Wenn die Weihnachtsfeiertage wieder mal nicht so laufen, wie wir es uns vorstellen, gibt Pfarrer Benedikt Welter die Zusage: Weihnachten hat Zeit. Denn die offizielle Weihnachtszeit ist noch lange nicht rum, sie geht in diesem Jahr bis zum 11. Januar, in vielen Kirchen ist es sogar üblich bis 02. Februar die Weihnachtskrippe stehen zu lassen. Das entlastet, findet Benedikt Welter, denn das heißt auch: Es ist noch genug Zeit für ein gutes Wort, ein richtig gutes Geschenk oder die Gemeinschaft, die an den Feiertagen nicht so geklappt hat, wie wir es uns vorgestellt haben.
Ab 17 Uhr vor der Sendung können Sie an dieser Stelle den Sendetext lesen.
Einen guten späten Weihnachtsabend, verehrte Zuschauerinnen und Zuschauer.
"Wenn die anderen am Ende sind, dann fangen wir erst an", singt die Band Silbermond. Das Lied passt für mich gut zu Weihnachten. Wenn die anderen am Ende sind, dann fangen wir erst an: Heute hat wohl schon der ein und andere Weihnachtsbaum seinen Flug aus dem Fenster angetreten– frei nach dem Motto einer schwedischen Möbelkette; freundliche Verkäuferinnen und Verkäufer haben sich über das Umtauschgeschäft gefreut; im einen ebbt der Ärger über das misslungene Geschenk vom Heiligen Abend allmählich ab; die andere schiebt den Missmut beiseite über den Streit, der völlig unnötig am ersten Weihnachtstag bei Festessen entbrannt war. Viele Menschen erwarten und erhoffen sich ein schönes Weihnachtsfest. Aber wer alle Erwartung auf den Heiligen Abend und die beiden gesetzlichen Feiertage konzentriert, überfordert die Feiertage und sich selbst.
Da ist es doch gut, dass am Heiligen Abend die Weihnachtszeit erst begonnen hat – und dass sie über den zweiten Weihnachtstag hinaus reicht. Da ist also noch viel Zeit, um das gesuchte gute Wort zu finden, das mir am Heiligen Abend gefehlt hat. Da ist also noch viel Zeit, um den oder die an den Tisch zu bitten, die am Weihnachtstag erkrankt waren. Da ist also noch viel Zeit, um ein richtig gutes Geschenk zu finden.
In der Weihnachtszeit seit den großen Festtagen lesen wir in den Gottesdiensten meiner Kirche alle Jahre wieder ein Stück aus einem Brief in der Bibel. Es ist der erste Brief des Johannes, den viele auch den Lieblingsjünger von Jesus nennen. Diesen Brief finde ich wie einen Beipackzettel zum Weihnachtsfest. Da kann ich lesen: Weihnachten hat Konsequenzen.
"Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht", ist einer der starken Sätze in diesem Brief. Weihnachten hat das Unsichtbare zum Sichtbaren gemacht. Wenn ich in die Krippe schaue, schaut das Christkind zuerst mich an: und zwar liebevoll. Und dieser allererste Blick auf mich hilft mir, genauso auch auf andere Menschen zu schauen: liebevoll. Für den Johannes-Brief ist das der Lackmustest, ob ich wirklich glaube: wenn ich fähig bin, auch zu lieben.
Das braucht Zeit. "Wenn die anderen am Ende sind, dann fangen wir erst an." Die Weihnachtszeit gibt mir Zeit, anzufangen, weiterzufeiern weiter zu lieben und damit nicht schon am 2. Weihnachtsfeiertag am Ende zu sein. Zuzulassen, dass – wie Johannes schreibt – Gott mich zuerst geliebt hat. Und dass Gott die Liebe ist.
Dieses Jahr geht Weihnachten nach dem offiziellen Kalender bis zum 11. Januar; in vielen Kirchen sind die Weihnachts-Krippen aber noch bis zum 2. Februar zu sehen. Eine gute Zeit, um den Beipackzettel zu Weihnachten wirken zu lassen. Um fähig zu werden, wie Gott lieben zu können; auch für den Rest des Jahres.
Ich wünsche Ihnen anhaltend gesegnete Weihnachtstage und –nächte.
Katholische Rundfunkbeauftragte für Das Wort zum Sonntag für den SR und DR
Luisa Maurer, Bistum Trier
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