Licht in der Dunkelheit

Wort zum Tage
Licht in der Dunkelheit
30.12.2020 - 06:20
27.12.2020
Marie Anne Subklew-Jeutner
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In der letzten Woche des Jahres bedenke ich hier das bekannte Gedicht, das   Dietrich Bonhoeffer im Dezember 1944  im Gefängnis geschrieben hat, zusammen mit seinem letzten Brief an seine Verlobte Maria von Wedemeyer.

In der zweiten Strophe ist die Dunkelheit spürbar, die der Theologe erlebt.

„Ach Herr gib unseren aufgeschreckten Seelen, dass Heil für das du uns geschaffen hast.“

Ein Seufzer und eine Bitte.

In der fünften Strophe folgen weitere Bitten und vertiefen das Gebet. Wieder verbindet sich Bonhoeffer im Gefängnis über die Mauern und Gitter hinweg mit seinen Lieben und nimmt dann aber auch andere, nimmt mich mit hinein.

„Laß warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.“

Ich sehne mich in dieser dunklen Jahreszeit nach der Helligkeit, nach Licht; und freue mich schon jetzt, dass die Tage langsam aber sicher, Minute um Minute wieder länger werden.

Unsere Städte sind in diesem Jahr dunkler als in anderen Jahren. Keine bunt leuchtenden Weihnachtsmärkte, mit Mandelduft und Glühweinstand; keine Kneipen und Restaurants, die nachts die Straßen mit ihrer Werbung erleuchten und durch deren große Fenster einladendes Licht auf die Bürgersteige fällt.

Neben der äußeren Dunkelheit gibt es auch die, die wir in uns spüren, die uns ganz anders ängstigt als dunkle Straßen und Plätze.

„Laß warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht“, schreibt Dietrich Bonhoeffer und meint damit eine ganz andere Art von Licht als das der Lampen, die wir einfach mit einem Schalter an- und ausknipsen können. Ich glaube, Bonhoeffer hatte auch ein anderes Licht vor Augen, als das der Kerzen, die heute in vielen Zimmern leuchten und duften.

Bonhoeffer spricht zu Gott. In seine Worte kleidet er die größere Bitte: Du, mein Gott, sei das Licht in meiner Dunkelheit. Dass Gottes Licht die Nacht durchbricht, ist die Botschaft von Weihnachten. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden, um uns in unseren Dunkelheiten nahe zu sein und sie zu verwandeln. Das Johannesevangelium überliefert Worte, in denen der erwachsene Jesus diese Botschaft mit sich selbst verbindet.

Er spricht: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Ein Trostwort und ein Versprechen, das vielen Menschen ans Herz gewachsen ist. Darauf bauen wir, sagen sie, gegen alle Dunkelheiten.

Oder mit den Worten Dietrich Bonhoeffers: Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Es gilt das gesprochene Wort.

27.12.2020
Marie Anne Subklew-Jeutner