Rosenmontag. Das bedeutet für viele: Ausgelassenheit. Ausstieg aus dem Alltag. Über den Spaß, eine:r andere:r zu sein und doch ich.
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Heute ist Rosenmontag. Warum der so heißt, ist nicht ganz klar. Nach dem Wörterbuch der Brüder Grimm kommt Rosenmontag vom mittelhochdeutschen "Rasenmontag". Rasen steht für "toben". Also "wilder Montag". Eine Anspielung auf die närrische Ausgelassenheit.
Denn in manchen Gegenden ist der Rosenmontag ein sehr besonderer Tag mit Umzug und Umtrunk, Freude und Freunden, Ausgelassenheit und Auszeit. Manche freuen sich ein ganzes Jahr darauf, andere können mit all dem Trubel wenig anfangen. An vielen anderen Orten als den Karnevals-, Fasnachts- und Faschingsgegenden ist der Rosenmontag wiederum ein ganz normaler Wochenbeginn. Alle gehen ihrem gewöhnlichen Montagtagewerk nach.
Dort aber wo gefeiert wird, da ist der Rosenmontag ein Tag der Kostüme und Masken. Menschen schlüpfen in andere Rollen, spielen mit Identitäten und sind für einen Moment befreit vom Alltag und seinen Ansprüchen.
Kostüme und Maskeraden gehören allerdings nicht nur zur sogenannten fünften Jahreszeit. Auch sonst sind viele Menschen kostümiert, meistens unsichtbar. Im Beruf, in der Familie, im öffentlichen Leben. Es wird gezeigt, was erwartet wird, und verborgen, was verletzlich ist. Oder es wird mit Zweitidentitäten in sozialen Netzwerken die Sau rausgelassen, ohne dass jemand merkt, dass man selbst die Sau ist.
In einem Buch in der Bibel heißt es: "Der Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an." (1. Samuel 16,7) Dieser Satz ist zunächst eine nüchterne Feststellung. Menschen beurteilen, was sichtbar ist. Gott und vertraute Menschen dagegen sehen tiefer. Nicht kontrollierend oder buchhalterisch, sondern zugewandt und verstehend.
Das kann entlastend sein. Denn es bedeutet: Ich muss nicht ständig etwas darstellen, mich aufpusten oder mich kleinmachen. Ich darf um Gottes Willen sein, wie ich bin. Meine Herzenshaltung ist wichtiger als jede Maske, jede Schminke, jeder Schein. Am Rosenmontag – und an allen anderen Tagen im Jahr auch.
Es gilt das gesprochene Wort.
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