Gemeinfrei via Fundus/ Hans-Georg Vorndran
Bundeskanzler Merz hat Indiens Premierminister Modi besucht. Es ging um wirtschaftliche Zusammenarbeit - auch im Bereich Rüstung. Vorher aber verneigten die beiden sich vor Gandhi, der Symbolfigur für Gewaltlosigkeit.
Merz bei Gandhi
Die Welt braucht Gewaltlosigkeit nötiger denn je
16.01.2026 06:35

Bundeskanzler Merz hat Indiens Premierminister Modi besucht. Es ging um wirtschaftliche Zusammenarbeit - auch im Bereich Rüstung. Vorher aber verneigten die beiden sich vor Gandhi, der Symbolfigur für Gewaltlosigkeit.

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Er setzte sich, öffnete seine Schnürsenkel und zog die Schuhe aus. Auf Socken betrat Bundeskanzler Friedrich Merz den Sabarmati Ashram, die einstige Wirkungsstätte von Mahatma Gandhi. Der erste offizielle Programmpunkt seines zweitägigen Besuchs in Indien am Anfang dieser Woche.

Merz will die Zusammenarbeit beider Länder stärken. Insbesondere die Kooperation im Rüstungsbereich soll ausgebaut werden. Der indische Premierminister Narendra Modi hat den Bundeskanzler in Ahmedabad empfangen. Die Stadt im Westen Indiens ist ein wirtschaftliches Zentrum des Landes – und eben der frühere Wohnort Gandhis. An dessen Statue haben Merz und Modi rote Blütenblätter niedergelegt.

Von hier aus startete Gandhi 1930 den berühmten Salzmarsch. Der damals 60-Jährige machte sich zu Fuß auf den Weg. Er will nicht kämpfen gegen die britische Kolonialmacht. Er geht einfach nur. 24 Tage lang, über 380 Kilometer weit bis zum Arabischen Meer. Täglich schließen sich ihm mehr Menschen an. Ihr Ziel: die Unabhängigkeit Indiens von der Kolonialmacht Großbritanniens. Unter der britischen Herrschaft war es ihnen verboten, Salz selbst zu gewinnen. Die Briten haben die Salzsteuer erhöht. Gandhi protestiert laufend gegen das Salzmonopol. Für Gerechtigkeit und Freiheit. Ohne Gewalt.

Als der Salzmarsch am Meer angekommen ist, geht Gandhi ein paar Schritte ins Wasser. Er hebt am Strand einige Körner Meersalz auf. Ein leiser Akt zivilen Ungehorsams. In Folge begannen einige Inderinnen und Inder, ihr Salz selbst zu gewinnen. Sie stellten Salzwasser in einer Schüssel in die Sonne und ließen es verdunsten. Die Briten haben damals mehrere friedliche Protestierende verhaftet – unter ihnen auch Gandhi. Aber die Sehnsucht nach Freiheit war nicht aufzuhalten. Der Salzmarsch gehört zu den ersten Schritten auf dem Weg zu Indiens Unabhängigkeit. Gandhi wurde zum indischen Nationalhelden.  

Modi und Merz haben sich vor diesem Mann verneigt, für den Gewaltlosigkeit mächtiger war als Kanonen. Gandhi – obwohl gläubiger Hindu – ließ sich von der Bergpredigt Jesu inspirieren. Insbesondere von den Worten: "Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar." (Matthäus 5,39)

Gandhi wird oft in einem Atemzug mit Martin Luther King genannt. Auch der Baptistenpastor Martin Luther King hat gepredigt und gelebt: Beantworte Gewalt nicht mit Gegengewalt. Leiste friedlichen Widerstand gegen Ungerechtigkeit. Martin Luther King sagte über Gandhi: "Wenn die Menschheit Fortschritte machen soll, ist Gandhi unumgänglich. Er lebte, dachte und handelte in der Vision einer Menschheit, die sich auf eine Welt des Friedens und der Harmonie zubewegt. Wir ignorieren ihn auf eigene Gefahr." (1)

Gewaltlosigkeit ist immer auch eine Option. Worte können mächtiger sein als Waffen. Gandhi hat gezeigt: Gerechtigkeit braucht keine geballte Faust, sondern den festen Schritt derer, die für Gerechtigkeit aufstehen. Der Mut zum friedlichen Protest ist notwendig in den Ländern, in denen die Willkür regiert, wo die Gewaltherrscher Menschen mit dem Tod bedrohen. So wie gerade schrecklich im Iran.

Zurück nach Indien am Anfang dieser Woche. Bevor sich Modi und Merz wieder auf die Socken machten und das Gelände des Sabarmati Ashram verlassen haben, schrieb Bundeskanzler Merz ins Gästebuch:

"Mahatma Gandhis unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Freiheit und an die Würde jedes Menschen inspiriert uns bis heute. Dieses Menschheitserbe verbindet Inder und Deutsche als Freunde in einer Welt, die Gandhis Lehre vielleicht nötiger hat denn je." (2)

Es gilt das gesprochene Wort.

(1) https://www.mkgandhi.org/ebks/gandhi_relevance.pdf

(2) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kanzler-reise-indien-2402130

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