Prinzipienfest

Ein Mensch ist ein Mensch ist mein Nächster
"Das Wort zum Sonntag", samstags nach den Tagesthemen im Ersten

Bild: GEP, Rundfunkarbeit

"Das Wort zum Sonntag", samstags nach den Tagesthemen im Ersten

Einen guten späten Abend, verehrte Damen und Herren.

„Der hat ja keine Prinzipien“. Wer so beschrieben wurde, war in der Öffentlichkeit beschädigt. Nicht tauglich für eine verantwortliche Aufgabe oder gar für ein öffentliches Amt.

„Ihr habt ja keine Prinzipien!“ Das würde ich gerne denen zurufen, die gerade dabei sind unseren Heimatkontinenten Europa auseinander zu nehmen.

Schreihälse, die mit »alternativen Fakten« Ängste schaffen, prägen die öffentliche Meinung . Und viele  machen lautstark und ohne Rücksicht auf Verluste Wahlkampf, in dem sie so tun, als würde die Erde nur aus ihrer Nation bestehen und nur für sie die Sonne scheinen.

Ich höre den schrillen Lärm der »Exiteers«, nicht nur von der britischen Insel, sondern auch aus anderen Ländern auf dem europäischen Festland.

Europa: was wir heute darunter verstehen, ist alles andere als prinzipienlos entstanden. Ganz im Gegenteil: prinzipienfest waren die verantwortlichen Frauen und Männer, die es Stück für Stück auf den Trümmerfeldern des Zweiten Weltkriegs gebildet haben.

Einer von ihnen war Robert Schuman.  Für mich als Pfarrer im Saarland ist er quasi Nachbar. Er stammte aus Luxemburg und Lothringen.  Er hatte hohe Staatsämter im Nachkriegsfrankreich, .Friede und Versöhnung war sein Thema. Versöhnung zwischen den sogenannten »Erbfeinden« Deutschland und Frankreich. Versöhnung auf dem ganzen Kontinent Europa, der sich in zwei Kriegen gerade ruiniert hatte.

Robert Schuman hatte Prinzipien; Grund-Sätze, Haupt-Ziele könnte man sagen. Die waren begründet in seinem christlichen Glauben. Und aus diesem Glauben heraus ist er den mühevollen Weg gegangen, als Politiker Versöhnung zu schaffen. Weder blauäugig noch idealistisch oder gar wirklichkeitsfremd. Aber mit großer Hoffnung und – eben – mit festen Grundsätzen.

 

Denn wer Prinzipien hat, hat eine tiefe Einsicht in die Wirklichkeit, so verworren sie immer sein mag.. Für mich sind Prinzipien die Grundlage dafür, diese Wirklichkeit zum Guten, zum Besseren hin für die Menschen zu verändern.–

»Europa soll sich eine Seele schaffen. Europa muss wieder ein Wegweiser für die Menschheit sein. Europa ist gegen niemand. Das geeinte Europa ist ein Symbol der allumfassenden Solidarität der Zukunft“.

So hat Robert Schuman die Grund-Sätze für Europa beschrieben.

Ein Prinzip ist viel mehr als eine Meinung. Ein Prinzip ist meinem kleinen Ego voraus. Im jahrhundertelangen Dialog von griechischer Philosophie, jüdischer und christlicher Bibel, von Aufklärung mit und gegen Religion hat sich in Europa ein Prinzip herausgebildet: das Prinzip Mensch.

Einen Grund für dieses Prinzip Mensch beschreibt Robert Schuman so: »Das universale Gebot der Nächstenliebe hat aus jedem Menschen einen Nächsten gemacht…Dieses Gebot und seine praktischen Schlussfolgerungen haben die Welt erschüttert.«

Ich glaube: Auch in einer nicht mehr christlich geprägten Gesellschaft bleibt dieses Prinzip bestehen: aus jedem Menschen ist ein Nächster geworden. Im Meinungsrauschen von so vielen Empörten, Beleidigten und Erregten, im  prinzipienlosen Dahergelärme braucht es die beharrliche sonore Stimme der Prinzipienfesten: Ein Mensch ist ein Mensch ist mein Nächster!

Ihnen einen guten Sonntag.

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