epd-bild / Christian Ditsch
Jamlitz. Ein Dorf in Brandenburg. Viel Wald, Fachwerkhäuser. Kaum etwas erinnert daran: Hier war ein KZ der Nazis. Die Sowjets machten es danach zu ihrem Internierungslager. Wie gedenkt man der Schichten von Geschichte?
Jamlitz und das lange Schweigen
Ein ehemaliges KZ und die Frage, wer erinnert
27.09.2026 07:05

Jamlitz. Ein Dorf in Brandenburg. Viel Wald, Fachwerkhäuser. Kaum etwas erinnert daran: Hier war ein KZ der Nazis. Die Sowjets machten es danach zu ihrem Internierungslager. Wie gedenkt man der Schichten von Geschichte?

Sendetext:

Um den Bahnhof herum ist Supernatur.
Sehr, sehr gruselig hier.

Das ist ein schöner Wald, wo man gerne durchgeht morgens mit dem Hund.
Beängstigend.

Man sich einfach freut, dass es so was noch gibt.
Weil es so still tot eigentlich hier ist.

Wie viel habt ihr wieder umgelegt hier nachts? Die Schnauzen, die dummen  Säcke. Was kriegst du jetzt aufs Maul hier? (1)

Weil man darüber nicht reden wollte und nicht durfte. Das, das, sag ich auch hier. Also hat man das andere auch verschwiegen.

Stimmen aus einem kleinen Dorf in Brandenburg, wo lange das Schweigen wohnte. An einem Sommerwochenende mache ich einen Ausflug dorthin. Es geht in den Süden Brandenburgs, durch die endlosen Landstraßen, vorbei an Alleen. Immer dichter wird der Wald. Sattes Grün zieht an meinem Fenster vorbei. Ich bin auf dem Weg zu einem Erinnerungsort, einer Dokumentationsstätte. Mein Ziel ist Jamlitz, ein kleines Dorf im Oberspreewald. Ich bin noch gar nicht dort, aber schon wird mir unbehaglich.

Pfarrer Tilmann Kuhn:
Jamlitz hatte einen berüchtigten Namen aus der Zeit der ersten Jahre nach Kriegsende, weil dort ein sowjetisches Speziallager errichtet war bzw. genutzt wurde. Errichtet haben es nämlich schon die Nationalsozialisten und haben dort ein Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen eingerichtet, ursprünglich um da einen SS-Truppenübungsplatz zu etablieren. Und davon war aber nichts mehr zu sehen. Es war nur die Nachricht, dass das gewesen ist.

Pfarrer Tilmann Kuhn kam Anfang der 1990er Jahre nach Lieberose. Zu seinem Gemeindebereich gehörte auch das Dorf Jamlitz. Er fand nur eine kleine Gedenkstätte aus DDR-Zeiten vor in Lieberose, dem Nachbarort, und wunderte sich, denn sie war an einer Stelle platziert, wo ursprünglich gar kein Lager war.

Pfarrer Tilmann Kuhn:
Darüber durfte in der DDR gar nicht geredet werden. Und die da Insassen gewesen sind und dann später entlassen wurden, mussten alle unterschreiben, dass sie schweigen über die Geschichte dieses (Lagers), in dem sie selber gesessen haben. Und dieses Schweigen hat sich eigentlich fortgesetzt. Es war nur untergründig von manchen zu hören, da war ja auch ein Sowjetisches Speziallager.

Das Lager in Jamlitz gehörte also zu einem Konzentrationslager der Nationalsozialisten, danach ein Sowjetisches Speziallager. Zwei Unrechts-Geschichten übereinander. Und über beide wurde kaum gesprochen. Wer erinnert an einen Ort, über den so lange geschwiegen wurde? Wer entscheidet, welche Geschichte sichtbar wird – und welche im Verborgenen bleibt?

Angekommen in Jamlitz sehe ich Fachwerkhäuser, die den Ortseingang säumen. Wohnhäuser aneinandergereiht. Ich biege ab in eine unscheinbare Wohnsiedlung. Am Anfang der Straße steht eine große Glastafel. Hier war er also. Der Eingang zum Lager, mit Tor und Eingangsstein. Darauf eingemeißelt: "1944" und "Arbeitslager Lieberose".

