeistert. Die alle Hemmungen fallen lässt – denn sie waren gehemmt, eingeschüchtert, versteinert. Seit dem Tag, an dem Jesus gekreuzigt wurde. Da hat es angefangen – und löste sich auch nicht auf mit Ostern, als ihnen der Auferstandene erschien. Nur kurzzeitig vielleicht.
Doch dann wird all das gelöst, auf einmal. Da ist anderes eingegossen worden. So heißt es ja: Pfingsten feiert Kirche die "Ausgießung des Heiligen Geistes". Wie eine Flüssigkeit, die leicht, die glücklich macht, die löst, befreit.
Kraftstoff. Treibstoff.
"Lösung, Auflösung in Heiterkeit"
Zeitsprung ins heute. Benzin, Diesel oder E10? Oder fahren Sie schon elektrisch? Oder fahren Sie gar kein Auto? Die exorbitanten Sprit- und Energiepreise bringen viele zur Verzweiflung. Und die Energiekrise trifft alle. Verschiedenste Maßnahmen werden ergriffen, um etwas dagegen zu tun. Wer auch immer sich daran bereichert oder Interesse hat an steigenden Preisen. Ob der Staat, die Mineralölindustrie oder die Ölmultis. Machtfragen sind das, Kriege werden darum geführt … Sanktionen verhängt und Sanktionen aufgehoben.
Klar aber ist: Sprit wird gebraucht. Es geht um Mobilität. Um Transporte von Gütern, um die Wirtschaft und um den Personenverkehr, ob öffentlich oder individuell mit eigenem Auto. Nicht alles davon muss unbedingt sein – und es ist gut, das jetzt angesichts der Preise zu durchdenken. Ob nun aus ökonomischen oder ökologischen Gesichtspunkten.
Aber ich frage heute im übertragenen Sinn – und da bin ich ganz bei Pfingsten:
Was treibt dich persönlich an?
Was ist dein Treibstoff, dein Sprit?
Was bringt dich in Gang? Was bewegt dich?
Was lässt dich mobil sein, deinen Standpunkt ändern, vorwärtskommen, in Bewegung kommen?
"In Bewegung kommen"
Womit heizen Sie? Noch so eine Frage, bei der die Gemüter hochkochen. Fernwärme, Gasheizung, Wärmepumpe? Wie entsteht die Wärme, die Ihr Zuhause heimelig sein lässt, wenn‘s draußen kalt ist? Eine der schlimmsten Erfahrungen: wenn die Heizung nicht geht, wenn ich frieren muss.
Ein perfides Kriegsinstrument: die Zerstörung der Wärme-Infrastruktur. Oder kriminelle Anschläge und Erpressungen in dem Bereich. Nicht erst heute, aber jetzt besonders erkennbar. Und: Wärme ist nur begrenzt speicherbar, es ist schwierig und wichtig zugleich, Vorsorge zu treffen. Politisch, ökonomisch, ökologisch.
Wärme ist lebensnotwendig. Die Entdeckung und Nutzbarmachung des Feuers war ein entscheidender zivilisatorischer Schritt der Menschheit. Aber Hitze ist auch gefährlich, in Zeiten des Klimawandels erleben viele Menschen das auf brutalste Weise. Feuer kann vernichtend sein. Lässt dann nichts zurück außer Asche.
Und wieder im übertragenen Sinne gefragt:
Was erwärmt Sie und wofür können Sie sich erwärmen? Sind Sie Feuer und Flamme für etwas? Haben Sie zündende Ideen? Oder feuern Sie gerne andere Menschen an, um sie zu Höchstleistungen zu bringen? Was für eine Energie steckt darin! Eine pfingstliche Energie:
…es setzte sich auf sie wie Zungen von Feuer… und sie wurden erfüllt…
"Feurig und warm"
Der Wind weht, wo er will.
