Luther lacht!

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Das Lachen war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Zuhause ging es streng zu. Der Vater, ein Bauerssohn, hatte sich hochgearbeitet. Er wollte seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen als er es selber hatte. Im Mansfeld hatte er bald Anteile an den Bergwerken. Schnell gelangte er dort zu Ansehen. In der damaligen Geschäftswelt bestens angekommen, hatte er für seinen erstgeborenen Sohn Martin ehrgeizige Pläne, ein Jurastudium. Martins Mutter hatte mit den Kindern viel zu tun. Einmal schlug sie ihn, weil er genascht hatte. Vor seinem Vater hatte er lange Zeit Angst und er spürte den Druck bei allem, was er tat. In der Schule war es nicht viel besser. Als Erwachsener beschwerte er sich noch, das Latein hätten sie in ihn reingestopft wie in eine Gans.

Nein, das Lachen hatte man ihm nicht in die Wiege gelegt – heute vor 534 Jahren – als der spätere Gelehrte und Reformator Martin Luther in Eisleben geboren wurde.

 

Später hat er selbst das Trotzdem-Lachen für sich entdeckt. Nach Angst-Attacken, Verzweiflung und Wut. Das Lachen kam mit seinen großen reformatorischen Entdeckungen: Es gibt einen gnädigen Gott, der mich liebt. Jeder ist von Gott freigesprochen. Wer dies für sich erkannt hat, lebt anders. Und kann manchmal noch lachen, wo anderen das Lachen längst vergangen ist.

 

Mit dem neuen Glauben kam das Lachen. Das Haus in Wittenberg füllte sich. Wie sollte es auch anders sein, wenn eine ehemalige Nonne und ein ehemaliger Mönch sich ganz bewusst für eine Familie und ein offenes Pfarrhaus entscheiden. Kinderlachen auf dem Flur, im Garten und bei Tisch. Und dazu die Stimmen der Studenten, die auch mit im Hause wohnten. Luthers Wortwitz und seine Sprachgewalt, die Karikaturen aus eigener Hand: Er brauchte sein Lachen auch gegen seine Feinde, die ja so oft übermächtig erschienen. „Nur wer überall und immer lachen kann, ist ein wahrer Doktor der Theologie.“, schrieb er einmal. (zit. n. Joachim Köhler, Luther!, Biographie eines Befreiten, EVA Leipzig, 8). Mit dieser Haltung konnte ihm das Machtgehabe der Geistlichen Herren nichts anhaben, sogar sich selbst brauchte er nicht so wichtig zu nehmen. In närrischer Art schleuderte er den Menschen die Wahrheit entgegen. Auch wenn ihm Krankheiten und innere Seelenqualen zu schaffen machten, behielt er sein christliches Trotzdem – Lachen. Weil er wusste, dass Gottes Liebe alle Widrigkeiten der Welt erträgt und zu überwinden verspricht. Für mich heute ist die Gabe des Lachen-Könnens auch 500 Jahre später eine Art innere Überlegenheit gegenüber der Welt, wie sie ist. Lachen und frei sein in allem, was ich mir auflade und was andere von mir erwarten. Und: niemand sagt mir, wer ich bin oder was ich wert bin, als Gott allein.

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