Jesus, der am Kreuz hängt, soll Gottes Sohn sein? Das war für die alten Römer eine Riesen-Eselei. Wer daran glaubt, muss ein Esel sein. Stimmt! Aber aus einem anderen Grund, als die Römer dachten.
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Das Christentum ist eine Esels-Religion. So spotteten die alten Römer über die ersten Christen. Dass sie Christen mit Eseln in Verbindung brachten, lag vermutlich an Jesus von Nazareth selbst, der einen Esel geritten hat. Meistens ging Jesus zu Fuß, aber wenn er geritten kam, dann auf einem Esel.
Das sagt ziemlich viel über Jesus aus. Jesus erfüllte so eine Erwartung, die es schon in der hebräischen Bibel gibt. Beim Propheten Sacharja heißt es:
"Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, dem Sohn einer Eselin."
Und an den Esel schließt sich eine Vision vom Ende des Krieges und vom Frieden an:
"Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern." (Sacharja 9,9)
Jesus ritt als Friedensbringer und zu dem passt kein Streitross. Er benützte einen Esel, weil Esel im Krieg nicht verwendet werden.
So sehr Jesus den Esel schätzte, seine Zeitgenossen taten es nicht. Bei den alten Griechen galt der Esel als dummes und faules Tier. Klar, neben einem edlen Pferd macht er einen eher kümmerlichen Eindruck. Und die langen Ohren! Mag sein, dass der Esel keinen Schönheitswettbewerb gewinnt. Aber er ist nicht dumm, sondern hochintelligent und hat einen sehr eigenen Kopf. Die Redensart vom "störrischen Esel" basiert auf dieser Eigensinnigkeit.
Esel sind so intelligent, dass sie beschäftigt sein wollen, sonst langweilen sie sich und kommen auf "dumme" Gedanken. Sie stellen dann manche Eselei an. Aber das ist gerade kein Ausdruck ihrer Dummheit, sondern im Gegenteil, von ihrer Intelligenz.
Der Esel ist mit das älteste Haustier des Menschen. Das Pferd hat ihn aber an vielen Stellen verdrängt. Dass man den Esel vor allem als Packtier weiterverwendete, liegt an seiner Zähigkeit. Viel länger als ein Pferd kann ein Esel ohne Wasser und Nahrung auskommen.
Esel halten viel aus. Sie zeigen Schmerzen deutlich später an als Pferde, sind trittsicherer und viel vorsichtiger. Da Esel anders als Pferde schwindelfrei sind, waren und sind sie in unwirtlichem Gelände bevorzugtes Reit- und Lasttier. Anders als bei Pferden gibt es in einer Eselinnenherde keine Leitstute. Jede Eselin entscheidet selbst. Männliche Esel sowieso, denn sie leben erst gar nicht in einer Herde.
Jesus wählte den Esel. Die Römer verspotteten das Christentum als Eselsreligion. Die älteste Darstellung des gekreuzigten Jesus stammt aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Es ist ein in Stein geritztes Spottbild. Es zeigt Jesus am Kreuz mit einem Eselskopf.
Einer, der am Kreuz hängt und verreckt, soll Gottes Sohn sein? Darin konnten die Römer nur eine Rieseneselei sehen. Jede Christin und jeder Christ waren deshalb selbst dumme Esel.
Wenn man jedoch weiß, wie Esel wirklich sind, ist es eher ein Kompliment als eine Beleidigung. Christen als Esel zu bezeichnen, heißt, sie sind friedliebend und freundlich, geduldig und intelligent, genügsam und ausdauernd, trittsicher und kreativ. Und sie können die Lasten anderer tragen. Jede dieser Eigenschaften sind nützlich, um gut mit anderen auszukommen und das Leben anzupacken.
Ich weiß, da ist bei mir selbst und vielen meiner Glaubensgeschwister noch Luft nach oben. Es lohnt, sich das Reittier Jesu zum Vorbild zu nehmen: den Esel.
Es gilt das gesprochene Wort.
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