Perspektive Ewigkeit

Perspektive Ewigkeit
mit Lissy Eichert aus Berlin
19.11.2022 - 23:35

Guten Abend.

Eines meiner Lieblingsbücher handelt von einem sterbenskranken Mann. Von Morrie. Und von dessen Freund Mitch. Der besucht ihn. Immer dienstags. Jede Woche. Die beiden reden über ganz Alltägliches, über den Sinn des Lebens und auch - über den Abschied. Oft ist es der totkranke Morrie, der seinen Freund aufmuntert. Und er erzählt ihm auch, wo er begraben werden möchte: auf einem Hügel unter einem Baum, mit Blick auf einen Teich.

Morrie hat diesen Ort bewusst ausgesucht. Es ist ein guter Platz zum Verweilen, damit Mitch ihn weiter, wie jeden Dienstag, besuchen kann und ihm von sich erzählt. Mitch versteht das nicht ganz: Warum soll er sich mit dem Freund unterhalten, ihm seine Pläne und Probleme anvertrauen, wenn der ihm ja doch nicht mehr antworten kann?

Morrie schließt die Augen und lächelt: „Ich will Dir was sagen. Wenn ich tot bin, redest Du. Und ich - werde zuhören.“

„Wenn ich tot bin, redest Du. Und ich werde zuhören.“

Niemand weiß, ob es das wirklich gibt, dieses Leben nach dem Tod. Aber die Sehnsucht danach, die gibt es. Und das Gespür: Mit dem Tod ist nicht alles aus. Morrie jedenfalls scheint das zu ahnen. Es wird anders sein, klar. Aber ihre Freundschaft wird bleiben. Irgendwie…

Im vergangenen Jahr ist meine Mutter gestorben. Ich stand an ihrem Bett, sah ihren toten Körper da liegen – und wusste:  Hier ist sie nicht. Sie ist in einer anderen Dimension. Angekommen bei Gott, bei der Quelle und Fülle des Lebens, an die sie immer geglaubt hat. 

Bei aller Trauer und allem Schmerz spürte ich tief in mir einen Trost: den Tröstergeist Gottes. Ja, ich bin mir sicher: Es gibt noch eine andere, eine himmlische Perspektive. Und der Abschied ist ein Abschied auf Zeit, bevor die Ewigkeit beginnt.

Ewigkeitssonntag - so bezeichnen viele den morgigen Sonntag.

Ewigkeit – was für ein schönes Wort! Ohne Anfang, ohne Ende - einfach so fließend schön…

Als Morrie gestorben war, besuchte Mitch ihn - wie verabredet - an seinem Grab auf dem Hügel unter dem Baum. Erzählte ihm vom Leben auf dieser Seite der Wirklichkeit. Ob er wohl gespürt hat, dass der Freund ihm zuhört?

Auch ich besuche meine Mutter an ihrem Grab. Und ich rede auch mit ihr. Manchmal habe ich sogar den Eindruck:  Sie antwortet mir. Wobei ich den größten Teil ihrer Antworten schon kenne. Andere aber sind neu, sind neue Impulse. Das erstaunt mich dann doch.

Ja, es gibt eine Verbundenheit über den Tod hinaus. Denn die Liebe ist stärker als der Tod. Deshalb beginnt die Ewigkeit auch schon: Jetzt. Für Morrie und Mitch, für meine Mutter und mich. Und: in der Verbundenheit mit dem ewigen Gott. 

Mit ihm rede ich am liebsten.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Ewigkeitssonntag.