Da stellen wir uns mal ganz dumm

Wort zum Tage

Da stellen wir uns mal ganz dumm, sagt der Lehrer Bömmel im Film  „Feuerzangenbowle“. Der Lehrer will seinen gelangweilten Schülern die Dampfmaschine erklären. Die Schüler haben keine Ahnung. Bömmel sagt: Da stellen wir uns mal ganz dumm. Wir wissen nichts, heißt das. Oder tun mal so. Dann legt er los mit der Dampfmaschine. Die Schüler hören. Bald staunen sie. So ist das also. Man versteht besser, wenn man auch mal nichts weiß. Oder wenigstens so tut.

 

Sich Dumm stellen ist nicht dumm sein. Ein wichtiger Unterschied. Sich dumm stellen ist wie „Alles auf Anfang“. Wir tun mal so. Wir wischen die innere Tafel leer und fangen wie von vorne an. Als wüssten wir nichts. Und wissen auch nichts besser. Wer verstehen will, darf nicht alles schon wissen. Darf nicht geprägt sein. Von nichts. Ich sehe einen anderen. Und denke mir meinen Teil. Das geht oft schief. Ich sehe einen Menschen und denke mir – erst einmal nichts. Das ist hilfreich. Mein Blick ist offen, hat kein Urteil. Ich verteile in mir weder Lob noch Tadel, nur weil mir Rock oder Hose nicht gefallen. Oder der Ring im Ohr, die Tätowierung am Arm, der Geruch des anderen. Ich urteile nicht, auch nicht im Stillen. Ich lasse mich zu nichts verführen allein vom Äußeren. Ich warte ab, stelle mich dumm. Meine Sinne sind gespannt.

 

Wer zu früh weiß, versteht zu wenig. Versteht nur, was er schon kennt. Mehr nicht. Besser ist hören, hinschauen, nachfragen. Und nachdenken. Viel nachdenken. Jeder Mensch ist mehr, als er zeigt. Und tut. Ich will doch verstehen: Wie sieht es bei ihm innen aus, was treibt ihn an? Was glaubt er denn wirklich, was liebt der andere? Ich traue meinen Sinnen nicht, nur weil sie schon zu wissen meinen. Besser tun wir so, als wüssten wir nichts, stellen uns dumm. Passen aber gut auf. Schenken unsere Aufmerksamkeit. Achten auf jedes Wort. Auf ihren Klang, auf die Gesten der Hände. Hinter dem Außen gibt es ja noch das Innen. Wo alle Sehnsucht eines Menschen ist. Sehnsucht nach geborgen und heil sein. Nach Nähe. Sehnsucht nach viel mehr als dem, was ist. Was so gezeigt und geredet wird. Und ganz tief drinnen auch die Sehnsucht einem Gott, der uns Liebe gibt. Uns lieben lässt. Fürs ganze Leben.

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