Ich laufe die Siedlung hinauf. Häuser mit Gärten. Menschen, die darin arbeiten. Grüne Büsche und Obstbäume ragen über die Zäune. Ein paar Schritte weiter steht die nächste Tafel. Darauf: "Der Standort dieser Tafel markiert die Stelle, wo sich der Eingang zum KZ-Außenlager befand." Wir sind mitten drin. Im ehemaligen Lagergelände.

Tag meiner Ankunft in Lieberose. Jamlitz, April 1944. Bäume, märkische Kiefern, Buschgrün, Vogelstimmen. Keine schweigende Mauer im Rund. An ihrer Stelle nur Stacheldraht, der den Blick auf weiteres Grün zuließ. Um Mitternacht schien durchs offene Fenster der Mond. Ich aß das Brot, das der Tote nicht mehr hatte essen können. Im Sinnen hing mir ein Goethe Vers: Füllest wieder Busch und Tal Still mit Nebelglanz, Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz.

Wie an vielen Erinnerungsorten und Dokumentationsstätten ist von der ursprünglichen Architektur kaum noch etwas zu sehen. Nichts von den Gebäuden und auch nichts von der Struktur der Lager. Auch hier in Lieberose nicht. Die Baracken wurden abgerissen. Nachdem die sowjetischen Besatzungstruppen das Lagergelände freigegeben hatten, entstanden hier Häuser. Nur die Hauptstraße ist noch dieselbe. Einfamilienhäuser mit Holzzäunen umrandet. Grün ist es. Ruhig. Nichts zeugt von dem, was hier geschehen ist.

Heute stehen hier Häuser. Damals Baracken. Wo jetzt Gärten sind, war das Gelände des KZ-Außenlagers Lieberose. Ich laufe auf einen eingezäunten Bereich zu. Der Gedenkort ist geteilt. Auf der einen Seite stehen die Gedenkstelen für die Opfer des KZ-Außenlagers, auf der anderen, jenseits der Straße, die Stelen für die Opfer des sowjetischen Speziallagers.

Im November 1943 kommen die ersten Häftlinge aus Sachsenhausen nach Jamlitz. Sie sollen ein Lager errichten – im Kiefernwald, nahe dem Bahnhof. Sechs Baracken, Küche, Krankenrevier, Wachtürme, Stacheldraht. Einen Winter lang bauen die Häftlinge das Lager, in dem sie selbst gefangen sein werden.

Da kamen sie dann an, abends von der Arbeit, und dann sind sie so Schlitten aus so ein paar Kanthölzer oder Bretter zusammenhauen. Und da lagen sie dann druff, die Toten. Und dann sind sie mit die durchs Dorf gezottelt und dann hier rauf ins Lager.

Wir Brüder saßen oft auf dem Zaun und haben zugeguckt, wenn sie heimkamen von der Arbeit. Das war so ein schlürfender Gang. Was sich mir sehr eingeprägt hat, das war der Geruch. Das ist ganz eigenartig, wenn Menschen Hunger haben, Angst haben.  

Abgang Tote, jeden Monat ungefähr 400.  

Andreas Weigel:
Also in dem KZ Außenlager waren, wir können endgültige Zahlen nicht sagen, aber um die 90-95 % der Insassen waren Juden aus ganz Europa. Aus allen Ländern, die Deutschland besetzt hat, einschließlich der Sowjetunion, mit Schwerpunkt auf polnischen und ungarischen Juden, die die größten Gruppen bildeten. Das charakterisiert die Häftlingsgesellschaft, aber eben auch das Vorgehen der Nazis, die Juden nicht für lebenswert hielten und sie durch Arbeit töteten oder durch alle möglichen Arten des Verhungerns und der Tötung.

Andreas Weigelt ist in Lieberose geboren. Nach einem Geschichtsstudium an der Humboldt-Universität in Berlin kehrte er nach der Wende in seine Heimat zurück. Seit den 1990er Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte des Lagers. Er hat darüber promoviert und zahlreiche ehemalige Häftlinge interviewt. Gemeinsam mit Pfarrer Tilmann Kuhn hat er sich dafür eingesetzt, auch die Geschichte des sowjetischen Speziallagers aufzuarbeiten. Das Schweigen zu brechen, das diese Geschichte über Jahrzehnte umgab, wurde zur gemeinsamen Aufgabe.

