Radio-Heimat, Heimat-Radio

Region. Identität. Emotion.

In Zeiten der Globalisierung kommt nach Expertenmeinung dem Hörfunk eine besondere Rolle zu, Verbundenheit mit der Heimat zu wecken. "Radio ist der lokale Anker und der Transporteur von Heimat-Gefühlen", sagte Verena Schmitt-Roschmann, Leiterin des Politik-Ressorts bei der Wochenzeitung "der freitag" am 27. November während der Frankfurter Hörfunkgespräche 2012. Immer mehr Menschen seien von der globalisierten Kultur und Wirtschaft verunsichert und suchten Geborgenheit in ihrer Heimat. Sprache, Musik und regionale Berichterstattung vermittelten ein Heimatgefühl, unterstrichen auch die Macher regionaler Radios.

 

"Heimat ist ein sehr individuelles Gefühl und Bedürfnis, das aber sehr verbreitet ist", sagte Schmitt-Roschmann, Autorin von "Heimat - Neuentdeckung eines verpönten Gefühls". So könne Heimat Familie und die geliebten Menschen einschließen, aber auch ein vertrauter Ort oder der Geruch eines Apfelbaums sein.

 

In den nordrhein-westfälischen Lokalradios sei ein regionaler Dialekt ausdrücklich erwünscht, sagte der Programmdirektor von Radio NRW, Martin Kunze. Mit mindestens drei Stunden lokalem Programm und Nachrichten von vor Ort stifteten die Lokalsender in NRW auch lokale Identitäten. "Wir senden von vor Ort für die Menschen in der jeweiligen Stadt", erklärte Kunze.

 

Juliane Henze, Projektleiterin der Berliner Radiozentrale, unterstrich die Bedeutung der Digitalisierung für den Hörfunk: "Dank Internetradio können wir auch in der Fremde unser Heimatradio hören." Hörfunk halte die Verbindung zum Rest der Welt und vermittle gleichzeitig Informationen aus der Heimat. Die steigende Reichweite und Verweildauer weise darauf hin, dass der Hörfunk auf dem richtigen Weg sei, sagte Henze.

 

Das Internetradio der "Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung" (HNA) setze nicht auf einen regionalen Zungenschlag, sagte Daniel Ebert, Programmleiter von Radio HNA. "Dialekte tümeln zu sehr", erklärte Ebert. Dies schrecke die jüngere Zielgruppe ab. Das Ziel von Radio HNA sei es, ein Lebensgefühl abzubilden und so indirekt Heimat zu vermitteln, etwa durch Musik von regionalen Bands und Live-Berichterstattung von Fußballspielen aus der Dritten Regionalliga.

 

Neben der Region gehörten auch Sprache, Tradition und Familie zum Heimatgefühl, sagte der Programmchef von MDR 1 Radio Sachsen, Bernhard Holfeld. Jedoch werde das Wort "Heimat" nicht von allen positiv aufgenommen: "Der Begriff 'Heimatsender' ist mit Florian Silbereisen oder dem Hirschbild bei Oma und Opa im Wohnzimmer besetzt", sagte Holfeld. Um auch unter 69-Jährige zu erreichen, plane der Sender, die Berichterstattung aus den Regionen auszuweiten und spiele auch internationale Oldies.

 

Die Frankfurter Hörfunkgespräche standen in diesem Jahr unter dem Motto "Radio Heimat - Heimat Radio". Veranstalter sind das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt und die Grimme-Akademie in Marl. Unterstützt werden die Hörfunkgespräche von den Landesmedienanstalten in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

 

Auszeichnung für vorbildliche Volontärsausbildung

 

###f02###Bei den Frankfurter Hörfunkgesprächen wurden neun private deutsche Radiosender für ihre vorbildliche Volontärsausbildung ausgezeichnet. Antenne Thüringen, Die Neue 107,7, Hit Radio FFH, Radio Essen, Radio HNA, Radio Köln, Radio MK, Hitradio Ohr und Radio Vest erhielten das sogenannte Radiosiegel, das in diesem Jahr erstmals vergeben wurde.

 

Mit dem Radiosiegel werden Sender ausgezeichnet, die den Volontären mit ihrem Ausbildungsangebot einen gelungen Einstieg in das Berufsleben bieten. Die Volontäre selbst können die Sender für die Auszeichnung vorschlagen. Über die Vergabe entscheidet eine Jury.

 

Partner der Initiative Radiosiegel sind die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Rundfunk, die Landesmedienanstalten von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Thüringen, der Deutsche Journalisten-Verband, die Deutsche Journalisten-Union, die Initiative Fair Radio, die Hörfunkschule Frankfurt und die Evangelische Medienakademie. Die Initiative will nach eigenen Angaben Impulse für eine vielfältige professionelle Volontärsausbildung setzen.

 

(epd-medien 49/12)

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