Schutzengel

Wort zum Tage

Vor kurzem war ich bei ihm zu Besuch und habe ihm zum Geburtstag gratuliert. 88 Jahre ist er inzwischen und hat sich über meinen Besuch sehr gefreut.

Was ich nicht wusste: Etwa 3 Monate zuvor hatte er einen schweren Fahrradunfall. Ein Auto hat ihn angefahren, er ist aufs Pflaster geschlagen und bewusstlos liegen geblieben. Erst im Krankenwagen ist er wieder aufgewacht, mit diversen Verletzungen, die Schlimmes befürchten ließen. Im Krankenhaus aber stellte sich heraus: Er hat großes Glück gehabt. Sicher gibt es einige Blessuren aber keine nennenswerten inneren Verletzungen. Sie hätten auch tot sein können. So sagt ihm der behandelnde Arzt und fügt hinzu: Sie hatten wirklich mehrere Schutzengel.

Ich hatte alle Schutzengel!, so sagt er jetzt selber. Und dann erzählt er mir von einem Bild aus seinem Kinderzimmer. Es hing über seinem Bett. Zwei Kinder gehen über eine Brücke. Die Brücke ist hoch und sieht nicht sehr vertrauenserweckend aus. Aber die Kinder gehen unbekümmert und sicheren Schrittes hinüber. Denn: Über ihnen schwebt ein Engel, ihr Schutzengel.

Die beiden Kinder, so sagt er, das waren wir, ich und meine kleine Schwester. Und der Engel, das war unser Engel. Er hat uns beschützt, das habe ich ganz oft erlebt. Als Kind, wie oft bin ich da vom Baum gefallen. Dann der Krieg und die Flucht und der Neuanfang hier auf Mönchgut. Sehr oft waren die Brücken mehr als wackelig, über die ich gegangen bin. Aber der Engel Gottes hat mich beschützt, auch bei meinem Unfall im Herbst. Und er tut es bis heute. Und bei diesen Worten strahlen seine Augen.

Wie kann ich die Nähe Gottes spüren? Wie kann ich die Begleitung seines Engels spüren? Bei dem Jubilar lerne ich drei Dinge:

Das erste ist: Er verbindet das Bild der Bewahrung aus seiner Kindheit mit seinen heutigen Erfahrungen. Dadurch ist dieses alte Bild für ihn aktuell, bis heute. Und wie weit das tragen kann, das ist seinen leuchtenden Augen anzusehen.

Das zweite: Für ihn ist die Begleitung Gottes keine Alternative zur menschlichen Hilfe. Der Engel Gottes begegnet ihm vielmehr in dieser Hilfe. Auch drei Monaten nach dem Unfall und wohl wissend um den großen Einsatz des Notarztes und der Rettungskräfte ist er sich sicher: Der Engel Gottes hat mich beschützt.

Das dritte ist: Er redet darüber. Und dafür bin ich meinem Jubilar besonders dankbar. Denn seine Worte sind für mich ein Anstoß, wieder genauer nach dem Engel Gottes in meinem Leben Ausschau zu halten. Denn ich glaube, den brauche ich und den brauchen wir alle, rund um die Uhr und rund um die Welt.

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