Denn 1945, unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, beginnt in Jamlitz eine zweite Lagergeschichte. In den noch vorhandenen Baracken richtet die sowjetische Besatzungsmacht das Speziallager Nr. 6 ein. Etwa 10.300 Menschen werden hier bis 1947 interniert. Darunter sind als Nationalsozialisten eingestufte Männer und Frauen, aber auch Jugendliche und politische Gegner. Verhaftungen erfolgten aufgrund von Ermittlungen, Denunziationen oder willkürlich. Ein Gerichtsurteil gibt es nicht. Etwa ein Drittel der Gefangenen stirbt. 

So lese ich auf einer der Stelen. Ich stehe auf einem Feld, dort, wo einst die Lager waren. Zwei Lager, unterschiedliche Geschichten, verschiedene Opfergruppen.

Um mich herum ist es still. Nur Vögel und Insekten begleiten mich an diesem Sommertag. Sie summen und brummen, als wäre hier nie etwas geschehen. Für sie ist dieser Ort ein Stück Natur. Für mich fühlt sich die Geschichte plötzlich ganz nah an. 

Ich gehe weiter zum Gedenkort für die Opfer des KZ-Außenlagers Lieberose. Hier wurden im Februar 1945 über tausend überwiegend jüdische Häftlinge ermordet. Alles auf dem Gelände unmittelbar vor mir. Im Rundweg stehen heute hohe Steine. Auf jedem steht etwas darüber, was hier geschah. Namen, Erinnerungen, Geschichten. Täter, Opfer, Menschen aus Jamlitz. Einer liegt etwas abseits, im Schatten. Auf ihm liegen viele kleine Steine. Steine auf Gräbern – ein Brauch, der im Judentum verbreitet ist. Ein Zeichen: Ich war hier. Ich denke an dich. An euch.
Nur ist hier kein Grab. Jedenfalls kein Grab, das als solches markiert ist. Und trotzdem ist dies ein Ort des Todes. Ich denke an ein jüdisches Gebet für die Toten. An die Bitte, dass Gott voller Erbarmen ihre Seelen aufnehme, ihnen eine Ruhestätte gebe und sie unter seinen Flügeln berge. Dass die Ermordeten nicht vergessen sind und ihre Seelen im Band des ewigen Lebens bewahrt bleiben.
אֵל מָלֵא רַחֲמִים – Hören wir es:

(Arielle Korman – El Maleh Rachamim)

Schon im September 1945 wurde das ehemalige KZ baulich erweitert und als sowjetisches Speziallager Nr. 6 genutzt. Bretterzäune schirmten es ab, sodass kein Blick von außen in das Innere dringen konnte. Maximale Häftlingszahl 10.247. Höchster Tagesstand 7639.

Na ja, da habe ich weniger gesehen wie beim KZ. 

Da hat keener was mitgekriegt. 

Weil ein Bretterzaun kam. Das war ziemlich zu. 

Das war nüscht. Ham se dicht gemacht. Da kam keener durch.  

Vorne waren Barracken an der Straße und dann war so ein Torbogen mit Sowjet-Stern, sehr farbig. Und was sich dahinter abgespielt hat, weiß ich nicht.


Ich gehe weiter über das ehemalige Lagergelände. Vor mir stehen die Häuser der Siedlung, hinter mir die Stelen. Die Normalität dieser Szenerie kommt mir schrecklich banal vor. Wer erinnert? Das ist eine Frage, die mich umtreibt.

Wer erinnert? Das ist eine machtvolle Frage. Denn wer erinnert und wie erinnert wird, entscheidet darüber, welche Geschichten sichtbar bleiben – und welche lange im Verborgenen liegen. Über Jahrzehnte wurde an diesem Ort erinnert – aber nicht an alles. Die DDR setzte andere Schwerpunkte, manches wurde verschwiegen. Heute stehen in Jamlitz zwei Lagergeschichten nebeneinander. Aber wer trägt diese Erinnerung weiter, wenn die Menschen, die sie selbst erlebt haben, nicht mehr da sind? Diese Frage hat vor 30 Jahren auch die Leute im Ort beschäftigt. Pfarrer Kuhn erinnert sich:

