Das Geheimnis der 13 Wünsche
mit Pfarrer Alexander Höner Berlin
07.01.2023 22:50

Guten Abend, meine Damen und Herren!

Vor genau einer Woche in der Silvesternacht habe ich mich auf einen alten Volksbrauch eingelassen! Wir standen draußen an der Feuerschale und eine Freundin erzählte von den so genannten zwölf Raunächten. Das sind die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Drei-Königstag. Sie markieren die dunkelste Zeit im Jahr und es gibt schöne Rituale sie zu begehen. Manche stellen in diesen Nächten eine Kerze ins Fenster oder nutzen die Abende als Zäsur zwischen den Jahren.

Wir stehen also in der Silvesternacht am Lagerfeuer,

(Ransprung)

die Freundin erzählt uns von den Raunächten und lädt uns ein: „Schreibt 13 Wünsche für das neue Jahr auf 13 Zettel, zieht irgendeinen blind heraus. Die zwölf anderen werft ihr  ins Feuer. Um den Wunsch, den ihr in der Hand behaltet, müsst ihr euch selber kümmern.“ Die restlichen - meinte sie - würden  sowieso in Erfüllung gehen.

13 Wünsche – klingt einfach, aber die muss man erst einmal zusammen kriegen. Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich mir immer mehr oder weniger von etwas wünsche: „Mehr Frieden.“ - „Weniger Naturzerstörung.“ – „Mehr mit meinen zwei besten Kumpels treffen.“ - „Weniger am Handy rumdaddeln.“ Mehr, mehr mehr oder weniger, weniger. Was für ein Druck! Warum habe ich mir nicht gewünscht, dass etwas so schön bleibt, wie es schon ist. Zum Beispiel Schlagzeugspielen bei der Bandprobe jeden Donnerstagabend. Ja warum?

(Rücksprung)

Vielleicht, weil ich wie viele merke, dass sich etwas grundlegend ändern muss. The earth is on fire – die Erde brennt!

Aber gleichzeitig merke ich bei mir selbst, dass ich mich danach sehne, dass in meinem Leben etwas bleibt, etwas konstant ist, was beim Jahreswechsel nicht verschwindet. „Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat.“ (Ps 103) heißt es in einem Gebet in der Bibel. Ja, genau, das Gute soll bleiben. Das, was mir und anderen gut tut.

Was können wir tun?

(Ransprung)

Das Gute bewahren und das Zerstörerische beenden. Klingt ganz einfach - in der konkreten Umsetzung sauschwer.

Und deshalb finde ich die 13 Wünsche in den Raunächten gut. Natürlich ist es Quatsch  zu behaupten: „Verbrenne zwölf Wünsche, die werden sich von allein erfüllen!“ Aber: Ich habe etwas gelernt, etwas, was mich enorm entlastet: „Mit meinem einzelnen übriggebliebenen Wunsch habe ich schon genug zu tun. Bei den zwölf anderen Wünschen vertraue ich auf Gott - und meine Mitmenschen - sie werden mitmachen.“ (Psalm 37,5) Ich muss die Welt und mein Leben nicht allein retten. Meine eigene Kraft fokussiere ich auf den letzten Wunsch.

(Rücksprung)

Wenn das alle tun würden, wären weniger erschöpft und Zuversicht würde wachsen. Würde viel Gutes bleiben und viel Zerstörerisches verschwinden. Ich freue mich auf 2023! Übrigens war mein 13. Wunsch, dass ich nicht so viel grübeln will. In diesem Sinn:

Haben Sie eine gute Nacht.

Sendeort und Mitwirkende

Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)

Redaktion: Ulrike Bieritz