Der Segen der Tiere
Samstags nach den Tagesthemen im Ersten
26.07.2025 23:35

Die christliche Hoffnung gilt auch den Hunden und Katzen und auch den Legebatterie-Hennen und den Rindern, die ihr Leben auf Spaltboden aus Beton verbringen. Gott rettet in der Arche Noah die Tiere ganz genauso und gleichwertig wie die Menschen!

Samstags ab 17 Uhr können Sie an dieser Stelle den Sendetext lesen.

 

Guten Abend,
heute habe ich Begleitung dabei. Das ist Asta, unsere Hündin. Sie weiß noch nicht genau, wie sie das hier alles findet, aber sie bleibt hier – weil ich hier bin. Sie ist absolut loyal. Ein echter Familienhund: treu und anhänglich.

Warum bringe ich meinen Hund mit ins Wort zum Sonntag?
In mehr als 50 % der Haushalte in Deutschland lebt ein Haustier. Ich als Hundehalterin versteh das gut. Da ist ein Lebewesen, das sich immer freut, wenn ich nach Hause komme. Das ganze Tier wackelt. Und diese Augen! Und sie liegt auf ihrer Decke, und die Kinder und Teenies können sich ran kuscheln, wenn alles andere nur noch blöd ist. Das Haustier ist für viele Menschen Seelentröster, Lebensbegleiter und Familienmitglied. Das ist bei uns nicht anders. 

Als Krankenhausseelsorgerin habe ich schon einige Male geholfen, Tiere zu sterbenden Menschen auf die Palliativstation zu bringen – weil es für sie so wichtig war, von ihrem Hund oder ihrer Katze Abschied zu nehmen. Da habe ich echt anrührende Szenen erlebt. Natürlich ist ein Haustier kein Mensch, aber die Beziehung zum Tier kann genauso innig sein. 

Ich weiß aus der Seelsorge, dass für manche Menschen ihre Tiere die einzigen Gesprächspartner sind - und die, die alles verzeihen, auch wenn man im Leben sonst ziemlich viel Mist gebaut hat. Und ich kenne Menschen, die stecken in der Depression und kämpfen mit der Strukturlosigkeit ihres Alltags. Für die ist das Tier, um das sie sich kümmern müssen, eine echte Rettung. Ein Segen. 

Ich erinnere mich noch gut an einen alten Herrn, den ich beerdigt habe, der jahrelang die Asche seines Schäferhundes aufbewahrt hat, weil für ihn klar war: die wird ihm nach seinem Tod mitgegeben. Das war damals noch unerhört. Heute gibt es in der Stadt, in der ich lebe, Tierbeisetzungen auf dem Friedhof. Ich finde das wichtig. Die Trauer um ein Haustier ist oft riesengroß, und sie braucht Rituale und einen Ort, wie andere Trauer auch. Ich kann mir auch vorstellen, als Pfarrerin Worte bei einem Abschiedsritual für ein Tier zu sprechen. Warum denn nicht? Wenn wir Christinnen und Christen auf die Erlösung unserer Schöpfung hoffen, ist doch die Tierwelt mitgemeint! Dann gilt eine christliche Hoffnung auch den Hunden und Katzen, und allem Getier, das in Noahs Arche gerettet wurde. Ach ja, und auch den Legebatterie-Hennen und den Rindern, die ihr Leben auf Spaltboden aus Beton verbringen. Das sollte man sich merken, finde ich:

Gott rettet in der Arche die Tiere ganz genauso und gleichwertig wie die Menschen! 

Apropos:
Letzte Woche habe ich im Radio Verkehrsnachrichten gehört: Achtung auf der A 57, nach einem Unfall laufen 600 Schweine auf der Fahrbahn. Der Moderator lachte. Ich fand das nicht witzig. 600 Schweine. Die waren vorher in einem Lastwagen. Wie soll das gehen. 600 von solchen Tieren, da würde es einen Aufschrei geben! Aber Nutztiere… Tja. Da wird gerne mit zweierlei Maß gemessen – große Liebe fürs Haustier, aber beim Nutztier ist es damit vorbei. 

Nächste Woche Samstag feiere ich in unserer Kirche einen Tiersegnungsgottesdienst. Asta, du bist dabei und hoffentlich noch viele andere Tiere. Das wird spannend. Im Gottesdienst wird’s um Dankbarkeit gehen: Dass wir Menschen nicht allein auf der Welt sind. Dass da viele wunderbare Mitgeschöpfe sind, die alle ihren Platz und ihre Aufgabe in der Schöpfung haben. Und es wird auch um Kritik gehen: dass wir uns mit unserer Nutzbarmachung von Tieren schuldig machen. Und dann wird‘s Segen geben: für Tier und Mensch, für ihr Zusammenleben und ihr Wohlergehen. 

Ich wünsche Ihnen, also wir wünschen Ihnen einen gesegneten Sonntag.