Klar war, dass, wenn man sich daran macht, dass man alle Opfer, Verbände oder Gruppen berücksichtigen muss. Und das betrifft als Vertreter der jüdischen Opfer des Nationalsozialistischen Lagers den Zentralrat der Juden und in der Opferperspektive die ehemaligen Insassen des sowjetischen Speziallagers, diese Gruppe der ehemaligen Insassen. Dazu kam dann im Grunde genommen noch das Interesse der dort heute Lebenden. Und diese drei Ebenen waren eigentlich unvereinbar. Und da haben wir als Kirchengemeinde gesagt, wenn hier niemand die an einen Tisch bringen kann, dann sind wir als Kirchengemeinde vor Ort immerhin gut genug, um so einen quasi runden Tisch zu führen und einzuladen und gesprächsweise zu erarbeiten, wie können wir im Grunde genommen dieser mehrschichtigen historischen Lage gerecht werden. 

Andreas Weigel:
Als klar war, dass das Land und auch der Bund den Gedenkort in Jamlitz sehen und dort eine Gedenkstätte schaffen wollten, hat die Kirchengemeinde die Trägerschaft 1999 übernommen für die Schaffung einer Gedenkstätte in Jamlitz, was beinhaltete die Forschung, Dokumentation, Gedenkveranstaltungen, aber auch die Schaffung eines Platzes, der von jedermann besuchbar ist, was es dort nicht gab. 

Das komplizierte Gedenken an einem Ort mit mehrschichtigen Überlagerungen ist sicher kein Einzelfall. Aber in Jamlitz werden diese Schichten besonders sichtbar. Die Frage, wer erinnert, ist damit noch lange nicht beantwortet. Sie stellt sich kontinuierlich. 

Ich bin gekommen, um mir diesen Ort anzusehen. Um etwas über seine Geschichte zu erfahren. Aber je länger ich hier bin, desto mehr frage ich mich: Was bleibt von einem Ort wie diesem, wenn diejenigen, die ihn erlebt haben, nicht mehr erzählen können? Wer erzählt ihre Geschichten weiter? Und was bedeutet es, sich heute – Jahrzehnte später – an einem solchen Ort zu erinnern? Erinnerung und Gedenken sind kein abgeschlossener Zustand. Sie sind ein Prozess – mit offenen Fragen, mit Widersprüchen und mit der Aufgabe, immer wieder neu hinzusehen.

Ein letzter Halt erwartet mich noch. Der jüdische Friedhof liegt versteckt, unweit des ehemaligen Lagergeländes. Von der Straße aus ist er kaum zu erkennen. Ein schmaler Weg führt durch den Wald. Dann öffnet sich der Blick auf eine kleine Straße der Erinnerung. Hier ruhen die sterblichen Überreste von 589 Menschen. Menschen, die im Lager ermordet wurden und deren Grab lange Zeit nicht gekennzeichnet war. Auf einer Stele steht ein Satz aus der Bibel, aus dem Buch Hiob:

"Erde, bedecke nicht ihr Blut." (2)

Hier geht es nicht nur darum, an die Toten zu erinnern. Es geht auch darum, ihr Leid nicht verschwinden zu lassen. Es sichtbar zu halten. Davon zu erzählen, dass dieses Blut vergossen wurde. Darunter steht die hebräische Abkürzung

(תנצב״ה)  für: תהא נפשו (או נשמתו) צרורה בצרור החיים 

Mögen ihre Seelen eingebunden sein in das Bündel des ewigen Lebens. (3/4)

Ein Satz, der in der jüdischen Erinnerung an Verstorbene bis heute seinen Platz hat. Dass ihre Namen, ihre Seelen, ihre Geschichten bewahrt werden.

Auf einer weiteren Stele entdecke ich ein kleines Medaillon. Es sieht alt aus, die Oberfläche ist beschädigt. Es wurde bei Ausgrabungen im Massengrab gefunden. Auf seiner Vorderseite stehen hebräische Worte, auf Deutsch übersetzt:

שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהוָה אֱלֹהֵינוּ יְהוָה אֶחָד
Höre, Israel. Der Ewige ist unser Gott. Der Ewige ist einzig. (5)

Das jüdische Glaubensbekenntnis schlechthin aus der Heiligen Schrift, ein Stück jüdischer Identität. Dieses kleine Medaillon gehörte einmal einem Menschen. Ergänzt wird die Inschrift durch Worte aus Psalm 72: "Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich."

