50. Sterbetag Karl Barths

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Er war einer der bedeutendsten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Heute vor 50 Jahren starb er, der Schweizer Theologieprofessor Karl Barth. Das theologische Denken unserer Zeit hat er entscheidend mitgeprägt. Gerade in den Weltkriegen und Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezog er eine klare Position. Er sagte deutlich, was er dachte und glaubte, auch dann, als der Nationalsozialismus in Deutschland die Macht ergriffen hatte. Maßgeblich beteiligt war Karl Barth an der Formulierung der Barmer Theologischen Erklärung. Im Mai 1934 wurde diese auf der Bekenntnissynode der Bekennenden Kirche in Wuppertal-Barmen verabschiedet. Das war eine klare Abgrenzung zur Ideologie der Nationalsozialisten. Ehrlich und mutig stellte er sich gemeinsam mit anderen verantwortlich denkenden Christen dem Wahnsinn der Nazis entgegen. Und heute noch ist die Barmer Erklärung ein wegweisendes Lehr- und Glaubenszeugnis der Kirche, Bekenntnisgrundlage für viele Pfarrerinnen und Pfarrer.

 

Karl Barth hinterließ eine Vielzahl an theologischen Werken. Als Student schlug ich mich mehr oder weniger glücklich mit Schriften dieses großen reformierten Theologen herum. Vieles habe ich damals nicht so richtig verstanden. Einiges erschien mir auch zu unbequem. Beeindruckt hat mich die Wirkung seiner Schriften schon. Doch verstehen konnte ich eben manches nicht.

 

Seine Theologie besser verstehen zu können, machte mir eine interessante Entdeckung möglich. Nämlich ein Zitat aus einem Brief Karl Barths an den Schriftteller Carl Zuckmayer. Barth schickte ihm einen seiner Bände des von ihm verfassten großen theologischen Werkes, der „Kirchlichen Dogmatik“. Fast zehntausend Buchseiten sind es, nimmt man alle Bände dieses Werkes zusammen. Also: Karl Barth schickte einen Band dieser Dogmatik an Zuckmayer – und legte ein kleines Büchlein mit Predigten dazu. Die hatte er in einem Gefängnis in Basel gehalten. Im Begleitbrief schrieb er:

 

Um Ihnen den Zugang vielleicht etwas zu erleichtern, habe ich ein Bändchen meiner in der hiesigen Strafanstalt gehaltenen Predigten beilegen lassen, in denen Ihnen möglicherweise anschaulich werden kann, wie ich es versucht habe, dieselbe Aussage, die in dem großen, dicken Buch gemacht ist, an den Mann – den in diesem Fall übrigens gar nicht so einfachen Mann – zu bringen, und vor allem, mit diesem Mann zu beten.“ (1)

 

Weniger ist manchmal mehr. Und so predigte der große Theologe in der Strafanstalt und betete mit den Menschen dort. Er sah die Theologie nicht nur als Wissenschaft, für einen Kreis weniger, auserwählter Gelehrter. Sondern er sah den Glauben an Gott als etwas, das dem Menschen hilft – das hilft es zu verstehen, was für eine unfassbar große Sache es ist, dass Gott Mensch wurde. In einer Predigt im Baseler Gefängnis sprach Barth so davon: „Gott spricht: Ich habe die Welt überwunden. Nicht ihr! Ihr guten Menschen nicht. Und ihr bösen auch nicht! … Ihr Ungläubigen nicht. Und auch nicht ihr Gläubigen. …. Und wenn ihr es morgen schaffen würdet mit dem Schlitten über die Milchstraße zu fahren. Ich habe das getan.“ Spricht Gott. Und dann führt Barth weiter aus, was er mit dem Kommen und Wirken Jesu verbindet. Was er meint, wird klar und deutlich, wenn er mit allen im gleichen Gottesdienst betet:

 

„Herr Jesus Christus! Wenn nicht alles umsonst sein soll, dann musst du selbst jetzt zu uns kommen und zu uns reden von der Herrlichkeit dessen, was du uns warst und tatest und noch bist und tust. (…) Sag es jedem Einzelnen von uns, damit er ein Christ nicht nur heiße sondern immer wieder werden möge.“ (2)

 

So sprach Karl Barth Gefangenen die frohe Botschaft zu. So, dass auch ich es verstehen kann.

 

 

(1) Späte Freundschaft in Briefen: Briefwechsel Carl Zuckmayer – Karl Barth, TVZ Theologischer Verlag Zürich (1. Januar 2002)

(2) Karl Barth, Aber seid getrost!, Weihnachtspredigt in der Strafanstalt, TVZ Theologischer Verlag Zürich 1979

 

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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