Was zum Himmel schreit

Wort zum Tage
Was zum Himmel schreit
17.07.2021 - 06:20
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Die Bilder, die Nachrichten über die Katastrophe erschüttern mich. Ich liebe das Meer, überhaupt alles, was Wasser hat. Aber jetzt bin ich fassungslos. Dasselbe Element, das Leben und Freude bereithält, kann auch den Tod bringen. Gerade hat es seine unheimliche und furchtbare Kraft gezeigt. Die Wassermassen in den Straßen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben große Zerstörungen hinterlassen, Häuser, Brücken, Straßen, Wege. Und es gibt viele Tote; noch immer sind nicht alle Menschen gefunden worden, die vermisst werden. Einfach schrecklich. Wir trauern um die, die gestorben sind. Wir denken an ihre Familien und Angehörigen, die mit den Helferinnen und Helfern vor Ort hoffen, doch noch Menschen lebendig wiederzufinden. Wir denken an die, die beim Aufräumen der Verwüstungen erst das ganze Ausmaß erfahren, ohne es wirklich begreifen zu können. 

Einer sagt gestern Morgen zu mir: „Jetzt schlägt das Klima zurück.“ Und ich denke mir: Das ist doch jetzt überhaupt nicht dran! Jetzt ist Zeit fürs Helfen, das zuallererst. Ich denke an die Feuerwehrleute, an die Menschen von THW und Sanitätsdienst, Polizei und Bundeswehr, auch viele junge Menschen, die schreckliche Dinge sehen. Ich denke an die, die als Nachbarn und Freunde helfen. Die manchmal nur den Schmerz lindern können, der da ist. Hineingeworfen in eine Situation, in der sie nichts ändern können, sondern aushalten und ertragen müssen, was sie mit den verzweifelten Menschen erleben. Das ist schwer genug. Da sind politische Debatten und Schuldzuweisungen völlig daneben. 

Jetzt ist Zeit für das solidarische Miteinander. Eine Kollegin von mir bringt es auf den Punkt: „Jetzt ist Zeit für die Arche. Die Ärmel hochkrempeln, Gummistiefel anziehen, Eimer und Sandsäcke holen.“ 

Jetzt ist Zeit für die Klage, dass das Unglück zum Himmel schreit. Die Worte der Bibel (Psalm 69, 1 – 4.15.17) helfen, damit unsere Klage nicht stumm bleibt: 

Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott. (…) Errette mich aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke. (…) mir ist angst, erhöre mich eilends.

Jetzt ist Zeit fürs Mitweinen, Mittrauern, auch aus der Ferne. Auch in der Stille, aber nicht stumm, sondern innig und trotzig Gott klagen, was zum Himmel schreit.  

 

Es gilt das gesprochene Wort.