Pareto-Prinzip

Wort zum Tage

Gemeinfrei via unsplash/ Luis Villasmil

Pareto-Prinzip
mit Sabrina Fabian
18.10.2021 - 06:20
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Wenn eine neue Woche vor mir liegt, verschaffe ich mir einen Überblick über meine Aufgaben. Diese Woche steht viel an und ich denke unweigerlich an unseren Urlaub zurück. Der war mir nämlich eine Lehre in Sachen „Zeitmanagement“. Wir haben uns etwas getraut: Wir haben uns aufs Rad geschwungen und wollten von Berlin aus in die Lutherstadt Wittenberg radeln. Im Internet klang die Strecke ganz gemütlich: Hier wurde eine Rast vorgeschlagen, dort ein Museum im Gutshof empfohlen. Wir dachten: Die Ausflugstipps sparen wir uns, und dann schaffen wir die Strecke an einem Tag.

Es kam ganz anders: Im ersten Teil der Strecke waren wir hochmotiviert und die ersten 50 km vergingen wie im Flug. Aber plötzlich war die Luft raus. Nicht aus den Fahrradreifen – denen ging es gut – aber aus mir. Und für die nächsten 30 km Kilometer haben wir fast genauso lange gebraucht wie für die ersten 50.

Wieder Zuhause wurde es mir richtig klar: Da habe ich das Pareto-Prinzip am eigenen Leib erlebt! Dieses Prinzip habe ich in einem Kurs über Zeitmanagement kennengelernt. Es ist benannt nach seinem Entdecker Vilfredo Pareto. Der italienische Wirtschaftswissenschaftler stellte im
19. Jahrhundert fest, dass 80 Prozent des italienischen Bodens 20 Prozent der Bevölkerung gehört. Die Verhältnisbestimmung von 20 zu 80 ist auf viele Bereiche übertragbar und heißt deswegen Pareto-Prinzip: Viele Kinder spielen 80 Prozent ihrer Zeit mit nur 20 Prozent ihres Spielzeugs. 80 Prozent des Verkehrs konzentriert sich auf 20 Prozent der Straßen.

80 Prozent der eigenen Aufgaben schafft man in der Regel in 20 Prozent der verfügbaren Zeit. Der Rest, der zur Perfektion fehlt, der dauert dann vergleichsweise lange. Also sage ich mir: Überlege dir gut, wie viel Zeit du aufwenden willst – ein Ratschlag, der sich auch im Neuen Testament findet, im Epheserbrief: „So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus!“ (Eph 15,15.16) Nutzt Eure Zeit!, fordert der Briefschreiber, überlegt gut, womit ihr sie füllt. Hand in Hand mit dem Pareto-Prinzip erinnert mich das daran, dass ich die Tage nicht nur mit To-Dos fülle, sondern auch mit Momenten, die kein Zeitmanagement fassen kann: Familie und Freunde zum Beispiel - und Gott.

Wir mussten im Urlaub übrigens umdisponieren. Unser Ziel war zu hochgesteckt. In Wittenberg sind wir schließlich mit dem Zug eingerollt. Und auch das ist eine wichtige Lektion: Pläne gehen nicht immer so auf, wie man das erwartet hat. Aber zum Glück gibt es mehrere Möglichkeiten, ans Ziel zu kommen.

Es gilt das gesprochene Wort.

Es gilt das gesprochene Wort.