Wenn er von hinten kommt, ist das gut. Rückenwind brauchen wir schließlich alle. Gegenwind ist unangenehm. Wind, der ins Gesicht bläst. Manchmal hat man auch das Gefühl, er kommt von allen Seiten, aus allen Richtungen.
Ohne Wind aber geht gar nichts. Flaute. Dann dümpelt man so vor sich hin. Nichts geht mehr voran. Stillstand.
"Der Wind weht, wo er will" – und auch wann er will. Es ist kein Verlass auf ihn.
Wind ist eine wunderbare Energie, so aus dem Nichts. Beflügelt, lässt mich aufsteigen wie ein Lenkdrachen. Ich fühle mich leicht und beschwingt. Kostbarer Moment. Und vielleicht gelingt auch eine sanfte Landung danach, wie beim Segelfliegen. Selten hört ein Wind so ganz abrupt auf. Und selbst ein kräftiger Sturm, der alles durcheinanderwirbelt… kann zur Klärung beitragen, dazu, Dinge anders zu sehen. Wie in der Pfingstgeschichte: Es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Danach gehen sie raus, beflügelt, begeistert, und reden, zeigen neue Wege.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn…
"luftig, beflügelt"
Wir sollten uns breit aufstellen bei der Energieversorgung. Uns nicht in einseitige Abhängigkeiten begeben, raten Politiker. Außerdem sollten wir nicht nur auf Energiequellen setzen, die begrenzt sind und weniger werden. Sie sind irgendwann aufgebraucht. Sie werden außerdem oft von Lieferanten bereitgestellt, die ein Eigeninteresse, Machtinteresse haben. Wir sollten auf Energiequellen setzen, die sich erneuern, die nachwachsen, oder verfügbar sind und nur noch nicht in ausreichendem Maße genutzt werden können… Ökonomisch wie ökologisch wäre das sinnvoll.
Und Energiepolitik bezogen auf uns selbst: Wie sieht es mit meiner Lebensenergie aus? Energiekrise oder alles im Lot? Tank voll oder Tank leer? Wo bekomme ich sie denn her, meine Energie? Wo sind Tankstellen oder Ladestationen? Wo zapfe ich ab? Wo docke ich an?
Wer füllt meine Reservekanister und Akkus – und wie lange halten die dann?
Es gibt ganz verschiedene Anbieter auf dem Markt der Möglichkeiten. Die das Auftanken, das Füllen der Energiereserven versprechen. Sehr unterschiedliche. Es gibt die großen Marken und die kleinen Anbieter. Die institutionellen, die politischen, die privaten. Professionell oder nicht. Auch bei uns, bei den christlichen Kirchen und religiösen Gemeinschaften. Wir feiern an Pfingsten den Geburtstag der Kirche. Denn wir wollen solche Kraftorte sein: Tankstellen, Orte zum Auftanken, die Sprit zur Verfügung stellen, Spirit, Gottes Geistkraft weiterleiten, auftanken lassen.
Die Art der Energieversorgung stellt Fragen des Friedens und der Sicherheit, sagt unser Umweltminister. Ja das trifft auch auf mich zu: Wer mir meine Kraft gibt, mich antreibt oder betreibt, und worauf ich mich verlasse – das sagt sehr viel über mich aus.
Frieden und Sicherheit. Was für Sehnsuchtswörter. Nicht nur politisch. Dietrich Bonhoeffer sagt: Gott gibt uns in jeder Notlage so viel Kraft, wie wir benötigen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst verlassen, sondern auf ihn.
Es braucht also die Beziehung, die Verbindung, für dieses Auftanken. Immer wieder. Im Gottesdienst, in der Gemeinschaft, in der Musik, in den Worten der Bibel.
Alles Sprit, Spirit - Energie, die erneuerbar ist, Kraftquelle, die nie versiegt – das ist der Geist, der Pfingsten ausgegossen wird in unsere Herzen. Erneuerbar, damit wir neu werden!
Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
Amen.
Es gilt das gesprochene Wort.
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