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Was haben Weihnachtsmarkt, Glühwein und gebrannte Mandeln mit Jesus Christus zu tun?
Jesus auf dem Weihnachtsmarkt
Hoffnung zwischen Düften, Lichtern und Leckereien
02.12.2025 06:35

Was haben Weihnachtsmarkt, Glühwein und gebrannte Mandeln mit Jesus Christus zu tun?

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Zum Advent gehören die Weihnachtsmärkte. Die Lichter, Buden und Düfte. Berühmt auf der ganzen Welt. Auf so einem Weihnachtsmarkt bin ich gerade und nippe an einem Becher Glühwein. Neben mir steht eine Frau. Ich komme mir ihr zufällig ins Gespräch. Als sie erfährt, dass ich Pfarrer bin, deutet sie mit der Hand auf die Umgebung. Dabei fragt sie mich: "Was hat das hier eigentlich mit dem christlichen Glauben zu tun?"

Ich antworte eher knapp: "Sie können hier Engel und Krippen kaufen." Die Frau schaut mich belustigt an und sagt: "Dann könnte das hier genauso gut auch der Bacchus-Markt sein." "Sie meinen den römischen Gott des Weines?", frage ich zurück. "Ja", entgegnet sie, "denn hier wird mindestens genauso viel Glühwein verkauft wie Engel und Krippen. Also, Herr Pfarrer, geben Sie sich bitte etwas mehr Mühe mit mir."

Nun ist mein Ehrgeiz geweckt. Ich antworte ihr: "Das ist gar nicht so einfach. Sie finden hier eine bunte Mischung aus Brauchtum, Kommerz, christlichen Hoffnungen und Sehnsucht nach Liebe."

Die Frau entgegnet: "Brauchtum - ja, das sehe ich hier: Weihnachtschmuck und so. Kommerz sehe ich auch. Aber Hoffnungen und Sehnsucht nach Liebe kann ich hier nicht erkennen."

Ich entgegne: "Kein Wunder. Das tragen ja auch alle versteckt in ihrem Herzen. Aber etwas davon kann man doch sehen - in den Augen. Ich sehe hier viele verletzliche und sehnsuchtsvolle Augen. Was sonst treibt die Leute bei Kälte und Dunkelheit hierher?"

Die Frau antwortet: "Ist halt eine besondere Stimmung. Kann man nur einmal im Jahr haben. Will man nicht verpassen." Ich frage weiter: "Und wie würden Sie diese besondere Stimmung beschreiben?" Die Frau überlegt eine Weile, dann antwortet sie: "Die vielen Lichter in der Dunkelheit, das hat etwas Romantisches. Auch etwas Friedliches – bei allem Gedränge."

Ich stimme zu: "Über diesem Markt liegt unsichtbar der Wunsch nach Frieden und Gemeinschaft. So wie hinter den Weihnachtsgeschenken die Sehnsucht nach Liebe steckt." Die Frau sagt: "Okay, Weihnachten hat viel mit Sehnsucht nach Liebe zu tun. Das leuchtet mir ein. Aber was ist daran christlich? Die Liebe werden Sie wohl nicht für sich vereinnahmen?"

Ich schüttele den Kopf: "Nein, denn Liebe ist etwas Universales. Aber der christliche Glaube gibt der Liebe schon etwas Besonderes. Die Liebe geht von Gott aus. Gott liebt – und zwar bedingungslos. Dafür hat der christliche Glaube Bilder gefunden: Zum Beispiel das Licht, das die Dunkelheit durchdringt. Und natürlich das Christkind in der Krippe. Gottessohn - zart und verletzlich, der Welt ausgeliefert. Geboren in einem Stall, abseits von allem Trubel."

Die Frau entgegnet: "Und der versteckt sich jetzt hier irgendwo mitten im Trubel?" Ganz schön schlagfertig, denke ich und erwidere: "Ja, ich fürchte: Mehr ist es nicht. Jedenfalls dürfen Sie hier nicht allabendlich um 18 Uhr den großen christlichen Urknall erwarten - mit Auftritt von Jesus Christus aus Rauch und Sternschnuppen, begleitet von einer Siegerhymne. Das wäre zwar eine tolle Inszenierung. Aber genauso ist Gott nicht. Weihnachten ist das Fest des leisen Gottes, der sich unter die Menschen mischt. Gott finden Sie hier überall, wenn Sie wollen: in den Menschen."

Ich zögere kurz, sage aber dann doch: "Sie können auch selbst etwas tun, dass man hier mehr Christus findet. Auch Sie geben mit Ihrem Leben Gott ein Gesicht und eine Stimme. Viele hier wissen das – oder ahnen es zumindest. Sie gehen achtsam miteinander um. Mehr als sonst im Alltag. Dazu gehört ja auch Ihre Frage, was der Weihnachtsmarkt mit Christus zu tun hat. Sie erwarten hier etwas, das Sie auf einem normalen Wochenmarkt nicht erwarten."

Die Frau stimmt zu: "Ja, eigentlich schon. Aber ich weiß gar nicht so genau, was."

"Ich denke: Schauen Sie in Ihrem Herzen nach."

Es gilt das gesprochene Wort.

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