Dass er dieses Medaillon bei sich trug und es ihn bis in den Tod begleitet hat, gibt dem kleinen Gegenstand eine besondere Bedeutung. Wir wissen nicht, was er in seinen letzten Stunden empfunden hat. Aber dieses Bekenntnis war bei ihm – ein Stück seiner Identität, das selbst unter den Bedingungen von Verfolgung und Vernichtung bei ihm blieb. War es Trost? Vielleicht Hoffnung? Oder die Verbindung zum Ewigen? Was geblieben ist, sind die Worte seines Glaubens.

Was bleibt? Nur die Orte selbst? Die Namen. Die Dokumente. Ein kleines Medaillon, das jemand bei sich trug. Erinnern braucht Menschen, die bewahren, erzählen und weitergeben. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann beschreibt dieses Weitergeben als kulturelles Gedächtnis. Erinnerungen können über die Lebenszeit eines Menschen hinaus bestehen – wenn es Institutionen, Orte und Formen gibt, die sie bewahren. Gedenkstätten sind solche Orte. Aber auch Menschen und Gemeinschaften, die sich ihrer Geschichte annehmen.

In Jamlitz war es in den 1990er Jahren die evangelische Kirchengemeinde, die diese Aufgabe übernahm. Pfarrer Tilmann Kuhn und der Historiker Andreas Weigelt wollten dafür sorgen, dass die Geschichte dieses Ortes nicht länger nur aus einer Perspektive erzählt wird. Die Kirchengemeinde brachte unterschiedliche Gruppen an einen Tisch: Vertreter jüdischer Opfer, ehemalige Insassen des sowjetischen Speziallagers und die Menschen, die heute in Jamlitz leben.

Für Pfarrer Tilmann Kuhn war diese Arbeit auch eine Frage der eigenen Verantwortung.

Pfarrer Tilmann Kuhn:
...mit dieser Jamlitz-Geschichte will ich mir den Stolz einfach nicht aufkommen lassen. Es ist nicht mein Leiden und damit ist es eigentlich auch nicht meine unmittelbare Geschichte. Aber es ist meine Verantwortung, mit dieser Geschichte umzugehen. Vielleicht konnte ich dazu bisschen beitragen.

Nicht mein Leiden. Aber meine Verantwortung. Dieser Satz verändert auch meinen Blick auf den Ort. Ich bin nicht gekommen, weil Jamlitz meine Geschichte ist. Ich bin gekommen, um einen Ort der Vergangenheit zu sehen, dessen Geschichte bis heute nachwirkt, nicht vergessen werden soll. (ab hier Musik unterlegen) Jamlitz und seine Häuser verschwinden hinter den Bäumen. Der Ort wird kleiner. Die Frage darf bleiben: Wer erinnert?


Es gilt das gesprochene Wort.


Musik dieser Sendung:
1. Niki Reiser, Liebesthema
2. Arielle Korman – El Maleh Rachamim
3. Erik Satie, Galina Chistyakova – Gnossienne No. 1 
4. Dormiton Abbey Choir – Shema Isreal 
5. Antonio Vivaldi Variation, Arr. for Piano from Concerto for Strings in g-Minor 

Literatur und Quellen dieser Sendung:

1. Ausschnitte aus: Kai-Uwe Kohlschmidt / Andreas Weigelt, Im Wald und auf der Heide. Die Schicksale des Dorfes Jamlitz, Audioweg Jamlitz, Produktion KARUNA e. V. 2014, Neuauflage 2022, https://audioweg-jamlitz.de/ (Letzter Abruf: 15.09.2026).
2. 
Hiob 16,18
3. 
Die Abkürzung steht für den Bibelvers 1.Samuel 25,29.
4. 1
. Samuel 25,29 in: Die Heilige Schrift. Nach der Übersetzung von Moses Mendelssohn (oder Zunz, Tur-Sinai, Luther 2017 etc.).
5. 
5.Mose 6,4