Unmögliche Wünsche
Sonntags nach den Tagesthemen im Ersten
20.12.2025 23:00

Was Kinder sich wünschen, schreiben sie hunderttausendfach an die Weihnachtspostämter. Aktuell an der Spitze: Handwerkliches oder etwas zum Basteln. Aber auch zum Weltgeschehen, etwa dass die Kriege aufhören. Pfarrer Alexander Höner spricht über den Zauber von Wünschen und warum sich auch Erwachsene nicht von Wünschen verabschieden sollten. Denn manchmal wird schier Unmögliches wahr.

 

Sendetext lesen:

Guten Abend zu später Stunde!

Vier Mal werden wir noch wach, dann ist es so weit. Was gehört für Sie unbedingt zu Weihnachten? Vielleicht die Lieder der Kindheit? Der Kerzenschein? Der Tannenbaum? Für mich sind es vor allem die Wünsche. Als Kind habe ich immer lange Wunschlisten geschrieben, viel zu lang. Ich hab’s geliebt, dazusitzen und mir auszumalen, was ich alles gerne hätte. Es standen auch Sachen drauf, von denen ich ahnte, dass es nichts wird. Aber wünschen kann man sich ja schließlich alles. Das war meine Devise. Was wirklich wahr wird ... 

Auf den Wunschlisten der Kinder an die Weihnachtspostämter stehen dieses Jahr Bastelsachen ganz oben und natürlich auch, dass alle in Frieden leben sollen. Das wünsche ich mir von Herzen auch. Trotz der komplizierten Weltlage.

Ist das naiv? Ja, auf der einen Seite schon, weil Menschen nun mal so sind, wie sie sind. Aber auf der anderen Seite ist Weihnachten auch Zeit für die großen Wünsche. Weil damals in Bethlehem auch das Unmögliche möglich geworden ist. Die große Lebens- und Liebesmacht Gott kommt als Kind in unsere zerbrechliche Welt. Tiere, Hirten, Könige stehen zusammen und verbringen gemeinsam den Abend. Und ein heller Stern gießt Glanz über diesen wundersamen Moment.

Und mit diesem geheimnisvollen Glanz beginnt etwas, was ansonsten für unmöglich gehalten wird. Dass Menschen anders miteinander umgehen als sonst. Dass plötzlich eine Umarmung passiert, auch wenn man sich jahrelang nichts zu sagen hatte. Dass durch eine spontane Einladung die stille Nachbarin von oben mit am Tisch sitzt und so schön davon erzählt, was das Verrückteste war, das sie in ihrem Leben gemacht hat.

Zeit für die großen Wünsche: Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass niemand erschossen wird. Nicht in den Kriegsgebieten dieser Welt und auch nicht auf unseren Weihnachtsmärkten hier. Dass keiner sein kostbares Leben verliert, weil irgendjemand denkt, er müsse seine Stärke oder die Stärke seines Landes, seiner Religion oder seiner Überzeugung beweisen – mit einem Sprengsatz, Maschinengewehr oder LKW.

Ich wünsche mir, dass wir aufhören, in allen Lebensbereichen immer stärker sein zu wollen und unser Leben auf den Schultern von anderen leben. Solange wir in so vielen Bereichen das rücksichtslose Siegen auf abstruse Weise belohnen, solange wir nicht alles gerecht verteilen, werden weiter unnötig Menschen sterben.

Ich wünsche mir, dass wir aufhören können zu siegen. Und wenn’s einmal zu Weihnachten klappt, warum sollte es nicht auch immer klappen? Ich jedenfalls werde nicht aufhören, mir das zu wünschen.

Friedvolle und gesegnete Weihnachten.