Den Bus verpasst, Regen am Morgen und dann noch eine Absage. Wie gehe ich gut mit dem um, was ich als nervig und negativ erlebe?
Sendetext:
Haben Sie sich heute schon in aller Herrgottsfrühe über etwas geärgert?
Den verpassten Bus, die Absage einer Freundin oder das Wetter?
Ich bin schnell dabei, Erlebnisse sofort zu bewerten. Ich stemple ab: Das ist "gut" und das ist "schlecht". Ich bemühe mich zwar, die Dinge erst einmal so zu nehmen, wie sie sind. Aber oft ist die Prägung größer als mein Wille. Dabei will ich weder schnell noch viel noch überhaupt werten, bewerten und schon gar nicht abwerten. Denn unsere menschlichen Wertmaßstäbe sind doch sehr begrenzt. Und ich kann auch nicht voraussehen, was zu was führt.
Es gibt dazu eine alte Geschichte von einem Bauern. Eines Tages lief ihm sein einziges Pferd davon. Die Nachbarn kamen und klagten: "Was für ein Unglück!" Der Bauer sagte nur: "Gut oder schlecht? Wer weiß das schon?" Am nächsten Tag kehrte das Pferd zurück und brachte drei Wildpferde mit. Die Nachbarn jubelten: "Was für ein Segen!" Der Bauer sagte: "Gut oder schlecht? Wer weiß das schon?" Als sein Sohn versuchte, eines der Wildpferde zu reiten, stürzte er und brach sich ein Bein. "Wie schrecklich!", riefen die Nachbarn. Doch der Bauer blieb ruhig: "Gut oder schlecht? Wer weiß das schon?" Kurz darauf brach ein Krieg aus. Alle jungen Männer wurden eingezogen – nur der Sohn des Bauern nicht, wegen seines gebrochenen Beins.
Diese Geschichte verstehe ich nicht als Aufforderung zur Gleichgültigkeit. Sie ist eine Einladung zur Gelassenheit. Ich sehe im Moment des Geschehens meist nur einen winzigen Ausschnitt des Bildes. Ich sehe das Puzzleteil, aber nicht das Panorama.
Im christlichen Glauben nennen wir das oft "Gottes Wege". Es ist das Vertrauen darauf, dass auch aus den Umwegen, den Brüchen und den vermeintlichen Katastrophen etwas Neues und Gutes wachsen kann.
Wenn ich aufhöre, alles sofort in Schubladen zu sortieren, kann ich eine neue Freiheit erleben. Frei von Panik, wenn etwas schiefläuft, und frei von der Gier, dass immer alles perfekt sein muss. Manchmal entpuppt sich der Umweg am Ende als die schönere Strecke.
Darum werde ich heute, wenn mir vermeintlich "Schlechtes" widerfährt, kurz innehalten. Ich atme kurz durch und erinnere mich an den Satz des Bauern: Ob gut oder schlecht, wer weiß das schon?
Es gilt das gesprochene Wort.
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