Der Tag, die Sorge

Wort zum Tage
Der Tag, die Sorge
20.04.2020 - 06:20
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„Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag, seine eigne Plage hat.“ Sagt Jesus; und das provoziert mich. Sorgt nicht für morgen? Wie soll das gehen? Der morgige Tag sorgt wahrscheinlich für gar nichts, außer für neue schreckliche Nachrichten und neue Sorgen. In welchem Zustand muss man sein und wo auf der Welt muss man sich befinden, wenn man sich in diesen Zeiten keine Sorgen macht?

Unter normalen Umständen wären wir wohl über Ostern ein paar Tage zu den Eltern gefahren. Jetzt weiß ich nicht, wann wir sie entspannt wiedersehen können. Unser Kind braucht eine Operation, keine Not-OP, aber doch wichtig. Unter normalen Umständen würde ich mir Gedanken um das Wohlergehen während der OP machen, jetzt ist meine Sorge, ob sie überhaupt stattfinden kann. Unter normalen Umständen würden wir jetzt einen Umzug planen, einen Neuanfang in einer neuen Stadt, jetzt steht in den Sternen, wann der Umzug überhaupt sein kann.
Deine Sorgen möchte ich haben! Ja, bestimmt gibt’s Leute, die gern mit mir tauschen würden, die lieber meine Sorgen hätten.

Aber gegeneinander aufrechnen lassen sich Sorgen nicht. Jede und jeder hat im Moment eigene. Der Tag, die Sorge. Und Jesus setzt noch einen drauf mit der Frage: Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Es glaubt ja auch niemand, dass er sein Leben durch Sorgen verlängern kann. Die Sorgen sind halt einfach da und manchmal so mächtig, dass der Kopf überlastet zu implodieren droht. Alltagsroutinen, die sonst helfen, fallen weg und neue greifen nur mühsam.


Der Tag. Die Sorge. Provoziert mich. Hilft mir aber auch. Weil ich dann nicht die ganze Zukunft auf einmal meistern muss. Mich diesem Tag heute stellen, mit der Kraft für heute. Mehr ist nicht da. Sonst ja auch nicht. Die Zukunft erscheint im Moment unzugänglicher als sonst, weil es so viele offene Fragen gibt. In Wirklichkeit steht mir die Zukunft auch sonst nicht zur Verfügung, nur weil am 25. Oktober um 18:00 Uhr schon ein Termin in meinem Kalender steht. Zugänglich ist allein die Gegenwart. Hier werfe ich Anker. Hier frage ich: Was ist jetzt? Was ist wirklich wahrnehmbar? Meine Füße auf dem Boden. Die Stuhllehne in meinem Rücken. Ich atme. Mein Herz schlägt. Die Kaffeetasse wärmt meine Hände. Vor dem Fenster balanciert eine Taube auf dem Geländer.


In der Gegenwart Anker werfen, weil Gott gegenwärtig ist. Der Tag. Die Sorge. Dies, der Moment. Ankommen in der Gegenwart und ein Gebet wagen, nichts Großes, einfach
„Ostern alle Tage

 

Trotzdem wieder aufstehen
nicht jubelnd
nicht erlöst
nicht heilgezaubert
aber aufstehen

 

Gott etwas zutrauen
keine Allmacht
keine Heerscharen
kein Donnergetöse
aber zutrauen

 

Im Totenreich nicht heimisch werden
das letzte Wort nicht selber sprechen
und morgen wieder aufstehen.“

 

(Carola Moosbach
Gottflamme Du Schöne, 1997)]

 

Es gilt das gesprochene Wort.