Erster Werktag im neuen Jahr. Ab jetzt zählt es! Bleibt alles beim Alten oder gehe ich es neu an? Was hilft, damit ich meine guten Vorsätze verwirkliche?
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In der Bibel, genauer gesagt im Brief an die Römer, steht ein Satz, der mich seit langem beschäftigt. Heute am zweiten Tag im neuen Jahr hat er eine besondere Bedeutung. Paulus schreibt dort: "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht." (Römer 7,18) Oh ja, das kommt mir bekannt vor. Wie oft hatte ich schon einen festen Willen, wollte unbedingt etwas schaffen, aber mit der Umsetzung haperte es dann.
Das gilt nicht nur für das, was ich tun will, sondern erst recht für das Gegenteil: etwas nicht mehr tun! Etwas unterlassen, weil es lästig oder sogar schädlich ist. Beispiele kennt jede und jeder. Für die einen: mit dem Rauchen aufhören. Für die anderen: nicht mehr so viel Zeit mit dem Smartphone verdaddeln. "Wollen habe ich wohl", ich finde es unwahrscheinlich wichtig, es ist höchste Zeit, und überhaupt geht es so nicht weiter. Aber dann schaffe ich es trotzdem nicht.
Ein bekanntes Problem, das heute eine besondere Bedeutung hat. Zu Neujahr fassen viele Menschen gute Vorsätze. Der Jahreswechsel scheint ideal für einen Neuanfang. Und der braucht eben ein Konzept: Was will ich zukünftig besser machen – und wie schaffe ich das? Auf der Hitliste der guten Vorsätze steht übrigens an erster Stelle "mehr Sport", gefolgt von "gesünder essen" und "weniger Stress". (1)
Die Sitte der guten Vorsätze zum neuen Jahr ist uralt. Sie soll bis ins Römische Reich zurückgehen. Dort wurde zum Jahreswechsel dem Gott Janus gehuldigt. Der wird mit zwei Gesichtern dargestellt: Ein Gesicht schaut in die Vergangenheit, das andere in die Zukunft. Der Monatsname Januar geht auf diesen Gott Janus zurück. Ihm mussten die Staatsbediensteten zum neuen Jahr ihre Loyalität bekunden. Daraus wurden später die guten Vorsätze.
Manche datieren den Brauch der Vorsätze sogar noch früher, und zwar ins Babylonische Reich. Auch dort waren sie Teil der Rituale zum Jahreswechsel. Wer versprach, den Göttern treu zu dienen, der durfte Glück im neuen Jahr erwarten.
Zur Zeit Jesu gab es also gleich mehrere Neujahrsfeste: Die Assyrer feierten das altorientalische Fest Akitu, die Juden ihr Rosch haShana und die Römer den Janus gewidmeten Jahreswechsel. (2) Der Apostel Paulus wusste also aus mehreren Quellen von der Bedeutung der Vorsätze für ein gelingendes Leben. Und das spielte eine Rolle, als er – wie ein tiefer Stoßseufzer – schrieb: "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht!" Und er fügt hinzu: "Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." (Römer 7,19)
Pläne sind schnell gefasst, schwer wird es mit der Umsetzung. In der Silvesternacht waren die Vorsätze noch mit einer gewissen Euphorie behaftet. Aber heute, am ersten Werktag im neuen Jahr wird es ernst. Was kann ich tun, damit es nicht beim gut gemeinten Vorsatz bleibt?
Paulus stellt fest: Es ist schwer, das, was der Verstand als sinnvoll und gut betrachtet, auch in die Tat umzusetzen. Wir Menschen sind eben nicht so einfach gestrickt, dass alles gleich gelingt, wenn ich es nur will. In diesem Sinne gesteht Paulus am Ende die eigene Unzulänglichkeit ein. Und doch: Selbst, wenn es nicht immer so perfekt funktioniert, bleibt die Absicht doch wichtig.
Auch meine Vorsätze für das kommende Jahr stehen unter diesem Vorzeichen: Ich will es zumindest probieren. Und wenn es nicht klappt, versuch ich es eben immer wieder. Wenn sich gute Vorsätze bewähren sollen, muss ich sie mit Milde betrachten. Ich darf scheitern und es neu versuchen. Für Christen ist deshalb die Gewissheit so wichtig: Gott akzeptiert mich mit meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Das gilt nicht nur, aber ganz besonders für die guten Vorsätze im neuen Jahr.
Es gilt das gesprochene Wort.
(1) https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/neujahrsvorsaetze-psychologie-100.html
(2) https://nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2021/12/neujahr-historisch-warum-der-1-januar-nicht-immer-der-erste-tag-des-jahres-war/
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